Wolken im Bildungssektor: Die Cloud in der digitalen Hochschule

Cloud native, Managed Services aus der Cloud oder Hybrid Cloud? Nicht alle Clouds sind gleich, doch welche Wolke ist die richtige? Entscheider an Hochschulen haben viele Möglichkeiten. Wer die Unterschiede kennt, liegt im Wettbewerb um die digitale Hochschule vorn.

Datenspeicher, Rechenleistung oder Anwendungssoftware über das Internet? – Für Lehrende wie Studierende an Hochschulen ist das längst Alltag. Nutzer stellen sich nicht die Frage, woher die Dienste kommen. Einen Internetzugang suchen – und los geht es mit dem Teilen von Bildern, der MOOC-Einschreibung oder der Bereitstellung von Vorlesungs-Videos.

Der Megatrend Cloud Computing hat die Art, wie IT genutzt wird, radikal verändert und wird weiterhin viele Abläufe verändern. Allerdings: Nicht alles ist Cloud, was sich als Cloud ausgibt, und nicht alle Clouds sind gleich. Wer die Unterschiede kennt, kann den maximalen Nutzen aus der Technologie ziehen und seiner Hochschule im Wettbewerb um die besten Köpfe, Programme und Services den entscheidenden Vorteil verschaffen.

Für die Cloud gemacht oder in die Cloud gebracht?

Die wichtigste Unterscheidung: Cloud native oder Managed Service aus der Cloud. Die erste Option könnte man auch als Cloud first bezeichnen, denn Cloud native umfasst speziell für das Cloud-Computing konzipierte und entwickelte Anwendungen. Durch das Mitdenken der Cloud-Architektur von Anfang an nutzt dieser Ansatz die Besonderheiten der Cloud und schöpft deren Möglichkeiten systematisch aus. Dabei verfolgt das Cloud Framework einen modularen Ansatz: eine Vielzahl einzelner Microservices stellt zusammen die benötigten Funktionen und Dienste bereit. Oft treten diese Microservices auch als App auf (siehe zum Beispiel das Canvas App-Center) und bieten funktionale Erweiterungen.

Erst Green-Washing, jetzt Cloud-Washing

Anders sieht es bei Managed Services aus. Hier ist das Produkt nicht für die Cloud entwickelt, sondern wird dem Nutzer nur via Cloud geliefert. Das Produkt ist also in der Cloud gehostet. Das geht oft gut, es gibt aber Ausnahmen. Im schlechtesten Fall findet man nämlich On-Premise Software, die nachträglich „cloudifiziert“ ist und gravierende Schwächen hat. Manche sprechen in Anlehnung ans Green-Washing vom „Cloud-Washing“, weil der Begriff Cloud hier mehr die Marketing-Strategie des Anbieters charakterisiert als das tatsächliche Leistungsprofil des Produkts.

Managed Services reduzieren Aufwand – personell und finanziell

Wenn man von diesen Ausnahmen absieht: In den meisten Fällen sind Managed Services für Bildungseinrichtungen eine gute Alternative zur lange vorherrschenden Technologie – also der lokalen Installation von Software am Einsatzort. IT-Verantwortliche sparen sich meist teure Lizenzen inklusive Wartungs- und Supportvertrag. Auch müssen sie die Services in der Regel nicht auf eigener Hardware betreiben – das reduziert Anschaffungs- und Wartungskosten. Zudem übernimmt bei Managed Services der Anbieter auch komplett die Administration der zugrundeliegenden Hard- und Software. Die Abrechnung im Abo reduziert nicht nur die Fixkosten, sondern vereinfacht auch den Arbeitsalltag.

IaaS, Saas oder PaaS?

Managed Services aus der Cloud lassen sich nach der Art der bereitgestellten Leistungen genauer unterscheiden: Handelt es sich um Infrastruktur wie Speicherplatz oder Rechenkapazität, spricht man von Infrastructure as a Service (IaaS). Bei Anwendungsinfrastruktur wie Datenbanken oder Middleware spricht man von Platform as a Service (PaaS). Werden Anwendungen wie Office-Programme über die Cloud bezogen, spricht man von Software as a Service (SaaS).

Die Notwendigkeit, sich mit Hardware- und Software-Administration auseinanderzusetzen, ist bei SaaS am geringsten. All diese Ansätze entlasten die IT sowie das Lehrpersonal und schaffen Freiheiten für Kernaufgaben. Man sieht: Cloud-Computing hat viele Facetten – und zudem das Potenzial, Lehre und Lernerfahrung zu verbessern.

Cloud-Computing – ein Prinzip, viele Ausprägungen

Eine zweite Unterscheidung der Managed Services erfolgt nach der zugrundeliegenden Infrastruktur in Private, Public und Hybrid Cloud. Die Private Cloud (man spricht manchmal auch von Hosting) nutzt zwar Cloud-Technologie wie Browsertechnologie, aber die Architektur ist proprietär und einem exklusiven Nutzer vorbehalten – etwa dem Mail-Server im Uni-Rechenzentrum. Damit verpflichtet sich das Uni-RZ aber auch, die gesamte benötigte Infrastruktur vorzuhalten und zu warten. Bei wachsenden Anforderungen muss es die Hardware ausbauen und zudem Leistungsreserven vorhalten. Das kann aufwändig sein.

Das ist bei der Public Cloud anders: Durch die Nutzung eines Cloud-Providers – etwa Amazon Web Services (AWS) – lässt sich dies umgehen. Hier werden Hardware und Service mit anderen Nutzern geteilt. Shared-Services werden nach Verbrauch abgerechnet und sind für den Nutzer deutlich günstiger als die Private Cloud, denn Cloud-Anbieter können Skaleneffekte bei der Produktion und Bereitstellung von IT-Services nutzen. Bei der dritten Ausprägung – der Hybrid Cloud – mischen sich Private und Public Cloud. Für manche Anwendungen wird die Public Cloud genutzt, andere werden vor Ort und proprietär vorgehalten. Die Hybrid Cloud ist der Status quo an vielen Hochschulen. Doch was ist jetzt die optimale Cloud?

Cloud native, denn die Vorteile für Bildungseinrichtungen überwiegen

Wie so oft kommt es auf Ziele und Anwendungszweck an. Natürlich hat jede Cloud-Option ihre Vor- und Nachteile. Abhängig von den spezifischen Anforderungen, der Größe der Umgebung und dem Budget ist es wichtig, alle Cloud- (und sogar On-Premise-) Optionen abzuwägen.

Die Vorteile von Cloud native dürften überwiegen. Denn mit diesem Ansatz nutzen Bildungseinrichtungen konsequent die Vorteile des Cloud Computing: Agilität, Elastizität, Hochverfügbarkeit (selbst für kleine Einrichtungen) und das alles bei praktisch grenzenloser Skalierbarkeit.

Cloud Computing in der Ausprägung Cloud native ist im universitären Umfeld zudem auch deshalb eine gute Lösung, weil dringend langfristige strategische und strukturelle Entscheidungen zur digitalen Hochschule getroffen werden müssen. Das Hochschulforum Digitalisierung bemerkt sehr treffend in seinen 20 Thesen zur Digitalisierung der Hochschulbildung: „Hochschulen fehlt es nicht an digitalen Lehr- und Lerninnovationen, der Mangel besteht in ihrer strukturellen und vor allem strategischen Verbreitung.“ Und genau so wie Cloud Computing zu tiefgreifenden Veränderungen geführt hat, ist die konsequente Umsetzung und Nutzung jetzt auch der Schlüssel zur digitalen Zukunft der Hochschulen.

Manuel Nitzsche, Instructure Inc.

Über den Autor: Manuel Nitzsche verantwortet bei dem Technologie-Unternehmen Instructure als Regional Director die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Er verfügt über ein Diplom (DH) der DHBW Mannheim sowie einen MBA der Warwick Business School. Mehrere Jahre hat er nebenamtlich Lehraufträge für Mathematik an der DHBW Stuttgart wahrgenommen sowie Projektarbeiten im Fachbereich Wirtschaftsinformatik an der DHBW Mannheim betreut.

Über das Unternehmen: Instructure Inc. ist ein Software-as-a-Service- (SaaS-) Technologie-Unternehmen, das die Lernplattformen Canvas und Bridge anbietet. Sie ermöglichen es Organisationen auf der ganzen Welt, analoge und digitale Lerninhalte zu entwickeln, bereitzustellen und zu verwalten.

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