Wirtschaftskriminalität: Richtiges Verhalten im Betrugsfall

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Mehr als jeder zweite Mittelständler wurde in den letzten fünf Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Hierbei gaben 80 Prozent der befragten Entscheider an, dass sie Betrug als ein kriminelles Risiko für ihr Unternehmen ansehen. Auf den Ernstfall sind viele Unternehmer dennoch nicht vorbereitet. Sie begeben sich häufig selbst auf die Suche nach Beweisen. Das laienhafte Vorgehen endet ergebnislos, teilweise richtet es sogar zusätzlichen Schaden an. Der Ermittler Jörn Weber erklärt, warum professionelle Recherchen dem Unternehmen dabei helfen, die Täter zu stoppen und Waren und Geld zurückzubeschaffen.

Ein typischer Fall: In einem mittelständischen Unternehmen kommt der Verdacht auf, dass in einem Geschäftsfeld seit Jahren Finanzdaten manipuliert wurden. Der Geschäftsführer fühlt sich angegriffen, er ordnet sofort Nachforschungen an. Alle Angestellten werden befragt. Erst nach erfolgloser Recherche werden professionelle Ermittler eingeschaltet. Doch durch die eigenständige Detektivarbeit waren die Täter bereits vorgewarnt, sodass sie die den Fall betreffende Dateien und Verkaufsunterlagen bereits vernichtet hatten. Die Täter können nicht gefasst werden und so weiteren Schaden anrichten.

Jörn Weber, Geschäftsführer der Mönchengladbacher Ermittlungsagentur Corma, rät von eigenständigen Ermittlungen ab: „Es ist ganz selbstverständlich: Wenn ein Unternehmer Anzeichen für betrügerische Aktivitäten findet, ist sein erster Impuls, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch sein emotionales Befinden und auch fehlendes Know-how kann Fehlentscheidungen zur Folge haben, die dem Unternehmen wirtschaftlich noch mehr schaden und seinen guten Ruf gefährden.“
Weber betont, wie wichtig es sei, bei einem Betrugsverdacht schnell und auch diskret zu handeln, damit Verdächtige keine Chance bekommen, Beweise zu vernichten. Die Sicherung physikalischer Beweismittel wie z. B. von Geschäftspapieren erfordere ein professionelles Vorgehen, damit die spätere Verwertung als Beweis vor Gericht gesichert ist. Auch der Umgang mit digitalen Beweismitteln wie Rechnern, Servern oder Smartphones, das Prüfen digitaler Bilder oder PDF-Dokumente auf deren Echtheit oder die Analyse von Handschriften erfordere Spezialwissen. Professionelle Ermittler seien zudem ausgebildet im juristisch einwandfreien Führen von Interviews mit verdächtigen Personen und Zeugen. Über ihr bestehendes Netzwerk sind professionelle Ermittler zudem in der Lage, Recherchen im Ausland fortzusetzen.

„Zunächst entstehen dem Unternehmen zwar Ausgaben für die Beauftragung externer Ermittler. Doch die Erfolgsaussichten, verlorene Werte zurück zu beschaffen und die Täter vor Gericht zu bringen, sind bei Einschaltung von Profis wesentlich höher“, sagt Weber. Er empfiehlt mittelständischen Unternehmen, sich auf den Notfall vorzubereiten und einen Krisenplan zu entwickeln, in dem Ansprechpartner, Kommunikationsregeln und Prozesse definiert sind. So kann das Unternehmen sofort und richtig auf die Bedrohung reagieren.

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