Wer nicht mit Start-ups kooperiert, handelt fahrlässig

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
67 Prozent der etablierten Unternehmen arbeiten nicht mit Startups zusammen. Das ergab eine aktuelle Bitkom-Studie. Als Gründe dafür nannten die Manager mangelnde Zeit und fehlende Budgets. Der Großteil sieht zudem keinen Mehrwert in einer solchen Kooperation. Doch wer so denkt, hat das Wesen der Digitalisierung nicht verstanden und handelt betriebswirtschaftlich fahrlässig.
Start-UpsQuelle: Vinci Energies

Künftig wird der Wert eines Unternehmens nicht mehr primär durch seine eigene Leistungsfähigkeit und Produkte bestimmt, sondern in ganz erheblichem Maße durch sein Ökosystem. Mit Start-ups zu kooperieren, ist daher nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit, um zukunftsfähig zu bleiben. Mangelnde Zeit ist ein Denkfehler. Früher galt: Wer schnell sein will, macht Dinge alleine.

Heute ist genau das Gegenteil richtig. Denn im Digitalbereich werden Themen und Projekte immer komplexer. Die Skills, die man dafür benötigt, sind so vielfältig und oft auch branchenübergreifend, dass man alleine dafür viel länger braucht als mit kompetenten Partnern. Deshalb ist es entscheidend, die richtigen Kooperationen zu stricken.

Zugang zu Innovationen und neuen Fähigkeiten

Natürlich kostet eine Zusammenarbeit mit Start-ups auch Geld. Darauf zu verzichten, ist aber viel teurer. Etablierte Unternehmen vergeben damit wertvolle Chancen. Denn durch Kooperationen erhalten sie Zugang zu Innovationen, neuen Skills, neuen Lösungen und neuesten Produkten. Sie werden attraktiv für neue Kunden. Und nicht zuletzt können sie vom Mindset der Start-ups profitieren und einen Kulturwandel fördern. Schließlich zeigen Studien immer wieder, dass die Unternehmenskultur eine der größten Barrieren für den digitalen Fortschritt ist. Der Mehrwert für die etablierten Unternehmen liegt also auf der Hand.

Kooperationen fallen allerdings nicht vom Himmel – man muss auch etwas dafür tun. Der erste Schritt besteht darin, herauszuarbeiten, was das eigene Unternehmen im Gegenzug zu bieten hat. Das kann zum Beispiel Finanzierung sein, Know-how in Marketing oder Vertrieb, Reputation, eine größere Sichtbarkeit am Markt, der Zugang zu einem Kundenstamm oder Integrationsleistungen.

Viele Startups sind zum Beispiel stark spezialisiert auf einen bestimmten Prozessdigitalisierungsschritt oder eine Technologie, sie haben aber Integrationsbedarf rechts und links davon. Mit einem etablierten Partner an der Seite, der dies beherrscht, können sie ihren Kunden gegenüber ganz anders auftreten.

Andockfähig machen für Start-ups

Für Unternehmen ist es essenziell, sich für Start-ups andockfähig zu machen. Dafür eignet sich die Rolle des Chief Digital Officer oder der Aufbau eines Digitallabors, das für Innovationen steht. Je nach Unternehmensgröße kann die Schnittstelle zur Start-up-Szene auch aus einem ganzen Team oder nur einer Person bestehen. Der oder die Ansprechpartner sollten klar nach außen kommuniziert werden und präsent sein, sodass Start-ups wissen, an wen sie sich bei Interesse wenden können. 

Eine weitere Maßnahme besteht darin, die Start-up-Landschaft kontinuierlich und systematisch zu screenen, um Kandidaten zu identifizieren, die für das Unternehmen interessant sein könnten. Der CDO kann dann Kontakt zu ihnen aufnehmen und sie mit interessierten Business Unit Managern zusammenbringen. So lassen sich erste Kooperationsmöglichkeiten ausloten. Man muss nicht unbedingt große Summen investieren und gleich Anteilseigner an einem Start-up werden. Oft empfiehlt es sich, erst einmal ein einzelnes, spannendes Projekt zu finanzieren. Das Budget dafür bleibt überschaubar und man lernt sich kennen. Bei Erfolg kann man die Zusammenarbeit anschließend ausbauen.

Das Wesen der Digitalisierung ist es, zu kooperieren und Netzwerke aufzubauen. Wer das nicht verstanden hat, unterschätzt die Tragweite der transformativen Kraft. Denn spätestens in ein paar Jahren, wenn nicht schon ein paar Monaten, wird das Unternehmen aufwachen und sein Geschäftsmodell überdenken müssen. Für Manager, die nicht mit Startups zusammenarbeiten wollen, ist dann kein Platz mehr.

Dr. Bernhard Kirchmair Vinci EnergiesQuelle: Vinci Energies

Über den Autor: Dr. Bernhard Kirchmair ist Chief Digital Officer bei Vinci Energies Deutschland. Zuvor war der Informatiker und promovierte Ökonom nach Gründung eines Start-ups und einem Aufenthalt im Silicon Valley als Unternehmensberater sowie in verschiedenen leitenden Funktionen bei großen Unternehmen tätig, zuletzt beim Mobilfunkanbieter O2. Bei Vinci Energies Deutschland verantwortet er die digitale Transformation des Konzerns und das Wachstumsfeld Internet of Things. (sg)

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken
Werbung
Werbung

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Werbung

Oft gelesen

Noch keine Daten vorhanden.

Werbung

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Industrie 4.0

Fokus Gesamtunternehmen

Mehr erfahren

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.