Totgesagte leben eben nicht länger – Cebit adé

Die Pressemitteilung der Deutschen Messe AG war ziemlich dürftig. Nur wenige Zeilen verkündeten das Aus für die Cebit. Das Ende der einst größten Computermesse kommentiert Christiane Manow-Le Ruyet vom e-commerce magazin.

Wer heute auf die Website von Europas führendem Ditigital-Event – die Cebit – klickt, ahnt noch nichts von dem Aus. Da ist noch von der Cebit 2019 die Rede. Soweit kommt es aber nicht mehr. Denn die Cebit ist am Ende – aus und vorbei. Nach 32 Jahren als Treffpunkt für alles was in der IT-Branche Rang und Namen hatte oder haben wollte.

In den Hochzeiten glänzte das Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation (Cebit) mit Traumbesucherzahlen von über 800.000. Zuletzt schrumpften diese auf magere 120.000 zusammen. Zu wenig, um ein Messeformat, das auf Gigantomanie ausgelegt war, am Leben zu erhalten.
Gigantisch waren auch die Anstrengungen, die die Messeleitung der Deutschen Messe Hannover in diesem Jahr vom Zaun brach, um die in diesem Jahr fast schon totgesagte Cebit wiederzubeleben. Das Messe-Motto lautete: Festival und Networking. Junges Publikum sollte nun die Hallengänge füllen.
Dazu fuhr die Messe ein Potpourri an Amusement-Garanten von Mando Diao über Jan Delay bis hin zu Tischkickern – das hat Start-up-Charakter – ja sogar ein 60 Meter hohes Riesenrad auf. Übrigens steckte hinter dieser Idee ein Softwarekonzern. In den Gondeln wurden Business-Gespräche geführt – kein vorzeitiges Entrinnen aus den Fängen der Gesprächspartnern möglich.
Dieses Aufgebot an Attraktionen hätte glatt für ein Volksfest getaugt. Nur dass die Cebit 2018 dummerweise nicht zum Oktoberfest der IT-Branche aufgestiegen war. Ganz im Gegenteil. Der jungen IT-Generation-Z-Zielgruppe war’s egal, sie kamen trotzdem nicht.

Das Aus - wen wundert’s

Keine Frage: Mit dem Aus für die Cebit geht eine Ära zu Ende. Viele, die sich im IT-Umfeld tummeln, verbanden mit dem Messeformat meist geballtes IT-Wissen, zahlreiche gute Kontakte und jede Menge Leads. Das war zumindest in den 90-ern und Anfang der 2000-er noch so. Danach ging es stetig bergab. Viele andere Messe- und Veranstaltungsformate poppten auf - vom Bar Camp bis zu Networking- und Bloggerevents und vielen mehr.
Für ITler also jede Menge Möglichkeiten, abseits der Cebit zu networken, über Social-Media-Kanäle Infos auszutauschen und Neues zu erfahren. Wozu war da noch ein führendes Digital-Event in Hannover nötig, wenn alle schon im Vorfeld der Messe bestens informiert waren? Die Messeleitung ignorierte den Wandel komplett. Nur noch wenige waren bereit, für eine Reise an den Nabel der IT-Welt in Hannover viel Geld in die Hand zu nehmen.

Teures Networken

Ganz ehrlich, richtig komfortabel war es noch nie, zur Cebit zu fahren. Ausgebuchte Hotels, überteuerte Zimmerpreise, teure Privatzimmervermietungen, teure Anfahrtskosten und Verköstigungspreise wie im 5-Sterne-Luxus-Hotel. 1995 beispielweise kostete die Schweinshaxe 36 Mark, die Maß Bier 18 Mark. Das war sogar luxuspreiserprobten Oktoberfestbesuchern einfach zu viel.

Lange, sehr lange, viel zu lange änderte sich am Cebit-Konzept nichts. Warum auch, es lief doch noch irgendwie. Allerdings zeigten die vergangenen Jahre, das die Zeit für eine rundum erneuerte europäische Digitalmesse schon längst verstrichen war.

Manchmal ist es gar nicht so schlecht, mit den Hausaufgaben früher anzufangen. Bei der Cebit wurde das verpasst und das Ende kam unweigerlich. Daran konnte auch das diesjährige, groß aufgezogene Festival nichts mehr ändern. Vielleicht ist es deswegen nicht verwunderlich, dass sich die Cebit sich ohne großes Brimborium von der IT-Bühne verabschiedet hat. Cebit adé – es war schön mit dir. Aber jetzt wird’s Zeit für etwas ganz Neues. (cml)

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