Sorge wegen steigender Zahl von DDoS-Angriffen wächst

DDoS-Attacken sind 2017 zu einer weit größeren Bedrohung geworden als noch im Vorjahr. Das setzt insbesondere Internet Service Provider (ISPs) unter Zugzwang. Dies belegt eine aktuelle Umfrage von Corero Network Security (LSE:CNS) unter IT-Sicherheitsprofis und Netzbetreibern.

Im Rahmen des Corero DDoS Impact Survey 2017 befragte das Unternehmen anlässlich der RSA Security Conference im letzten Monat in San Francisco rund 100 Technologieentscheider und Sicherheitsexperten. Die Mehrzahl der Befragten (56 %) hegten 2017 deutlich größere Bedenken im Hinblick auf DDoS-Angriffe als noch im Vorjahr.

DDoS-Angriffe legen in allen Bereichen zu

DDoS-Angriffe haben dabei in allen Bereichen gegenüber dem vorigen Jahr zulegt: Sie finden häufiger statt, sie haben enorm an Bandbreite gewonnen und nicht zuletzt sind sie intelligenter und ausgefeilter. Rund ein Drittel der Befragten (31 Prozent) sah sich in den vergangenen Monaten mit mehr DDoS-Attacken konfrontiert als zuvor, wobei 40 % inzwischen DDoS-Angriffe auf einer monatlichen, wöchentlichen oder sogar täglichen Basis beobachten. Als Folge dieser Entwicklung nehmen Kunden ihren ISP deutlicher in die Pflicht als bisher. 85 Prozent der Befragten erwarten von ihrem Provider zusätzliche Unterstützung, um DDoS-Traffic zu blocken, bevor er sie erreicht.

In die gleiche Stoßrichtung zielen Reports im Vereinigten Königreich. Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) erhöht den Druck ganz explizit und verlangt von ISPs die Internetstandards im Blick auf Spoofing zu ändern. Ziel ist es, das Volumen des DDoS-Traffics zu vermindern, der auf die betreffenden Netzwerke prallt. Dr. Ian Levy, Technical Director des NCSC, hat Internet Service Provider aufgefordert, die Standards für das Border Gateway Protocol (BGP) und das Signaling System 7 (SS7) entsprechend anzupassen. Diese Maßnahme verhindert das Re-Routen des Datenstroms wie bei simplen, volumetrischen Angriffen üblich.

Sicherheitsstrategien zum Schutz vor DDoS-Attacken 2017 wieder oben auf der Liste

Rob Ayoub, Research Director bei IDC: „Unternehmen, die Projekte zum Schutz vor DDoS-Angriffen zunächst auf Eis gelegt haben, überdenken jetzt ihre Prioritäten. Sicherheitsstrategien zum Schutz vor DDoS-Attacken rücken 2017 auf der Liste ganz nach oben. Mit den jüngsten großformatigen Angriffen, bei denen kompromittierte IoT-Geräte benutzt wurden, sind DDoS-Attacken jetzt eine der wichtigsten Bedrohungen, mit denen CISOs sich auseinandersetzen müssen. Insbesondere Internet Service Provider und Cloud-Anbieter geraten unter Zugzwang, denn Kunden verlangen mehr und mehr, den DDoS-Strom bereits näher am Ursprung zu stoppen.“

Ashley Stephenson, CEO von Corero Network Security: „ISPs schlagen sich schon eine ganze Weile damit herum, ihre eigenen Netzwerke vor DDoS-Angriffen zu schützen. Aber wenn sich die Bedrohungslandschaft ändert, muss sich auch die Reaktionsweise ändern. Provider werden im Laufe des kommenden Jahres sehr wahrscheinlich an einen Wendepunkt gelangen, da der Druck auf sie wächst. Sowohl von Seiten  ihrer Kunden als auch von Seiten der Regierung wird erwartet, dass ISPs dieses wachsende Problem adressieren. Wenn ISPs diese Verantwortung ernst nehmen, haben sie damit zugleich die Möglichkeit, ihre Sicherheits-Services zu modernisieren und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Tun sie das im Umkehrschluss nicht, könnten sich ISPs in Zukunft mit regulatorischen Kontrollen in Sachen DDoS-Schutz konfrontiert sehen.“

58 Prozent verlassen sich auf Eigenentwicklungen

Die Corero-Studie hat ergeben, dass sich eine erschreckende Zahl von 58 Prozent der befragten Sicherheitsexperten beim Schutz vor DDoS-Attacken auf Eigenentwicklungen auf OpenSource-Basis oder traditionelle Sicherheitsinfrastruktur wie Firewalls verlassen. Etwa ein Drittel der Befragten (36 Prozent) setzen Cloud-basierte Lösungen einschließlich von Scrubbing-Centern ein  und weitere 35 Prozent nutzen zur Abwehr von DDoS-Attacken On-Premise-Lösungen. Die überwiegende Mehrzahl der Befragten, nämlich 85 Prozent, glauben, dass ihr ISP das Problem im Rahmen des existierenden Rahmenvertrages lösen sollte. Immerhin 46 Prozent sind bereit, mehr dafür zu bezahlen, wenn der DDoS-Traffic beseitigt wird, ehe er das Netzwerk erreicht. Unter diesen Befragten würden etwa drei Viertel (75 Prozent) gewillt sein, zusätzlich ein Budget etwa in Höhe der Quartalsgebühren einzusetzen, wenn sie dafür einen besseren Schutz vor DDoS-Angriffen bekämen.

Ashley Stephenson weiter: „Wenn ISPs sich bei der Abwehr von DDoS-Angriffen klar positionieren, liegt darin ein ganz entscheidender Mehrwert für sie. Sie schützen damit nämlich nicht nur ihre eigene Infrastruktur, sondern sind zusätzlich in der Lage, ihren Kunden eine umfassende Lösung als zusätzlichen Managed Service anzubieten. DDoS-Angriffe haben sich seit ihren Anfangstagen stark gewandelt und sind inzwischen zu einer komplexen Bedrohung geworden. Das lässt mit ziemlicher Sicherheit vermuten, dass etliche IT-Sicherheitsabteilungen die Lösung des Problems lieber outsourcen als sich damit zusätzlich (und womöglich nicht adäquat) auseinandersetzen zu müssen.“

Größter auszumachender Risikofaktor

Die Corero-Studie hat sich noch mit einem weiteren Aspekt befasst. Sie untersuchte, worin die Befragten den potenziell folgenschwersten Schaden einer erfolgreichen DDoS-Attacke sehen. Der größte auszumachende Risikofaktor für beinahe die Hälfte der Befragten (45 Prozent) ist, das Potenzial Vertrauen und Glaubwürdigkeit gegenüber den eigenen Kunden dauerhaft zu verlieren. 17 Prozent der Befragten befürchten den Diebstahl von Daten, 15 Prozent eine Infektion mit Malware und 13 Prozent Umsatzeinbußen.

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