24.01.2022 – Kategorie: Digitale Transformation

Prozessautomatisierung: Immer mehr Unternehmen bauen Kompetenzzentren auf

Laut der neuen Studie „Provider Lens Intelligent Automation“ von ISG steigt die Nachfrage nach Lösungen und Dienstleistungen für die Prozessautomatisierung. Mit ihnen lassen unternehmensübergreifende Use Cases umsetzen.

Im Verlauf der Corona-Pandemie ist der Reifegrad der Prozessautomatisierung deutlich gestiegen. Zu den wichtigsten Entwicklungsschritten zählt der Aufbau von Kompetenzzentren, in denen Anwenderunternehmen die Ressourcen ihrer Automatisierungsprogramme bereichsübergreifend zusammenführen. Aus der Zentralisierung ergeben sich neue Optionen, um intelligente Automatisierungslösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette planvoll auszurollen. Software-Unternehmen und IT-Dienstleister unterstützen diese Entwicklung mit Plattformangeboten, auf denen sich verschiedene Automatisierungstechnologien prozessorientiert verknüpfen lassen.

Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des neuen Anbietervergleichs „ISG Provider Lens Intelligent Automation – Solutions and Services Report for Germany“, den das Beratungsunternehmen Information Services Group (ISG) jetzt vorgelegt hat. In der Studie werden das Know-how und die Umsetzungsfähigkeiten von 84 Dienstleistern und Software-Anbietern untersucht. Diese sind auf dem deutschen Markt tätig.

Prozessautomatisierung: Lösungsanbieter erwarten Umsatzanstieg

„2022 erwarten die meisten Anbieter von intelligenten Automatisierungslösungen ein Umsatzplus von mindestens 20 Prozent“, berichtet Heiko Henkes, Director & Principal Analyst bei der Information Services Group (ISG). Als Gründe für dieses Wachstum führt er mehrere Faktoren an: „Zum einen haben wir weiterhin die klassischen Treiber wie größere Kundenzufriedenheit, kürzere Durchlaufzeiten, attraktivere Arbeitsplätze sowie höhere Daten- und Prozessqualität. Zum anderen geht es aber immer stärker auch darum, zeitnah Antworten auf die stark steigenden Belastungen in den Lieferketten zu finden.“

ISG Henkes
Heiko Henkes ist Director & Principal Analyst bei der Information Services Group. (Bild: ISG)

Welchen Mehrwert durchgängige Lösungen für die Prozessautomatisierung gerade bei Fragen der Lieferkette bringen, würden digitale Disruptoren zeigen. Bei denen seien das Business und die IT-Organisation aufs Engste miteinander verzahnt seien. Ein solches Design erlaube es, so Henkes, alternative Dispositionsentscheidungen in Echtzeit zu treffen. Ein weiteres Anwendungsfeld ergebe sich im Bereich der Fertigung. Die IT-gestützte Prozessautomatisierung trägt hier dazu bei, die Losgrößen so zu reduzieren, dass sich immer weiter reichende Kundenwünsche erfüllen lassen. Und zwar ohne dabei die Fertigungskosten aus den Augen zu verlieren.

Altlasten früherer Initiativen der Prozessautomatisierung

Ungeachtet dessen habe die Mehrzahl der Anwenderunternehmen derzeit noch mit den Altlasten früherer Initiativen der Prozessautomatisierung zu kämpfen. Diese seien vor allem im Kontext einzelner Unternehmensbereiche entstanden und hätten sich entsprechend heterogen weiterentwickelt. In Folge dessen träfe man auf eine Vielzahl von Insellösungen, bei denen ganz unterschiedliche Technologien und Datenmodelle zum Einsatz kommen.

Die sich daraus ergebenden Reibungsverluste schränkten die Skalierbarkeit der Lösungen stark ein. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen würden sich nun mehr und mehr Unternehmen dazu entscheiden, bereichsübergreifende Kompetenzzentren einzurichten. Die Zentren stützen ihre Arbeit auf ein konsistentes Prozess- und Technologie-Framework. Die neue Studie von ISG fasst dieses Angebotssegment unter dem Begriff Intelligent Business Automation (IBA) zusammen.

Intelligent Business Automation vereint Technologien für Prozessautomatisierung

Anbieter von Intelligent Business Automation bringen die für den Kunden relevanten Technologien in einer durchgängigen Automatisierungs-Suite zusammen. Das Spektrum der dabei integrierten Technologiefelder reicht von der Analytik über künstliche Intelligenz (KI) und Machine/Deep Learning bis hin zu natürlicher Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP) und Computer Vision.

Eine Schlüsselstellung nimmt das Process Discovery & Mining ein. Damit lassen sich genau diejenigen Anwendungsfälle ermitteln lassen, die in der aktuellen Prozessorganisation eines Kunden das größte Automatisierungspotenzial haben. Um im engen Austausch mit den Fachabteilungen des Kunden belastbare Vorschläge für den Ausbau intelligenter Automatisierungslösungen zu machen, zählt ein entsprechendes Branchenwissen zu den Schlüsselqualifikationen von führenden IBA-Dienstleistern.

Markt für Artificial Intelligence for IT Operations

Im Teilmarkt Artificial Intelligence for IT Operations (AIOps) untersucht ISG IT-Dienstleister mit einem proprietären Angebot für künstliche Intelligenz im IT-Betrieb. AIOps-Plattformen helfen den Unternehmen, komplexe IT-Operationen in Multi-Cloud-Umgebungen automatisiert zu managen. Ziel ist es, die Performance der immer verteilter arbeitenden Workloads zu maximieren, dabei Kosten zu reduzieren sowie die Compliance und Sicherheit des IT-Betriebs zu gewährleisten.

Hierzu bieten AIOps-Lösungen Fähigkeiten wie automatische Fehlersuche, Selbstheilung, vorausschauende Wartung und automatische Orchestrierung von Korrekturen. ISG erwartet, dass der deutsche AIOps-Markt in den kommenden drei bis fünf Jahren signifikant wachsen wird. Angesichts der Komplexität von AIOps suchen Unternehmen nach Dienstleistern mit bereits entwickelten, integrierten und vortrainierten Algorithmen respektive Lösungen, die ihnen helfen, ihre digitale Transformation zu beschleunigen und die vorhandenen Komplexitäten zu minimieren.

Markt für Conversational AI

Im Marktsegment Conversational AI (ConAI) bewertet ISG Anbieter von KI-basierten, automatisierten Dialogsystemen. Lösungen hierfür interagieren mit den Anwendern über Text oder gesprochene Sprache. Um die Stimmungen, Emotionen und Einstellungen menschlicher Nutzer zu verstehen, kommen Natural Language Processing (NLP)- und Machine Learning (ML)-Technologien für die Sentiment-Analyse zum Einsatz. Die Anwendungen können auf Basis von Suchalgorithmen und Datenklassifizierungsansätzen immer größere Datenmengen, dabei in zunehmendem Maße auch unstrukturierte Daten, verarbeiten.

Zudem demokratisieren Low-Code-/No-Code-Umgebungen die KI-Entwicklung. In der Folge werden Business-Anwender zu eigenständigen Entwicklern, die schnellere und flexiblere Implementierungen vorantreiben können. Zu den wichtigsten Anwen¬dungsfällen zählen derzeit die Unterstützung von virtuellen Agenten und Sprachassistenten sowie von Chatbots in Kontaktzentren.

Markt für Intelligent Document Processing

Im Marktsegment Intelligent Document Processing analysiert ISG Anbieter, die proprietäre Softwarelösungen für die automatisierte Erkennung, Analyse und Verarbeitung von Dokumenten offerieren. Die intelligente Dokumentenverarbeitung (Intelligent Document Processing, IDP) nutzt KI-Technologien. Hierzu zählen maschinelles Lernen, Deep Learning oder Computer Vision, um große Mengen an unstrukturierten Daten zu filtern. Diese stammen aus verschiedenen Quellen wie etwa E-Mail, PDF, Excel, Word oder Bilddateien. Diese Daten werden weiterverarbeitet, gespeichert und anderen Business-Anwendungen zur Verfügung gestellt.

Um die Zahl der manuellen Eingriffspunkte auf ein Minimum zu begrenzen und die Workflows der Dokumentenverarbeitung über komplette Geschäftsprozesse hinweg zu automatisieren, suchen die Unternehmen nach IDP-Lösungen mit hohem Datendurchsatz und einer ebenso hohen Präzision in der Datenerfassung. Laut Studie hat sich die intelligente Dokumentenverarbeitung gerade auch in Deutschland, wo papiergebundene Dokumente vielerorts noch immer fester Bestandteil der Prozessketten sind, zu einem wichtigen Instrument entwickelt, um die veränderten Rahmenbedingungen zu erfüllen, die im Zuge der Pandemie entstanden sind.

Markt für Process Discovery & Mining

Im Marktsegment Process Discovery & Mining (PD&M) bewertet ISG Anbieter von proprietären Software-Lösungen für die automatische Erkennung, Überwachung und Verbesserung von Geschäftsprozessen. Die untersuchten Provider bieten Technologieplattformen, die Process Mining, Process Discovery und Task Mining kombinieren, um Geschäftsprozesse zu visualisieren, zu gestalten und zu optimieren. Indem PD&M-Lösungen die Performance der gegenwärtigen Prozessorganisation aufzeigen, entsteht eine belastbare Datengrundlage, um lohnende Ansatzpunkte für weiterführende Vorhaben der Prozessautomatisierung zu ermitteln. Zudem sind erste Anbieter bereits in der Lage, Prozesse annähernd in Echtzeit zu analysieren. Somit entwickeln sich PD&M-Lösungen zu einem ernstzunehmenden Instrument für die Ausarbeitung von Alternativvorschlägen, wenn es aktuelle Business-Probleme, wie zum Beispiel Lieferkettenstörungen, zu lösen gilt.

Prozessautomatisierung: Bewertung der Anbieter

Die Vergleichsstudie stuft IBM in drei Marktsegmenten sowie Accenture, Atos and Capgemini in jeweils zwei Segmenten als „Leader“ ein. Die Anbieter Abbyy, Almato, Amelia, Artificial Solutions, Arvato, Automation Anywhere, Axians, Celonis, CGI, Cognigy, Datagroup, DXC Technology, Google, ITyX, Kofax, Microsoft, NTT DATA, Rossum, SAP Signavio, Software AG, TCS, UiPath und Wipro erhalten diese Auszeichnung in je einem Marktsegment. Darüber hinaus werden Abbyy Timeline, Genpact, Infosys und Sinch Chatlayer in jeweils einem Marktsegment als „Rising Star“ bezeichnet. Nach Definition von ISG handelt es sich dabei um Unternehmen mit einem vielversprechenden Angebotsportfolio und hohem Zukunftspotenzial.

Prozessautomatisierung ISG
Im Marktsegment „Intelligent Business Automation“ hat ISG insgesamt 25 Anbieter und ihre Lösungen untersucht. Zehn davon konnten sich als „Leader“ positionieren und einer als „Rising Star“. (Grafik: ISG)

Die Studie „2021 ISG Provider Lens Intelligent Automation – Solutions and Services report for Germany“ gehört zur Studienreihe ISG Provider Lens Quadrant. Es ist der einzige Anbietervergleich, der empirische, datengetriebene Forschungs- und Marktanalysen mit praxisbasierten Erfahrungen des Beratungsteams von ISG kombiniert. Anwender erhalten hierbei eine Fülle detaillierter Daten und Marktanalysen, die ihnen die Auswahl geeigneter Sourcing-Partner erleichtern. Eine begleitende Studienreihe, die ISG Provider Lens Archetype Reports, bewertet als erste ihrer Art Anbieter aus der Sicht bestimmter Kundensegmente.

Die Information Services Group (ISG) ist ein globales Marktforschungs- und Beratungsunternehmen im Technologie-Segment. Als zuverlässiger Geschäftspartner für über 700 Kunden unterstützt ISG Unternehmen öffentliche Organisationen sowie Service- und Technologie-Anbieter dabei, Operational Excellence und schnelleres Wachstum zu erzielen. Der Fokus des Unternehmens liegt auf Services im Kontext der digitalen Transformation. Dies schließt auch die Automatisierung, Cloud und Daten-Analytik, Sourcing-Beratung, Managed Governance und Risk Services, Services für den Netzwerk-Betreibergesellschaften ein. Außerdem das Design von Technologie-Strategie und -Betrieb, Change-Management sowie Marktforschung und Analysen in den Bereichen neuer Technologien. (sg)

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