06 2013

digitalbusiness CLOUD 06/2013

Echelon, Prism, Tempora. Konnten mit diesen Begriffen bis vor Kurzem nur Insider etwas anfangen, kennt sie inzwischen fast jeder. Es geht um die systematische Überwachung des Internetverkehrs durch nationale Geheimdienstbehörden wie die US-amerikanische National Security Agency (NSA) oder das britische Government Communications Headquarters (GCHQ). Schon Ende der 90er Jahre tauchten Hinweise auf weltweit durchgeführte, elektronische Lauschangriffe durch die NSA auf. Echelon war das erste globale Netzwerk von Abhöranlagen, mit dem der weltweite elektronische Datenverkehr automatisch gescannt und für die Auswertung durch Geheimdienste gefiltert wurde. Viele mögen wohl schon immer geahnt haben, dass sich Geheimdienste nicht um Datenschutz oder Vertraulichkeit von Informationen scheren. Aber das, was der US-amerikanische Whistleblower Edward Snowden jetzt an die Öffentlichkeit gebracht hat, wird in diesem Umfang nicht nur manchen deutschen Politiker überrascht haben.
Prof. Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender der DATEV und BITKOM-Präsident, fand anlässlich der Jahrespressekonferenz der DATEV Anfang Juli deutliche Worte der Kritik: „Vor allem mit Blick auf die Wahrnehmung in kleinen und mittelständischen Unternehmen brauchen wir von Politik und Sicherheitsbehörden schnell größtmögliche Transparenz und Aufklärung, um das Vertrauen in Cloud- und Internetdienste nicht dauerhaft zu beeinträchtigen.“ Ein Unternehmen wie die DATEV steht da gut, denn „hohe Sicherheitsstandards und Datenschutz gehören schon seit fast 50 Jahren sozusagen zur DNA der DATEV“, so Kempf weiter.
Welche Folgen hat nun die Aufdeckung der globalen Überwachungsprogramme für den Megatrend Cloud Computing? Manch ein Experte sieht schon das Ende der (Public) Cloud-Konzepte kommen. So einfach lassen sich die Folgen aber nicht beschreiben. Zwischenzeitlich setzt ja fast die gesamte IT-Industrie auf Cloud-Lösungen und -Services. Ein Zurück erscheint da unrealistisch. Aber genau hinschauen sollte man bei der Art der Anwendung. Unter besonderem Schutzbedürfnis stehen natürlich E-Mail-Systeme. Hier wird wohl manches Unternehmen die bisherige Strategie überdenken müssen, Mail-Server komplett an einen Dienstleister auszulagern, womöglich auch noch ins Ausland. Denn die E-Mail gehört (immer noch) zum meistgenutzten Kommunikationsmittel bei der täglichen Arbeit. Mehr als 100 Milliarden der elektronischen Nachrichten werden derzeit pro Tag weltweit zu geschäftlichen Zwecken gesendet und empfangen, häufig mit vertraulichen und geschäftskritischen Informationen.
Eine aktuelle Studie zur IT-Sicherheit im Mittelstand des Vereins Deutschland sicher im Netz (DsiN) gemeinsam mit der DATEV brachte zutage: Nur 44 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben ausreichende Vorkehrungen zur E-Mail-Sicherheit getroffen. Allein mit dem Schutz vor Schadsoftware aus dem Internet sind jedoch nicht alle Gefahren eingedämmt. Informationen, die als unverschlüsselte E-Mail verschickt werden, sind in ihrer Vertraulichkeit schutzlos, sobald sie das gesicherte Netzwerk verlassen.
Unübersehbar, dass da noch viel Aufklärungsarbeit vonnöten ist. Wir werden uns in der nächsten Ausgabe von digitalbusiness CLOUD ausführlich mit der Datensicherheit von Cloud-Anwendungen und Cloud-Services beschäftigen. Hierzu werden wir die großen wie auch kleineren Anbieter zur Sicherheit ihrer Cloud-Lösungen befragen.
In dieser Ausgabe finden Sie mit der Einführung von SEPA im Jahr 2014 auch schon ein hochaktuelles Thema. In unserem Special „Auf den Punkt gebracht“ haben wir Experten von Anbietern und Verbänden nach geeigneten Strategien und Lösungen befragt. Derzeit auch ganz vorne bei den aktuellen IT-Trends: SAP HANA. Passend dazu stellen sich in unserem großen SAP Partner Special verschiedene SAP-Partnerfirmen mit ihrem aktuellen Lösungsportfolio vor.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit der neuen Ausgabe und bin gespannt auf Ihre Meinungen, Ihr

Stefan Girschner
Leitender Redakteur
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