Online-Betrug: Wie sich Online-Händler durch KI schützen können

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Online-Betrug: Wie sich Online-Händler durch KI schützen können

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E-Commerce-Anbieter stehen vor einem Dilemma: Einerseits müssen sie sicherstellen, dass ihre Kunden den Kaufprozess einfach abschließen können. Andererseits müssen sie verhindern, dass die Warenkörbe von Betrügern zusammengestellt wurden. Wie sich diese Herausforderung mithilfe künstlicher Intelligenz bewältigen lässt, erklärt Gastautor Frank Jorga von WebID Solutions.
Online-BetrugQuelle: Who is Danny/Shutterstock

Die veröffentlichten Zahlen klingen im ersten Moment sehr erfreulich: Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) prognostizierte im Oktober 2019 einen Umsatzzuwachs im Bereich Online-Handel von 10,5 Prozent, bei reinen E-Commerce-Unternehmen beträgt das voraussichtliche Wachstum sogar 20 Prozent. Die Kehrseite der Medaille: Für das vergangene Jahr registrierte Crif Bürgel, Anbieter von Kredit- und Bonitätsinformationen, einen erheblichen Anstieg von Online-Betrug.

So bestätigten 71 Prozent der 130 befragten Online-Händler eine Zunahme, 19 Prozent stellten sogar eine starke Zunahme fest. Die Spannbreite reicht von privaten Täuschungsversuchen, zum Beispiel durch Veränderung der Zustelladresse, bis hin zu organisierten Betrugsversuchen durch Identitätsdiebstahl im großen Stil. Die Betrüger gehen dabei immer raffinierter vor, eröffnen zum Beispiel Bankkonten unter falschem Namen, um mit einer anderen Fake-Identität Waren zu verkaufen, die nie existierten. Als unsichtbarer Nutznießer in der Mitte sind sie ohne professionelle Hilfe kaum mehr zu fassen.

Online-Betrug: DSGVO und PSD2 sorgen für Unsicherheiten

Die endgültige Verabschiedung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) führte unter zahlreichen eCommerce-Betreibern zu großen Unsicherheiten. Diese wussten teilweise nicht mehr, welche Kundeninformationen sie überhaupt noch sammeln durften und mit welcher Datenabfrage sie sich auf rechtlich unsicheres Terrain begaben. Diese Zurückhaltung nutzten Betrüger natürlich skrupellos aus, schlugen aber auch umfassend bei Verbrauchern zu.

Durch fingierte Phishing-Mails, zum Beispiel im Namen von eBay oder PayPal, konnten sie Tausende Accountdaten abgreifen und diese für den Einkauf bei Online-Shops nutzen. Mit derselben Masche sammelten Betrüger bei der Einführung der PSD2 (zweite europäische Zahlungsdienstleisterrichtlinie) wertvolle Login-Daten von Banken und Sparkassen ein. Diese Informationen reicherten sie mit frei verfügbaren Adress- und Telekommunikationsdaten an und erstellten sehr plausibel wirkende Fake-Identitäten.

Online-Betrug: künstliche Intelligenz als geeignetes Mittel

Viele große Online-Händler haben mittlerweile eigene Abteilungen für Betrugsprävention aus der Taufe gehoben und stocken deren Personalausstattung kontinuierlich auf. Diese Herangehensweise scheitert aber über kurz oder lang am Fachkräftemangel und würde auch in exorbitanten Personalkosten münden, die niemand mehr stemmen könnte und wollte.

Kleine und mittelständische  E-Commerce-Unternehmen hingegen verfügen bereits jetzt nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen, um an diesem Wettlauf überhaupt teilnehmen zu können. Proprietäre Software-Lösungen scheiden ebenfalls aus, da der Aufwand für Entwicklung und Zertifizierung in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht und zudem eine breite Akzeptanz auf Kunden- und Anbieterseite erforderlich ist, um eine erfolgskritische Masse erreichen zu können. Insofern kann die Antwort nur lauten: KI/AI an die Front!

Online-Betrug: automatisierte Identitätsprüfung im Kaufprozess

Um es den Kunden so bequem wie möglich und den eCommerce-Unternehmen so sicher wie nötig zu machen, muss der Identitätsprüfungsprozess vollständig automatisiert und intuitiv ablaufen. Jeder einzelne Schritt sollte allgemeinverständlich („foolproof“) erklärt, die Vorteile für den Kunden anschaulich dargelegt werden. Selbst wenn nur minimale User-Interaktion erforderlich ist, stellt diese immer noch eine Verzögerung dar, die etliche Kunden nicht mehr in Kauf nehmen wollen. Sind die User hingegen davon überzeugt, dass dieser einmalige Aufwand Ihnen auch bei anderen Shops, Web-Angeboten oder Finanzinstituten Vorteile bringt, führen sie den Kaufprozess höchstwahrscheinlich bis zum Schluss weiter.

Online-Betrug: zuverlässiges Video-Ident-Verfahren

Dementsprechend bieten sich Lösungen an, die bereits über eine breite Akzeptanz bei Anbietern und Anwendern verfügen. Da mittlerweile fast sämtliche aktuellen Smartphones, Tablets, Laptop- und Desktop-Rechner Kameras besitzen, deren Auflösung im Regelfall sehr gut ist, stellt das Video-Ident-Verfahren das etablierte Verfahren in Bezug auf Zuverlässigkeit und Bequemlichkeit dar. Die KI wirkt hier im Hintergrund. Bei vollautomatisierten AI-Ident-Verfahren ist die Sicherheit nicht gleich hoch, aber gut genug. Die KI übernimmt teils die Self-Service-Benutzerführung (nur Ausweis vor die Kamera halten) und erkennt, ob der User den Anweisungen folgt und leitet bei Bedarf Korrekturen an.

Parallel erfolgt ein biometrischer Abgleich, um sicher zu stellen, dass die Person vor der Kamera mit dem Ausweisdokument identisch ist. Gleichzeitig lernt der Algorithmus durch die Auswertung von Millionen von Interaktionen – die natürlich datenschutzrechtlich konform anonymisiert wurden – kontinuierlich dazu und verbessert stetig das Sicherheitsniveau. E-Commerce-Unternehmen, die bei der Identitätsprüfung auf KI setzen und dies auch klar kommunizieren, senden ein unmissverständliches Signal an potentielle Betrüger und schützen sich aktiv und passiv gegen Fraud und vor dem Verlust des hart erarbeiteten Geschäftsgewinns. Gleichzeitig steigt die Akzeptanz entsprechender Verfahren weiter an. (sg)

WebID Frank Jorga

Über den Autor: Frank Jorga ist Co-CEO der WebID Solutions GmbH und für die strategische Ausrichtung sowie die weltweite Expansion der WebID verantwortlich. Das Unternehmen ist Anbieter von Lösungen für Online-Personenidentifikation und Online-Vertragsabschlüsse.

Lesen Sie auch: PSD2: Warum Verbraucher Zahlungsprobleme beim Einkaufen befürchten

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