Nähe zur Cloud hebt Business-Potenziale

digitalbusiness Cloud: Seit gut vier Jahren ist Cloud Computing einer der wichtigsten IT-Trends. Was sind heute, neben dem anderen Megatrend IT-Sicherheit, die wichtigsten Fragen und Anforderungen der Kunden bei diesem Thema?

Hagen Rickmann: Sicherheit gehört nach wie vor zu den wichtigsten Punkten in unseren Kundengesprächen, also IT-Sicherheit im engeren Sinne sowie das Thema Datenschutz. Vorrangig fragen unsere Kunden beispielsweise „Welche Auswirkungen hat Cloud auf mein Business?“, „Gibt es neue Geschäftsmodelle, die ich damit entwickeln, testen und realisieren kann?“ oder „Wie hilft mir Cloud, näher an meine Kunden zu kommen?“ Wir sind hier gefordert, schlüssige Antworten und einsetzbare Lösungen zu liefern.

Sicher ist, dass Cloud Computing als eine Sourcing-Alternative im Management angekommen ist – auf der Ebene, wo diese Entscheidungen getroffen werden. Die Wolke hat sich als Sourcing-Ansatz etabliert auf gleicher Ebene mit Outsourcing oder dem Eigenbetrieb. Unternehmen fangen an, Cloud und die Möglichkeiten, die diese Technologie ihnen bietet, nicht nur in die IT-Strategie zu integrieren, sondern auch ihre Auswirkungen im Business zu berücksichtigen. Inzwischen überwiegt sogar die Business-Seite.

digitalbusiness Cloud: Einer aktuellen Cloud-Anbieterstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ist zu entnehmen, dass die Anwender immer professioneller agieren und die Cloud in ihre IT-Strategien integrieren. Können Sie dies aus Ihrer Kundenerfahrung bestätigen?

Hagen Rickmann: Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass Cloud oder Cloud-Charakteristika in der Unternehmensstrategie berücksichtigt werden sollten und auch müssen. Denn Cloud Computing spricht wesentliche Aspekte im Business an und schafft neue Perspektiven durch die dynamische Unterstützung von Geschäftsmodellen. Es gibt mittlerweile einige Beispiele, bei denen Cloud eine feste Größe in der Sourcing-Strategie ist – unter anderem bei Infrastructure as a Service (IaaS) für Test-, Entwicklungs- und teilweise auch Schulungssysteme. Ein weiteres Beispiel sind Mail und Collaboration Services aus der Cloud, etwa die Dynamic Services for Collaboration, die bereits einige unserer großen Kunden einsetzen.

Nur wer Cloud vollständig integriert und umsetzt, kann Vorteile wie Flexibilität, Schnelligkeit und Dynamik, und damit die Möglichkeit, neue Märkte und Produkte „anzutesten“, ausschöpfen. Gelebtes Cloud Computing ist mehr, als bestehende IT durch einen Service zu ersetzen. Hier müssen auch die Prozesse und manchmal die Organisation eines Unternehmens angepasst werden, damit die Flexibilität auch durchgängig zu nutzen ist. Cloud hat in vielen Bereichen Einzug gehalten – doch damit alle Komponenten sauber interagieren, müssen diese Lösungen in die IT-Strategie integriert werden. Bei erfolgreichen Unternehmen ist die Wolke ein fester, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil ihres IT-Fundaments.

digitalbusiness Cloud: Mit Ihrem Enterprise Cloud Portal vermitteln Sie Kunden den detaillierten Zugang zu diesem Thema mit umfangreichen Informationen und Zugriffsmöglichkeiten auf Applikationen. Welche Mehrwerte bietet das Portal den Anwendern?

Hagen Rickmann: Das Wesentliche ist, dass der Nutzer alle wichtigen Aspekte und Zugänge auf einer zentralen Plattform erhält – angefangen vom Flyer über Preisinformationen bis zum Testzugang. Die Möglichkeit, IT-Services einfach mal zu testen, ist besonders bei Cloud wichtig. Nur so kann der Kunde wissen, ob dieser Service seine Anforderungen erfüllt.

Das Portal liefert alles auf einen Blick. Die ausgewählten und getesteten Cloud Services können bestellt werden, auch von Nutzern aus den Fachabteilungen. So haben auch nicht-technische Anwender Zugang zu spezialisierten Cloud-Angeboten und -Services.

Hagen Rickmann, Mitglied der Geschäftsführung von T-Systems und verantwortlich für den Vertrieb.

digitalbusiness Cloud: Das Portal ist nah am Kunden strukturiert. Steckt dahinter Ihre Leitidee „Zero Distance“, durch die die Wege zu Mitarbeitern, Kunden und Daten fast auf Null verkürzt werden sollen?

Hagen Rickmann: Das kann man so sagen, wobei Zero Distance deutlich mehr ist als nur eine Leitidee. Der Begriff bezeichnet das wesentliche Charakteristikum der heute erfolgreichen Unternehmen – so nah wie möglich am Kunden zu agieren.

Ich würde behaupten, dass Zero Distance ohne Cloud Computing nicht möglich ist. Allerdings kommen damit neue Herausforderungen auf den CIO und „seine“ IT zu. Zum einen sollte er dafür sorgen, dass sich die Distanz zum Kunden drastisch verringert, zum anderen ist sicherzustellen, dass die Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, an diesem Ziel zu arbeiten.

Diesen Anforderungen trägt unser Enterprise Cloud Portal Rechnung. Wenn es in einem Unternehmen zum Beispiel kurzfristig einen zusätzlichen Bedarf an Rechenleistung gibt, können sich die Anwender über unser IaaS-Angebot informieren und dieses testen. Oder wenn Kunden Fragen zum Management von Mobile Devices haben, können sie diese über das Portal klären. Ein Test des Mobile Device Management ist in den ersten vier Wochen für bis zu drei mobile Endgeräte kostenlos. Diese Beispiele zeigen, dass das Portal die Distanz zu unseren Kunden deutlich verringert. Ob IT-Mitarbeiter, Abteilungsleiter oder CIO – alle erhalten die für sie notwendigen Informationen und Optionen.  

digitalbusiness Cloud: Wenn wir an die Branchenfokussierung denken: Bestimmt können nicht alle Wirtschaftszweige in punkto Cloud gleich behandelt werden. Gibt es Ihrer Ansicht nach Branchen, die eher Cloud-affin sind als andere?

Hagen Rickmann: Der Trend zur Nutzung von Cloud-Services ist branchenübergreifend. Er ist jedoch nicht branchenunabhängig, denn in einigen Bereichen gibt es rechtliche Vorschriften, die die Anwendung von Cloud-Services untersagen. Das liegt allerdings nicht an der Cloud selbst, denn auch andere Wege des IT-Sourcings sind rechtlich eingeschränkt.

Die Cloud-Affinität einer Branche hängt meistens von der bestehenden IT-Durchdringung ab. Die Automobil- oder die Logistik-Industrie, die bereits heute ihre Prozesse und ihr gesamtes Arbeiten auf der IT aufbauen, haben frühzeitig begonnen, Cloud Computing einzusetzen. Daher gehörten sie zu den ersten Branchen, die von den Vorteilen der Wolke, wie Kostenvorteile, Flexibilität und Dynamik profitierten.

Wenn Sie den gesamten Markt betrachten, stellen Sie fest, dass spezielle Cloud-Branchenlösungen derzeit erst entwickelt werden – dieses Thema impliziert immer standardisierte Lösungen, die von vielen genutzt werden. Die meisten unserer Kunden setzen bei diesen Lösungen aufgrund hoher  Sicherheitsanforderungen auf die Private Cloud.

digitalbusiness Cloud: Big Data hat zumindest in der medialen Präsenz mittlerweile die Cloud eingeholt – inwiefern ergeben die beiden Megatrends Synergien für Unternehmen? Was trennt sie voneinander?

Hagen Rickmann: Big Data ist ein ernstzunehmender Trend, dessen Basis die Cloud ist. Cloud Computing ermöglicht erst Big Data. Anders als bei der Wolke, die den Fokus auf Standards, User Self Service und einfache Nutzung legt, zielt Big Data auf einen äußerst sensiblen Bereich – den Informationskern von Unternehmen. Wo die Cloud antritt, die Kosten zu senken und die Agilität der Unternehmen zu steigern, da will Big Data neue Märkte entdecken, Produkte weiterentwickeln und Kunden enger an sich binden. Damit spielen diese beiden zwar in der gleichen Liga, jedoch auf verschiedenen Spielfeldern mit teils unterschiedlichen Regeln – jedoch nicht völlig losgelöst voneinander. Eines ist auf jeden Fall gewiss.

Die Wolke ist in der Realität angekommen und etabliert sich zunehmend in Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen. Bei Big Data stehen wir noch am Anfang dieses Weges.

digitalbusiness Cloud: „Die gesamte IT wird langfristig in die Cloud wandern.“ Würden Sie diese Prognose unterschreiben? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für Unternehmen?

Hagen Rickmann: Vieles in der IT wird in die Cloud wandern, aber einen „Big Switch“ wird es nicht geben, denn es sind noch eine ganze Reihe von Legacy-Systemen vorhanden, die sich nicht einfach migrieren lassen. Es ist außerdem nicht jede Applikation hierfür geeignet. Cloud Computing wird zunehmend einen großen Anteil der benötigten IT-Services liefern. Hinzukommen wird – wie es auch Analysten prognostizieren – dass die Fachabteilungen immer mehr selbst entscheiden und Lösungen aus der Wolke beziehen.

Die Möglichkeiten, die der verstärkte Einsatz von Cloud Computing generiert, sind vielfältig. Angefangen bei der schnelleren Umsetzung von Produktideen bis zu neuen Märkten, die dynamisch erschlossen werden. Kurz: Die Unternehmen werden schneller und agiler. Sie verbessern den Umgang mit ihren Kunden und deren Anforderungen und verringern die Distanz zu ihnen. Damit sind wir wieder bei Zero Distance.

Darüber hinaus werden sich die Aufgaben der internen IT durch den wachsenden Einfluss des Cloud Computing ändern. Ich sage bewusst, ändern – nicht, wie manchmal behauptet, überflüssig werden. Der Schwerpunkt der IT wird sich weg von der Administration von IT-Systemen hin zum Management von Cloud-Services verlagern.

digitalbusiness Cloud: Herr Rickmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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