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Mobile Payment: Zahlungstransaktionen im Informationszeitalter

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Wer hat was gekauft? Die Antwort auf diese Frage hat eine Menge Geschäftspotenzial. Unternehmen können ihre Produkte und Dienstleistungen sehr viel gezielter anbieten, wenn sie wissen, was ein Kunde bereits besitzt, was er noch brauchen könnte und was er nicht mehr braucht. Doch diese Informationen sind nicht so leicht zu ergattern; so haben Zahlungsinformationen, wie sie heute verarbeitet werden, nur einen begrenztem Wert für die Lösung dieser Frage.

Von Dr. Danny Fundinger

Das klassische Geschäftsmodell für Anbieter von Zahlungsverkehrsdienstleistungen wie Banken und Kreditkarten-Unternehmen basiert auf einer Gebühr für den Zahlungsvorgang. Aber das wird sich bald ändern. Im Zeitalter der Information werden Informationen über eine Bezahlung bald weitaus profitabler sein als eine Gebühr für die Transaktion selbst. Der Einblick, wo, wann und für was Kunden ihr Geld ausgeben, ist besonders wertvoll für das Marketing und die Kundenansprache.

Unternehmen können ihre Produkte und Dienstleistungen sehr viel gezielter und individueller anbieten, wenn sie wissen, was ein Kunde bereits besitzt, was er sonst vielleicht noch brauchen könnte oder was er eben nicht mehr braucht. Wenn ein Verbraucher erst vor kurzem ein neues Auto gekauft hat, ist das eine sehr wertvolle Information für Unternehmen, die Kfz-Versicherungen oder Zubehör verkaufen. Es ist aber auch für diejenigen Unternehmen wertvolle Information, die Autos verkaufen, da sie sich die Kosten für Marketing-Aktivitäten für diesen Kunden sparen können. Und es ist auch wertvoll für diejenigen, die das Produkt bei diesem Kunden beworben oder empfohlen haben, weil sie den Wert ihrer Bemühungen dem Verkäufer dadurch nachweisen können.

Big Data in der Bezahlbranche

So überrascht es nicht, dass Branchenschwergewichte wie MasterCard längst Investitionen in die Big-Data-Analyse getätigt haben, dass Internet-Giganten wie Google danach streben, Zahlungsdaten zu sammeln, auch wenn sie bisher jede einzelne Transaktion subventionieren, und dass Mobile-Payment-Startups wie Square als das nächste große Ding  im Silicon Valley gesehen werden.

Das Geschäftspotenzial, zu wissen, was ein Kunde tatsächlich gekauft hat, ist mindestens so hoch, wie zu wissen, was er sucht. Es scheint, dass genügend Platz für ein weiteres „Google“ da ist für diejenigen, die in der Lage sind, diese Informationen zu sammeln und sie auf den einzelnen Endkunden herunterzubrechen. Es wirkt tatsächlich so, als könnte der nächste Technologie-Goldrausch auf dem Gebiet einer der ältesten, konservativsten und, nicht zu vergessen, am meisten regulierten Branchen in der Welt stattfinden: dem Zahlungsverkehr.

Wie lässt sich das Potenzial ausschöpfen?

Dieses Potenzial abzuschöpfen ist schwieriger, als es vielleicht auf den ersten Blick aussieht. Sicher, Kreditkartenunternehmen, Banken und andere Finanzdienstleister sind bereits heute in der Lage, umfangreiche Daten für nicht bar getätigte Zahlungsverkehrstransaktionen zu erfassen. Sie kennen genau den Betrag, den Ort (oder Empfänger) und den Initiator der Transaktionen. Kein Zweifel, das sind schon sehr wertvolle Rohdaten für Erkenntnisse über Kaufgewohnheiten und Schätzungen über Ausgabeverteilung und die Höhe der Ausgaben des Verbrauchers. Aber es fehlt eine fundamentale Information, um ein herausragendes Stück an Information zu erhalten – was gekauft worden ist. Im Allgemeinen liegt diese Information exklusiv beim Verkäufer. Obwohl es noch relativ einfach ist, dies bei Unternehmen mit einem sehr beschränkten Produktangebot wie einer Eisdiele oder einem Friseur einzuschätzen, so ist dies nahezu unmöglich bei Supermärkten oder Einzelhandelsgeschäften, die eine breite Palette von Produkten abdecken und bei denen Verbraucher in der Regel mehrere Waren bei einem Einkauf erwerben.

In Anbetracht dessen, dass der Verkäufer schon sehr gut weiß, was verkauft wird, könnte man schnell zu dem Schluss kommen, dass er schon alles weiß, was er wissen muss. Aber auch dem Verkäufer fehlen wichtige Puzzlestücke im Gesamtbild. Stationäre Händler und Unternehmen wissen meist nicht, um wen es sich bei dem Käufer handelt, weil der Einkauf selbst anonym ist. Und für Offline- wie auch Online-Unternehmen gilt gleichermaßen, dass es einen Mangel an Informationen darüber gibt, was die Verbraucher woanders noch gekauft haben. Daher sehen auch sie nur einen kleinen Teil des ganzen Bildes. Mehr und bessere Datenpunkte sowie Zugriff auf Informationen über die Grenzen eines einzelnen Unternehmens hinweg sind notwendig, um diese Probleme zu lösen.

Die Zukunft der Zahlungsverkehrsdaten

Es zeigt sich also, dass die Zahlungsverkehrs-Transaktionen, wie Sie heute verarbeitet werden, nur von begrenztem informationellem Wert für die Lösung der Milliarden-Dollar-Frage sind, wer was gekauft hat. Es ist davon auszugehen, dass sich nicht, wie im Suchmaschinen-Geschäft, ein einziger dominierender Lösungsansatz oder Anbieter etablieren wird. Die gesammelten Daten sind dafür zu stark auf die verschiedenen Stakeholder verteilt, und es gilt, eine Menge von regulatorischen Grenzen und Fragen der Privatsphäre zu berücksichtigen, wenn diese Art von Informationen miteinander verknüpft werden sollen. Aber es wird hier aufgrund des enormen Potenzials in Zukunft Innovationen geben, und es werden neue Lösungsansätze für Unternehmen und Zahlungs-Dienstleister entstehen, um einen besseren und umfassenderen Blick auf das Gesamtbild zu erhalten. Diese Lösungen werden unterschiedliche Schwerpunkte haben und Einblicke aus verschiedenen Blickwinkeln bieten. Es entstehen viele neue Chancen und Geschäftspotenziale. Und diese neuen Lösungen könnten weitaus profitabler sein als das klassische Modell der Bepreisung im Zahlungsverkehr – die Transaktionsgebühr. (ak)

Dr. Danny Fundinger, IBM Global Business Services

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