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Krankenhäuser: Digitale Strategie gefragt

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Eines der größten Probleme der Krankenhäuser ist die mangelnde Vernetzung der Bereiche des Gesundheitswesens vor und nach dem Klinikaufenthalt.
Krankenhäuser: Digitale Strategie gefragt

Eines der größten Probleme der Krankenhäuser ist die mangelnde Vernetzung der Bereiche des Gesundheitswesens vor und nach dem Klinikaufenthalt.

Denn, wie es der Vorstandsvorsitzende der evangelischen Krankenhauskette Agaplesion AG, Markus Horneber, formuliert: „Wir verstehen uns nicht als Krankenhausbetreiber, sondern als Kümmerer.“ Die veralteten Strukturen müssten aufgebrochen werden, um der neuen Macht der Patienten Rechnung zu tragen. Sie beteiligten sich dank moderner Medien zunehmend selbst an Diagnose und Therapie, sagt auch Gunther Nolte, IT-Verantwortlicher bei den Vivantes-Kliniken. Sein Kollege Bernd Christoph Meisheit von den Sana-Kliniken meint: „Wir brauchen ein System, das dem Patienten ermöglicht, jederzeit seinen Status abzufragen.“ Und wenn dazu Startups nötig seien, heiße die Parole: „Nicht mehr über Regulierungsrahmen nachdenken, sondern einfach machen!“, ergänzt Tobias Meixner von den Helios-Klinken, die eine eigene „Helios Cloud“ betreiben.

Intensiv- und Notfallmedizin: Mitarbeiterentlastung durch IT

IT-Lösungen für die Dokumentation und Kommunikation in der Notfall- und Intensivmedizin können die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich erhöhen.

Dr. Bernadett Erdmann, Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Klinikum Wolfsburg, berichtete beim conhIT-Kongress im April über die Einführung eines digitalen Notaufnahme-Cockpits. Die pflegerischen und ärztlichen Mitarbeiter haben jetzt einen Komplettüberblick über die Patienten und deren Vitaldaten. Es gibt auch eine digitale Triage und eine Einbindung der Fieberkurve, sodass Notaufnahmedaten per Knopfdruck ins Kliniksystem übernommen werden können. „Insgesamt haben wir viel weniger Mehrarbeit und eine viel höhere Mitarbeiterzufriedenheit“, so Erdmann.

Ähnlich erfolgreich verlief die Einführung eines interaktiven Kommunikationsterminals auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Essen. Die enorm zeitraubenden Telefonate bei Verlegungen und Übergaben seien durch die teilweise Desktop-basierte, teilweise Tablet-basierte Plattform stark reduziert worden, sagte Oberarzt Dr. Fabian Dusse.

Technik darf aber nicht nur eingeführt, sie muss auch evaluiert werden, wie Dr. Dirk Hüske von Philips am Beispiel der Alarm Fatigue erläuterte. „Zu häufige Alarme gefährden Patienten und beeinträchtigen die Mitarbeiter.“ Hüske berichtete über eine systematische Analyse der Alarme auf einer Intensivstation in Nieuwegein, Niederlande. Durch unterschiedliche Maßnahmen konnte die Alarmfrequenz dort um 40 Prozent reduziert werden, und die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Patienten stieg. Kein Wunder: Die durch das bessere Alarmmanagement eingesparte Zeit summierte sich auf eine halbe Mitarbeiterstelle.

Auf dem Weg zu einem E-Health-Binnenmarkt

Die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedsstaaten sollen digital enger zusammenwachsen. Das macht den Markt auch für international agierende Unternehmen attraktiver.

Unter dem Mantel der Connecting Europe Facility (CEF) werde in Europa in den kommenden vier Jahren ein E-Health-Netzwerk etabliert, das es erlaube, elektronische Rezepte und elektronische Basisdatensätze von Patienten grenzüberschreitend auszutauschen, sagt Dr. Tapani Piha von der Europäischen Kommission. Dies geschieht, indem so genannte National Contact Points (NCP) aufgebaut werden, deren Aufgabe darin besteht, digitalmedizinische Datensätze so aufzuarbeiten, dass sie mit der nationalen E-Health-Infrastruktur des jeweiligen Ziellandes kompatibel sind.

„Bis März haben bereits 20 EU-Mitgliedsstaaten signalisiert, dass sie an diesem Netzwerk teilnehmen, darunter auch Deutschland“, so Piha. Er erwarte, dass die Länder im Jahr 2018 an das Netzwerk angeschlossen sind, und dass bis zum Jahr 2020 der Austausch elektronischer Rezepte und elektronischer Basisdatensätze von Patienten weitgehend europaweit möglich sei.

Krankenhäuser: Digitale Strategie gefragt

 

Auch wenn die Gesundheitssysteme nicht unter die Römischen Verträge fallen, werden die europäischen Länder dadurch medizinisch enger zusammenrücken. Schon heute regelt die im Jahr 2011 verabschiedete EU-Richtlinie zu Patientenrechten, dass Rezepte der EU-Mitgliedsstaaten untereinander anerkannt werden, was grenzübergreifende Telemedizinszenarien erleichtert.

Wie sich international aufgestellte E-Health-Unternehmen im europäischen Markt etablieren können, illustriert Clint Schick von Strata Health, ein kanadischer Anbieter digitaler Lösungen für regionale Gesundheitsnetze, der mittlerweile auch in Großbritannien und Frankreich agiert. Das Erfolgsrezept? „Nehmen Sie lokale Hilfestellungen und Beratungsangebote an, seien Sie vor Ort präsent, und machen Sie klar, dass Sie ein dauerhaftes Engagement planen.“

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