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Kommentar: Smart Grid – Europa verliert den Anschluss

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Kommentar: Smart Grid – Europa verliert den Anschluss

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Das Smart Grid bietet nicht nur Lösungen für viele Probleme, die die Versorgung von Industriegesellschaften mit Energie mit sich bringt. Es wird, darin sind sich Experten einig, auch die Energiewirtschaft selbst transformieren und, ähnlich wie das Internet, eine Plattform für viele neue Geschäftsideen sein. Investitionen in den Aufbau eines Smart Grids sind daher von erheblicher Bedeutung für die globale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Deutschland und Europa hatten lange Zeit einen Vorsprung bei der Integration neuer Technologien in die Energienetze. So wird beispielsweise das Smart Metering, als eines der entscheidenden Bausteine des Smart Grids, in Europa schon seit mehreren Jahren auf politischer Ebene vorangetrieben. Nachdem ENEL in Italien bereits flächendeckend Smart Meter eingeführt hat, gewinnt das Thema Smart Metering auch in Deutschland spätestens seit der endgültigen Liberalisierung des Messwesens erheblich an Schwung. Aktuell wird in über 60 Pilotprojekten deutschlandweit das Potenzial intelligenter Stromzähler getestet.

Trotzdem besteht in jüngster Zeit die Gefahr, dass Deutschland und Europa gerade gegenüber den USA in der Entwicklung eines Smart Grids zurückfallen. Sowohl auf politischer als auch auf unternehmerischer Ebene werden in den USA gewaltige Anstrengungen unternommen werden, um die Entwicklung des Smart Grids voranzutreiben.

Haupthindernis für Investition in ein Smart Grid ist nach wie vor die fehlende Standardisierung

Die Entwicklung von Standards ist im Smart Grid, ähnlich wie beispielsweise in Telekommunkationsnetzen von erheblicher Bedeutung, da alle von Erzeugern, Netzbetreibern und Verbrauchern verbauten Komponenten miteinander kommunizieren können müssen. Dies ist nur unter einheitlichen Standards bezüglich der Hardware und der Datenformate möglich. Die amerikanische Regierung hat das Problem fehlender Standards erkannt und treibt aktuell unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Energieministeriums die Normierung mit groß;er Geschwindigkeit voran. Bereits im Mai diesen Jahres wurden im Rahmen eines Branchentreffens im Energieministerium die ersten 16 Standards veröffentlicht. Das mit den Normierungsarbeiten beauftragte National Institute of Standards and Technology plant die Festlegung aller weiteren notwendigen technischen Standards für September diesen Jahres und rechnet mit insgesamt 100 Standards. Es ist davon auszugehen, dass viele der in Amerika unter Einbeziehung amerikanischer Unternehmen entwickelten Standards weltweit Anwendung finden werden.

Die amerikanische Regierung widmete 4,5 Millarden USD ihres Konjunkturprogramms im Rahmen der Finanzkrise (American Recovery and Reinvestment Act) ausschließ;lich zum Ausbau des Smart Grids. In den Konjunkturpaketen der Bundesregierung hingegen spiegelt sich die Notwendigkeit der Förderung intelligenter Energienetze nicht wieder. Die von der Bundesregierung zur Förderung des Leuchtturmprojekts E-Energy aufgebrachten 60 Mio. € fallen angesichts der amerikanischen Milliardeninvestition kaum ins Gewicht.

Wie bereits im Internet scheinen amerikanische Unternehmen auch im Smart Grid schneller und aktiver zu sein. Zahlreiche Startups wie Silverstone, EMeter oder Gridpoint suchen in den USA ihr Glück im Smart Grid. Die Business Week veröffentlichte jüngst ihren Bericht „25 to Watch“ für den Energiemarkt. Sechs der 25 laut Business Week beachtenswerten Start Ups im Energiesektor, und damit der größ;te Anteil, investieren in Smart Grid-Technologien. Die hinter den Unternehmen stehenden Geldgeber sind groß;e Banken und Investment-gesellschaften, wie Goldman Sachs und JP Morgan, die ebenfalls versuchen einen Fuß; in die Tür des Smart Grid-Geschäfts zu bekommen. Neben den Start Ups erkennen auch die Heroen des Internets das Potential des Smart Grids als das „nächste Internet“ und beginnen das Feld zu besetzen. So investiert Google – in Kooperation mit General Electric – mit Google PowerMeter in die Entwicklung einer Plattform zur Aufbereitung von Energieinformationen für Endkunden. Cisco kündigte im Mai diesen Jahres an, neben den Komponenten für das Internet auch solche für das Smart Grid produzieren zu wollen. Ein ähnliches unternehmerisches Engagement auf dem Gebiet Smart Grid ist in Europa und Deutschland nicht zu erkennen.

Deutschland und Europa laufen somit Gefahr bei der Entwicklung eines Smart Grids gegenüber den USA ins Hintertreffen zu geraten. Angesichts der Bedeutung der Technologie für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsregionen sollten Politik und Wirtschaft zügig gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um zu verhindern, dass Europa die Technologieführerschaft in der Netztechnik und somit auch Arbeitsplätze in den wichtigen Branchen Energie und Elektrotechnik verliert.

(Autoren: Dr. Mario Speck, Partner der CTG Corporate Transformation Group und Dr. Jochen Scheuer, Manager der CTG)

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