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Kommentar: Das Web wird 20 Jahre jung

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Wikipedia beschreibt das World Wide Web (WWW) als ein über das Internet abrufbares System elektronischer Hypertext-Dokumente, die mittels Hyperlinks verknüpft sind und über die Protokolle http und https übertragen werden. Diese spröde und technologisch geprägte Definition lässt in keiner Weise erkennen, wie grundlegend das Internet und das WWW unser gesamtes Informations- und Kommunikationsverhalten verändert haben. Und erst recht nicht, was sich in der Zukunft noch alles daraus ableiten wird. Bernd Becker, Vorstandssprecher von EuroCloud Deutschland_eco e. V. und Präsident der EuroCloud Europe, kommentiert.

eurocloud_bernd_becker

Wikipedia beschreibt das World Wide Web (WWW) als ein über das Internet abrufbares System elektronischer Hypertext-Dokumente, die mittels Hyperlinks verknüpft sind und über die Protokolle http und https übertragen werden. Diese spröde und technologisch geprägte Definition lässt in keiner Weise erkennen, wie grundlegend das Internet und das WWW unser gesamtes Informations- und Kommunikationsverhalten verändert haben. Und erst recht nicht, was sich in der Zukunft noch alles daraus ableiten wird.

Gerade das heute viel diskutierte Cloud Computing bildet die Grundlage für einen neuen, in seiner Dynamik alles bisherige übersteigenden Innovationsschub, der die informationstechnischen Veränderungen der letzten 20 Jahre um Potenzen übersteigen und unsere heutige digitale Welt in weiteren 20 Jahren als Relikt der Steinzeit erscheinen lassen wird.

Always On

Die heutige Generation der „Digital Natives“ ist mit dem Internet aufgewachsen, sie hat keine Berührungsängste mit den virtuellen Welten. Für sie ist die zugrundeliegende Technologie zur Nebensache geworden – die gebotenen Funktionalitäten zählen. Längst sind Smartphones und Tablets ihre ständigen Begleiter, mit deren Hilfe sie jederzeit und überall kommunizieren, Informationen ins Internet stellen oder dort abrufen können.

Die vielfältigen, meist kostenfreien Angebote werden nur allzu gern angenommen, die zur Nutzung erforderliche Registrierung wird bedenkenlos akzeptiert, die seitenlangen, kleingedruckten AGBs werden ungelesen akzeptiert, und standardmäßig vorgegebene Parametereinstellungen per Fingertipp bestätigt. Dass die Nutzer auf diese Weise zum Teil ihr Einverständnis dazu geben, dass ihre persönlichen Daten öffentlich werden, wird also akzeptiert.

Während die „Middle Agers“ und erst recht die „Silver Surfer“ oftmals einen höheren Anspruch an eine digitale Privatsphäre haben, nimmt diese für jüngere Menschen häufig nicht mehr einen solch hohen Stellenwert ein. Ohne hierbei pauschalisieren zu wollen, drängt sich doch der Eindruck auf, dass das Anonymitätsverlangen umso ausgeprägter ist, je geringer die Internetaffinität des Nutzers erscheint. Oder anders herum: Der Nutzer muss mündig genug sein, um selbst entscheiden zu können, welche seiner privaten Daten er preisgeben möchte. Es ist wie beim Straßenverkehr, bei dem der Erwerb des Führerscheins die grundsätzliche Befähigung zur Teilnahme attestiert, der Fahrer aber selbst bestimmt, wie schnell und risikoreich er fährt, solange sein Fahrzeug dies zulässt und er sich an die Gesetze hält.

Der User ist gefragt

Nur zu leicht wird dabei übersehen, dass die kostenfreien privaten Internetangebote Fahrzeugen mit defekten Bremsen oder stotterndem Motor gleichen, auch sie können dem Fahrer keine Verfügbarkeit garantieren. Wird ein Internetdienst nicht länger verwendet, verbleiben zudem eingestellte Daten manchmal ewig im Netz, sofern sie der Nutzer nicht zuvor explizit gelöscht hat – und dies überhaupt möglich ist. Angesichts dieser Entwicklung erscheint die öffentliche Diskussion um Datenschutz und Datensicherheit zuweilen fast surreal, solange dabei nur Staat und Anbieter gefordert sind, das eigene Nutzungsverhalten jedoch nicht überprüft und verändert wird.

Das Internet bietet mit der Cloud insbesondere mittelständischen Unternehmen ungeahnte neue Möglichkeiten. Doch haben sie einen viel höheren Anspruch an Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Datenschutz als die privaten Nutzer. Zögern Unternehmen deshalb beim Einsatz der neuen Lösungen, laufen sie Gefahr, dass sich die Mitarbeiter selbst aus dem Internetangebot bedienen, denn diese möchten auch im Beruf nicht auf die digitalen Annehmlichkeiten verzichten. Dies führt zu einer Schatten-IT, die für die Unternehmen im Zweifelsfall verheerende Konsequenzen hat.

Den Kopf in den Sand zu stecken und sich dem Internet zu verweigern, ist also nicht die Lösung: weder für die Unternehmen, noch für private Nutzer. Aber wir können von der jungen Generation lernen, indem wir bereit sind, als internetkundige und mündige Nutzer die Chancen des Internets für uns zu erschließen.

@BU: .

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