11.05.2022 – Kategorie: Digitale Transformation

IoT-Projekte schnell und erfolgreich umsetzen: So klappt’s!

IoT-ProjekteQuelle: Tierney – stock.adobe.com

Entscheidend für den Erfolg eines IoT-Projektes ist nicht die technische Umsetzung, sondern der richtige Kontext des Produktes. Dann können mittelständische Unternehmen mit einem ganzheitlichen Entwicklungsansatz ihre Projekte schneller und erfolgreicher auf den Markt bringen. Und sparen neben Zeit auch Kapital und Entwicklungsressourcen.

Das Internet der Dinge (IoT) ist nicht neu. Bereits 2011 fand es Eingang in Gartners „Hype Cycle for Emerging Technologies“-Report. Seitdem haben sich IoT-Technologien, Cloud- und Connectivity-Lösungen kontinuierlich weiterentwickelt: Sie sind günstiger geworden und haben sich den Markt-Bedürfnissen angepasst. Es ist kein Geheimnis, dass sich auf diesem Markt inzwischen jede Menge Geld verdienen lässt – Unternehmenseigner und Vorstände sehen sich zunehmend unter Druck gesetzt, endlich eigene IoT-Projekte zu starten. Grundsätzlich erfüllt der deutsche Mittelstand alle notwendigen Bedingungen: Qualität, Reputation, Ideen. Für viele Unternehmen gilt es möglichst schnell Serienreife zu erlangen.

IoT-Projekte: So nehmen sie Fahrt auf

Denn – so die Überlegung – nur wer schnell am Markt ist, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil. Zudem sind die Entwicklung und der Bau eines Prototyps heute so einfach wie nie zuvor. Hinzu kommen IoT-Dienstleister, die mit Werbeversprechen von der schnellen Marktreife locken.

Hier beginnt das Problem. Viel zu häufig entwickeln Unternehmen am Bedarf vorbei. Das Ergebnis: Die Kosten übersteigen den Mehrwert. Die Integration in das vorhandene Geschäftsmodell erweist sich als aufwändiger als angenommen. Im schlimmsten Fall beginnt nach Fertigstellung des Prototyps die IoT-Entwicklung von vorne. Was den Unternehmen fehlt, ist der Fokus auf Strategie und Vision sowie Know-how. So erging es einem Hersteller für Gartentechnik. Der Bedarf für smarte Bewässerungslösungen war und ist vorhanden. Der Hersteller löste das Problem des fehlenden Wissens mit einer Beteiligung an einem Start-up, was sich im Nachhinein als strategischer Fehler erweisen sollte. Produkt und App waren schnell entwickelt – das Start-up meldete jedoch kurz nach dem Launch die Einstellung der Geschäftstätigkeit an. Der Aufbau einer eigenen Abteilung wäre sinnvoller gewesen. Das Beispiel zeigt: Strategien sind notwendig, denn IoT ist kein Selbstzweck.

Vor der Technik kommt der Business Case

Mittelständische Unternehmen müssen einen ganzheitlichen Ansatz wählen, um ihre IoT-Projekte zum Erfolg zu führen. So sparen sie Geld, Entwicklungsressourcen sowie Zeit – und Zeit kann in der Tat der entscheidende Wettbewerbsvorteil sein, um sich wichtige Marktanteile und zufriedene Kunden zu sichern. Am Anfang eines jeden IoT-Projektes muss eine möglichst konkrete Vorstellung vom Anwendungsfall inklusive des zu erzielenden Mehrwerts – also des tatsächlichen Kundennutzens – stehen.

Die Verantwortlichen sollten sich folgende Fragen stellen: Aus welchen Informationen lassen sich Mehrwerte ge­nerieren? Gibt es einen Bedarf am Markt oder wird dieser zukünftig entstehen? Welche sinnvollen Ergänzungen zum Kerngeschäft lassen sich durch IoT realisieren? Vor jeglicher Überlegung hinsichtlich der technischen Umsetzung steht die Entwicklung eines Business Cases, der ein zielgerichtetes Vorgehen ermöglicht. Auf diese Weise können – und müssen – sämtliche Elemente, vom Sensor bis zum Nutzer, aufeinander abgestimmt sein und zum Anwendungsfall passen. Dabei ist es sinnvoll, alle Perspektiven (einschließlich der des Kunden) und Disziplinen zusammenzubringen.

Der Bau des Prototyps erfolgt nachgelagert. Ein gutes Beispiel ist das Vorgehen eines Energiekonzerns. Man fokussierte sich auf die Lösung eines einzigen Problems: die Vermeidung von Wartungskosten durch Einsatz der richtigen Hardware. Da das Wissen über die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf verschiedene Hardware begrenzt war, nutzte man eine IoT-Lösung, um die entsprechenden Daten zu erfassen und eine bessere Einkaufsentscheidung treffen zu können. Man hat die IoT-Lösung in diesem Falle um das Problem herum gebaut, und nicht „auf gut Glück“ vernetzt.

Die richtige Daten-Strategie

Doch wie lassen sich ohne vorherigen Zugang zu Daten und Informationen, Annahmen und Ziele bezüglich des Anwendungsfalles formulieren? Die Unternehmen sind mit einem klassischen Henne-Ei-Problem konfrontiert. Eine Lösung ist, möglichst viele Abteilungen des Unternehmens an einen Tisch zu bringen. Falls das interne Wissen der – soweit überhaupt vorhandenen – Hard- und Softwareteams nicht ausreicht, können externe Experten bei der Vorauswahl von Annahmen unterstützen. In diesem Zusammenhang steht auch die notwendige Übermittlung von Produktdaten in strukturierter Form: Unternehmen müssen sich von Beginn an breit aufstellen, um ihre Kunden über die zahlreichen Frontends und unterschiedlichen Gatekeeper wie Apps und Plattformen zu erreichen. Und auch Partner und deren Softwaresysteme müssen sich an Daten und Prozesse anbinden können. Eine API-Strategie ist essenzieller Bestandteil aller erfolgreichen IoT-Projekte.

Folgende Fragen können hilfreich sein: Wie wird die Schnittstelle das vernetzte Produkt voranbringen? Welche Nutzer und Zielgruppen soll das Produkt ansprechen? Was wird das Angebot von Daten und Diensten auf lange Sicht sein? Generieren die IoT-Projekte schließlich reale Daten, müssen Unternehmen diese mehrwertstiftend nutzen. Das Zauberwort lautet: Data Science. Nur wer den Datenschatz richtig lesen kann, erfährt, wie er einfacher, kosteneffizienter und nachhaltiger wirtschaften kann. Richtige Datenverwertung schafft Kunden ein personalisiertes Nutzererlebnis, ermöglicht intelligente Services oder neue Produkte und generiert so wiederkehrende Revenue und sichert Marktanteile.

IoT-Projekte: Fazit

Die technischen Herausforderungen, die mit einem IoT-Projekt einhergehen sind weitgehend gelöst. Innerhalb kürzester Zeit lässt sich ein Prototyp bauen. Das heißt nicht, dass der technische Kontext keine Relevanz hätte: Die Entscheidungen für die richtige Connectivity-Lösung oder die passende Stromversorgung sind wichtig, ergeben sich jedoch zumeist aus dem jeweiligen Einsatzgebiet. Entscheidend für den tatsächlichen Erfolg ist die Entwicklung eines belastbaren Business Cases mit einem denk- und handlungsleitenden Anwendungsfall. Dazu gehört auch eine passende Daten-Strategie, einschließlich begründeter Vorannahmen zum Projekt, Data Science und Schnittstellen-Management. Die Erarbeitung einer IoT-Strategie ist fordernd, insbesondere für Unternehmen, die sich dem Prozess zum ersten Mal stellen.

IoT-Projekte
Bild: the_thing Consulting GmbH

Der Autor Simon Biela ist Co-Founder und CEO der the_thing Consulting GmbH.

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