„Im Grunde sind wir schon mitten drin im Cloud-Zeitalter“

Digitalbusiness CLOUD: Cloud Computing hat sich von einem kurzlebigen Hype-Thema zu einem allumfassenden IT-Konzept für Unternehmen jeder größer Große und Branche entwickelt. Könnten Sie zunächst einen Überblick über die verfügbaren Lösungen und Services von Microsoft geben?

Floris van der Heijst: Bei Microsoft verfolgen wir einen integrierten Ansatz, so dass unser gesamtes Produkt- und Lösungsportfolio inzwischen auf die Cloud ausgerichtet ist. Das trifft sowohl für unsere Business-Anwendungen als auch für den Consumer-Kontext zu. In den kommenden Monaten werden wir diese Strategie noch weiter ausbauen und festigen. Im Mittelpunkt steht dabei unser Anliegen, mit einer so genannten Family of Devices und Services sowohl den Endanwender als auch Unternehmen ein durchgängiges Nutzererlebnis zu bieten, das sie ganz selbstverständlich bei der Erledigung unterschiedlicher Aufgaben unterstützt, sei es in ihrem Arbeitsalltag oder zu Hause.

Gleichzeitig zeichnet sich unser Angebot auch durch hohe Flexibilität aus. So bleibt es immer die Entscheidung des Anwenders, wie viel Cloud es sein darf. Er hat die Wahl und kann sowohl rein Cloud-basiert, innerhalb eines hybriden Einsatzszenarios oder On-Premise arbeiten. Das reicht von Infrastruktur-Angeboten bis hin zu CRM und ERP.

Digitalbusiness CLOUD: Können Sie Anwendungsbeispiele für den erhöhten Nutzen von Cloud-Lösungen nennen?

Floris van der Heijst: Zu den prominentesten Anwendern unserer Cloud-basierten Office-Lösung zählen sicherlich die Hamburger Port Authority (HPA) oder auch RWE. Deutschlands größter Seehafen modernisierte mit Office 365 seine Echtzeitkommunikation. Die Mitarbeiter haben nun unabhängig davon, wo sie sich gerade befinden, ob unterwegs, auf dem sieben Hektar großen Hafengelände, auf den Schiffen oder auch in der Zentrale selbst, immer Zugriff auf aktuelle Informationen zu Wasserständen, Windstärken, Schiffsdokumentationen usw. Sie müssen nicht mehr an ihren Schreibtisch zurückkehren, um E-Mails zu prüfen oder Dokumente zu bearbeiten. In der Pilotphase arbeiteten bereits 500 der rund 1.900 Mitarbeiter von HPA mit Office 365, das auf mobilen Endgeräten installiert wurde. Für die Administration der Tablets und Smartphones kommt die Microsoft-Infrastruktur-Lösung System Center zum Einsatz, durch die sich die Verwaltungskosten um 75 Prozent reduzieren ließen.

RWE hatte sich dazu entschieden, seine Kommunikation schrittweise in die Cloud zu verlegen. Zunächst migriert RWE die E-Mail-Applikationen seiner 4.500 Mitarbeiter in der Tschechischen Republik auf Exchange Online. Dadurch wurden die Kosten um mehr als 50 Prozent reduziert. Ein weiteres Beispiel aus der Fertigungsindustrie ist Gildemeister, Hersteller spanender Werkzeugmaschinen, das sich seit 1870 erfolgreich am Markt behauptet.

Ähnlich vielfältig sind auch die Anwender- und Einsatzszenarien, die unsere Cloud-basierten Infrastruktur-Lösungen einsetzen. Auf Basis von Windows Azure haben beispielsweise der Telematikanbieter Agheera, digitalSTROM und Green Solutions verschiedene Marktplatz-Lösungen realisiert, die für mehr Kundennähe sorgen. Lufthansa Systems setzt auf das Private Cloud-Modell von Microsoft und optimiert mit der Verwaltungslösung System Center seine komplette IT-Infrastruktur.

Digitalbusiness CLOUD: Wo liegen Ihrer Meinung nach noch die größten Hemmnisse für die Umsetzung einer Cloud-basierten IT-Infrastruktur?

Floris van der Heijst: Die größten Stolpersteine sind nach wie vor noch die Themen Datenschutz und Datensicherheit, wobei es dabei weniger um die tatsächliche, sondern vielmehr um gefühlte Sicherheit geht. Wir nehmen das sehr ernst und arbeiten mit unseren Kunden eng zusammen, führen viele Diskussionen, um die Kunden nicht zu überreden, sondern zu überzeugen, ihren eigenen Weg in der für sie passenden Geschwindigkeit in die Cloud zu gehen.

Ich sehe dabei eine weitere Aufgabe für uns: Mehr Transparenz. Wir, Microsoft, haben das Thema Datensicherheit und Datenschutz seit langem als integrierten Bestandteil unserer Lösungen verstanden. Im Jahr 2002 beispielsweise gründete Microsoft die Trustworthy Computing Initiative (TWC) mit dem Anliegen, Sicherheitsaspekte bereits während der Entwicklung und Programmierung von Anwendungen zu berücksichtigen. Parallel hat Microsoft in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden US-Dollar in seine Rechenzentren investiert, sodass sie nun nach international geltenden Standards und Normen zertifiziert sind, wie ISO/IEC-Norm 27001:2005, SAS 70 Type II, FISMA und PCI. Und doch ist das nur eine Seite der Medaille. Gleichzeitig fordern wir die Politik auf, Klarheit über Umfang und Rechtsgrundlage der tatsächlichen Abhörmaßnahmen der Geheimdienste herzustellen. Microsoft hat im März 2013 in einem Transparenzbericht die Zahlen behördlicher Auskunftsersuche und die Prinzipien für die Datenherausgabe dargelegt.

Digitalbusiness CLOUD: Wie gehen Sie dabei vor, die Vertraulichkeit der geschäftsrelevanten Unternehmensdaten bei den Cloud-Lösungen und -Diensten zu gewährleisten?

Floris van der Heijst: Ergänzend zu den bereits genannten Sicherheitskonzepten haben wir insbesondere für die Cloud-basierten Angebote Dynamics CRM und Office 365, die „Orientierungshilfe – Cloud Computing“ des Arbeitskreises Technik und Medien der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder zum Maßstab genommen und in konkrete Vertragsbestimmungen umgesetzt, die so genannten EU-Model-Clauses. Damit unterstützt Microsoft seine Kunden, ihrer rechtlichen Verpflichtung zum Datenschutz einfacher nachzukommen. Diese Vertragsdokumente reflektieren die deutschen und europäischen Datenschutzbestimmungen und sind von der Europäischen Kommission vorgegebene Vertragsklauseln, die den Datentransfer zwischen Unternehmen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union regeln. Sie sorgen für mehr Transparenz bei der Auftragsdatenverarbeitung der Online Services für Office 365 und Dynamics CRM. Dazu zählen beispielsweise ein ausdifferenziertes Auditrecht oder die Offenlegung der Subunternehmer-Verträge.

Digitalbusiness CLOUD: Wie sieht das Zusammenspiel von Cloud mit den drei anderen Megatrends Social Collaboration, Big Data und Mobile Computing aus?

Floris van der Heijst: Cloud Computing sehe ich als Enabler dieser Megatrends. Social Collaboration, also die ortsunabhängige Zusammenarbeit und Kommunikation über soziale Plattformen wie Yammer, Lync oder Sharepoint, wäre ohne die Cloud nicht denkbar. Die Auswertung und Analyse riesiger Datenmengen, Stichwort Big Data, wäre weder finanziell noch ressourcentechnisch möglich. Im Grunde sind wir schon mitten drin im Cloud-Zeitalter. Big Data oder auch Cloud ‚inside‘ – dieses Label könnte man inzwischen häufig vergeben, denn an vielen Stellen ist sich der Verbraucher gar nicht bewusst, welche Technologien und Anwendungen dahinterstecken. So sind wir dankbar, dass uns das Navigationssystem um den aktuellen Stau herumlotst oder die Analyse riesiger Datenmengen zuverlässige Studienergebnisse liefern und damit aufwändige Tierversuche ersetzen. Auch Wetter-Frühwarnsysteme basieren auf den Analysen riesiger Datenmengen.

Gleichzeitig trägt die Cloud auch zu einer Demokratisierung der IT bei: Hohe Skalierbarkeit und der Datendurchsatz, den wir bisher nur von Hochleistungsrechnern und High Performance Computing kannten, sind nun auch durch die Cloud realisierbar – moderne Technologien, die so nun auch mittelständischen und kleineren Unternehmen kostengünstig zur Verfügung stehen.

Digitalbusiness CLOUD: Teilen Sie die Prognose von Marktforschung- und Beratungshäusern wie IDC, dass Cloud Computing schon in wenigen Jahren die vorherrschende Technologie für automatisierte IT-Infrastrukturen sein wird?

Floris van der Heijst: Die genannten Vorteile wie Flexibilität durch hohe Skalierbarkeit oder auch eine klare Preis-Leistungsstruktur liegen deutlich auf der Hand. Kosten entstehen dabei nur für die tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen und Services. Darüber hinaus erfordern neue Konzepte wie „Bring Your Own Device“ und die zunehmende Mobilität agile Infrastrukturen, in die sich leicht neue Endgeräte oder auch Services integrieren lassen. Für die Administration und das Management von IT ergeben sich immer neue Heraus- und Anforderungen. Beratung und Service bei der Implementierung und die Entwicklung geeigneter Lösungen bekommen damit einen neuen Stellenwert und eröffnen unseren Partnern neue Geschäftsoptionen. Besonders nachgefragt werden hybride Einsatzszenarien, das ist das Ergebnis einer Studie der IDC, die wir kürzlich in Auftrag gegeben hatten. Und noch ein weiterer Trend lässt sich erkennen: Unternehmen bevorzugen End-to-End-IT-Lösungen und zwar aus einer Hand und von einem Partner, mit dem sie bereits eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet.

Digitalbusiness CLOUD: Herr van der Heijst, wir danken für das Gespräch.

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