24.01.2023 – Kategorie: Digitale Transformation

Identifizierungsverfahren: So steht es um die Akzeptanz bei Verbrauchern

IdentifizierungsverfahrenQuelle: meeboonstudio - Adobe Stock

Laut der neuen Studie „Digital Identity Index 2023“ von IDnow wünschen sich deutsche Verbraucher mehr digitale Dienstleistungen. Allerdings bestehen nach wie vor Unwissenheit und Sicherheitsbedenken bei den eingesetzten Identifizierungsverfahren.

  • Wie der „Digital Identity Index 2023“ von IDnow zeigt, hat die Hälfte der deutschen Bevölkerung keine nähere Vorstellung, was sich hinter „digitaler Identität“, „eID“ oder „eIDAS 2.0“ verbirgt.
  • Die befragten Nutzer beunruhigen vor allem Identitätsmissbrauch oder Fälschungen (44 Prozent), gezielte Hackerangriffe (43 Prozent) und Überwachung durch Unternehmen (31 Prozent).
  • Private Lösungen für Identifizierungsverfahren wie VideoIdent (38 Prozent) und PostIdent (40 Prozent) dominieren den deutschen Markt. Die eID wird nur von acht Prozent verwendet.

IDnow, Plattformanbieter für Identitätsprüfung in Europa, hat jetzt den „Digital Identity Index 2023“ präsentiert. Die Studie gibt Einblicke in die Akzeptanz von digitalen Identifizierungsverfahren in Deutschland. Für den Index wurden im Rahmen einer repräsentativen Umfrage mit YouGov 2.040 erwachsene Personen in Deutschland befragt. Laut der Umfrage stören sich 59 Prozent der Deutschen bei analogen Vorgängen und Anträgen an den damit verbundenen langen Wartezeiten bei der Bearbeitung. Auch unflexible Termine und beschränkte Öffnungszeiten (58 Prozent) sowie die Anfahrt zur jeweiligen Behörde, Bank oder Institution (40 Prozent) wird als störend empfunden. Zudem stören sich 26 Prozent am Drucken von Dokumenten und 20 Prozent am Papierverbrauch. Die Adaption digitaler Identifizierungsverfahren hinkt trotzdem noch etwas hinterher. Und das, obwohl der Wunsch nach mehr digitalen Diensten in der Bevölkerung vorhanden ist.

Digitale Dienste: Wunsch versus Realität

66 Prozent der deutschen Verbraucher würden beispielsweise gerne mehr digitale Behördengänge nutzen. Nur neun Prozent tun das bisher allerdings. Die Hälfte der Bevölkerung würde gerne auch die Gesundheitsakte digital einsehen oder die Krankschreibung digital einreichen. Beides ist möglich, aktuell machen aber nur 16 Prozent der Bevölkerung davon Gebrauch. Auffällig ist auch die Diskrepanz zwischen Vertragsabschlüssen für Banken oder Versicherungen gegenüber dem Abschluss von Miet- oder Arbeitsverträgen. Jeweils über 60 Prozent der Befragten nutzen Vertragsabschlüsse bei Banken oder Versicherungen bereits digital oder würden es gerne tun. Bei Miet- und Arbeitsverträgen sind es nur sechs Prozent, die diese Verträge digital abschließen. 40 Prozent möchten diese Verträge nicht digital abschließen. Dementsprechend wenig verbreitet ist die qualifizierte elektronische Unterschrift (QES), die hierfür zum Einsatz käme. Sie wurde lediglich von sechs Prozent der Deutschen bisher verwendet.

Popularität der digitalen Identifizierungsverfahren

Während die QES bisher noch ein Nischendasein fristet, haben viele Deutsche bereits mehrmals ein digitales Identifizierungsverfahren durchlaufen. Am weitesten verbreitet sind die Vor-Ort-Identifizierung in einer Postfiliale (40 Prozent), das VideoIdent-Verfahren in einem Videochat mit einer Person (38 Prozent) sowie vollautomatisierte Ident-Verfahren mit Foto/Selfie (14 Prozent). Die eID-Funktion des deutschen Personalausweises hingegen haben auch über zehn Jahre nach deren Einführung erst acht Prozent der Befragten eingesetzt. Die privaten Lösungen für Identifizierungsverfahren werden gegenüber der staatlichen eID von den Nutzern also klar bevorzugt. Identity Wallets, wie sie aktuell unter anderem auf EU-Ebene diskutiert werden, kommen bisher erst bei einem Prozent der Bevölkerung zum Einsatz.  

Fehlendes Verständnis von eIDAS 2.0, eID und digitalen Identitäten

Über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) hat laut Umfrage keine nähere Vorstellung, was sich hinter „digitaler Identität“, „qualifizierter elektronischer Signatur“, oder „eID“, verbirgt. Schlusslicht in Sachen Verständnis der Begrifflichkeiten bilden die „EuID“ mit vier Prozent und „eIDAS 2.0“ mit zwei Prozent. „Wenn wir bedenken, dass die eIDAS 2.0-Verordnung weitreichende Auswirkungen auf die fortschreitende Digitalisierung in unserem Alltag haben wird, ist es überraschend, dass die Diskussionen der EU bisher nicht von den Endnutzern wahrgenommen werden. Sowohl Staat als auch Privatwirtschaft müssen hier noch viel Aufklärungsarbeit leisten, damit es der EuID langfristig nicht wie der deutschen eID ergeht und sie im Bewusstsein der Nutzer verschwindet,“ erklärt Dr. Heinrich Grave, Senior Vice President Digital Identity bei IDnow.

Identity Wallets: Vertrauen gegenüber Anbietern aus Deutschland

Gegen die geplanten Identity Wallets – ein Kernstück der eIDAS 2.0-Verordnung – spricht aus Sicht der deutschen Bevölkerung vor allem die fehlende Sicherheit der Daten vor Identitätsmissbrauch oder Fälschungen (44 Prozent), gezielte Hackerangriffe (43 Prozent) und der Verlust oder Defekt des Smartphones (41 Prozent). Rund jeder Dritte ist auch durch die Überwachung von Unternehmen (31 Prozent) oder vom Staat (27 Prozent) beunruhigt. Diese Bedenken schlagen sich in den Auswahlkriterien für eine Identity Wallet nieder: Den Deutschen ist Sicherheit (55 Prozent) und Datenschutz (46 Prozent) am wichtigsten. Für 36 Prozent ist die Nutzerfreundlichkeit der für Identifizierungsverfahren ein zentrales Auswahlkriterium.

Für beide Kriterien, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit der Identity Wallet, spielt der Sitz des Unternehmens eine große Rolle. Die Bevölkerung ist skeptisch gegenüber Unternehmen außerhalb der EU. Nur vier Prozent trauen ihnen eine gleichzeitig sichere Verarbeitung ihrer Daten sowie eine nutzerfreundliche Erfahrung zu. 28 Prozent trauen Unternehmen mit Sitz in Deutschland die Balance aus Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit zu. Weitere 26 Prozent glauben, dass rein staatliche Institutionen oder Stellen aus Deutschland diese Kriterien in einer Identity Wallet erfüllen könnten.

Identifizierungsverfahren
21 Prozent der befragten Deutschen wissen, was sich hinter digitale Identität verbirgt. (Grafik: IDNow)

Identifizierungsverfahren: Sicherheit mit Nutzerfreundlichkeit verbinden

„Der Digital Identity Index 2023 zeigt, dass es für die Nutzung von digitalen Diensten in Deutschland immer noch Luft nach oben gibt, insbesondere im Vergleich zum Rest der EU. Nutzer entscheiden sich aufgrund von Bedenken oder aufgrund von Unwissenheit noch häufig für analoge Prozesse, wo digitale Verfahren schon längst zur Verfügung ständen. In Hinblick auf die anstehenden Veränderungen, die Identity Wallets in der gesamten EU bringen werden, ist es deshalb so ungemein wichtig, Sicherheit mit Nutzerfreundlichkeit zu vereinbaren. Nur so können Politik und Wirtschaft ein zukunftsfähiges System für digitale Identitäten schaffen. Und so deutsche Bürgerinnen und Bürger von ihren Vorteilen überzeugen“, lautet das Fazit von Heinrich Grave.

Zur Methodik der Studie: Die Umfrage basiert auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panel in Deutschland. Es wurden insgesamt 2.040 Personen im Zeitraum vom 6. bis 8. Dezember 2022 befragt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren in Deutschland. IDnow ist Plattformanbieter für Identitätsprüfung in Europa mit der Vision, die vernetzte Welt sicherer zu machen. Die Plattform bietet ein breites Portfolio an Identifizierungsverfahren, die von automatisiert bis menschlich unterstützt und von online bis zum Point-of-Sale reichen. Diese sind jeweils für die Konversionsrate und Sicherheit der Nutzer optimiert. Ziel ist es, die höchsten Sicherheitsstandards bei maximaler Benutzerfreundlichkeit zu gewährleisten. Im Jahr 2021 hat IDnow die Identitätsprüfungs-Anbieter Ariadnext aus Frankreich und die deutsche identity Trust Management AG übernommen. (sg)


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