02.11.2022 – Kategorie: Cloud Computing

GreenOps: Mit der Cloud in eine nachhaltige Zukunft

GreenOps

Um dem Klimawandel zu begegnen, ist es nötig, möglichst ressourcenschonend zu agieren. Das gilt auch für die Software-Entwicklung und den Betrieb von IT-Infrastrukturen, wo der Ansatz von GreenOps selten eine Rolle spielt.

Unbestritten kann die digitale Transformation einen positiven Einfluss zu mehr Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben leistedn. Die Digitalisierung von Prozessen, an deren Ende keine Papierform mehr notwendig ist, schont die Ressourcen unseres Planeten. Der konsequente Einsatz von Online-Konferenz-Lösungen ist ein weiteres Beispiel. Denn wo seltener gereist werden muss, werden weniger Ressourcen verbraucht. Ein besonderes Potenzialsteckt in GreenOps.

Der Cloud kommt heute in den meisten digitalen Prozessen eine entscheidende Rolle zu. Auf den ersten Blick scheint die Cloud-Nutzung ebenfalls ressourcenschonend zu sein. Schließlich verzichten Unternehmen damit auf die Unterhaltung eines eigenen Rechenzentrums und Infrastrukturen der Hyperscaler werden von mehreren Firmen gemeinsam genutzt. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht.

Ungebremstes Wachstum der Cloud – auch in Sachen Energie

Laut aktuellen Statistiken ist keine Verlangsamung bei der Adaption der Cloud in Unternehmen erkennbar. Teilweise wachsen die Ausgaben für Cloud-Technologien jährlich um fast 100 Prozent. Die Schattenseite: Die Energiemenge, die von Rechenzentren verschlungen wird, verdoppelt sich etwa alle vier Jahre. Und selbst im günstigsten Fall dürfte die ITK-Branche bis 2030 etwa acht Prozent des Strombedarfs ausmachen. Verbunden mit den entsprechenden Emissionen von Treibhausgasen. Die Branche kann etwas dagegen unternehmen, wenn sie die Möglichkeit erkennt, bereits im Entwicklungsprozess die Umwelt zu entlasten.

Code und Daten verursachen Treibhausgasemissionen

Es mag trivial klingen, aber den Anfang zu einer grüneren Cloud macht die Erkenntnis, dass Code und Daten in der Cloud eben Energie kosten und damit für Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren IT und Softwareentwicklung genügt es nicht, sich darauf zu verlassen, dass die Cloud-Anbieter schon genügend Anstrengungen unternehmen, um ihre Systeme energieeffizienter zu gestalten. Oder sich für den Anbieter zu entscheiden, der das größte Nachhaltigkeitsversprechen abgibt. Es bedarf eines aktiven Eingreifens der Cloud-Nutzer:innen, also der Unternehmen selbst. Und das funktioniert mit Tools und einer neuen Topologie von Teams.

GreenOps: Dev und Ops im Zusammenspiel

Beim Erreichen einer grünen IT und GreenOps fällt den direkt an der Entwicklung beteiligten Entwicklungsteams eine Schlüsselrolle zu. Im Zeichen agiler Entwicklung werden dort wichtige Designentscheidungen getroffen, die auf die Anforderungen der Kunden (auch interner Kunden) reagieren. Die Entscheidungen der Teams für eine bestimmte Architektur und Struktur, ja selbst die Gestaltung des Codes kann direkten Einfluss auf den Energieverbrauch einer Anwendung haben.

Wie in anderen Bevölkerungsschichten wächst auch unter Entwickler:innen das Bewusstsein dafür, dass eigenes Entscheiden und Handeln direkten Einfluss auf das Klima hat. Diesem wachsenden Bewusstsein kommen Cloudanbieter mit Tools entgegen, die den klimatischen Fußabdruck von Systemen errechnen, darstellen und Anhaltspunkte für Optimierungen geben. Mit dem Cloud Carbon Footprint (CCF) gibt es ein Open-Source-Tool, um Visualisierungen der geschätzten CO2-Emissionen basierend auf der Nutzung in AWS, GCP und Azure bereitzustellen. In der modernen Softwareentwicklung sind es die Entwicklungsteams gewohnt, über Pflege, Skalierbarkeit und Kosten nachzudenken. Der Energieverbrauch wäre somit nur ein weiterer Punkt, den sie zu berücksichtigen haben.

Einfluss auf die klimatische Bilanz der Strukturen

Es gibt indes noch weitere Experten, die ihr Wissen aktiv beisteuern müssen, wenn es darum geht, Klimaziele zu erreichen. Das sind die Mitarbeitenden, die sich auf das Thema Plattform fokussieren, ob innerhalb des DevOps-Ansatzes oder als eigenständiges Team. Sie sind von den Bedürfnissen der Kunden weiter entfernt und können deshalb keine Vorschläge zur energetischen Optimierung der Workloads einer einzelnen Anwendung unterbreiten. Aber sie verfügen über die Einblicke und das Wissen, was bereichsübergreifende Belange der Infrastrukturen betrifft und damit besitzen Sie einen großen Einfluss auf die klimatische Bilanz der gesamten Strukturen und entsprechend der Entwicklung.

Das Upgrade einer Instanz auf stromsparende Prozessoren oder die Optimierung von Templates für virtuelle Maschinen senken den Energieverbrauch – und das in der Regel für eine ganze Reihe anderer Teams und Anwendungen. Ops-Experten nutzen in der Regel auch Tools für die permanente Überwachung eines Systems. Die Werte zeigen aber nicht allein an, ob ein Service zur Verfügung steht. Mit dem richtigen Bewusstsein lassen sich aus den Daten auch Erkenntnisse gewinnen, ob hier nicht Ressourcen verschwendet werden, weil es zu große Leerlaufzeiten gibt. Oder der eigentliche Workload erfordert gar keine so große Instanz. Ansatzpunkte gibt es hier viele, bis zu Skripten, die in Randzeiten Dienste abschalten oder Datenverkehr reduzieren.

Auf dem Weg zu GreenOps

Es gibt Tools, die das notwendige Wissen für die klimatischen Auswirkungen beim Aufbau von Infrastrukturen und der Codeentwicklung implementieren: Damit IT grüner werden kann, müssen Organisationen aus dem Bewusstsein, den Ideen, dem Tooleinsatz und dem Wissen der Experten eine Strategie ableiten, die dauerhaft im Unternehmen verankert wird. Zur Topologie zeitgemäßer Teamstrukturen, die den Klimaschutz berücksichtigen und die Transformation zu einer grünen IT begleiten, sollte GreenOps gehören.

Die GreenOps kümmern sich nicht um spezifische Optimierungen auf Ebene der Infrastruktur oder gar des Codes. Sie definieren die Strategie für die gesamte Organisation. Dies beginnt mit der Definition von (Klima-) Zielen, reicht über die konkrete Maßnahmenplanung bis hin zur Aufgabe, DevOps-Teams die erforderlichen Tools und Ressourcen zur Umsetzung der Strategien zu beschaffen. In einem Team für GreenOps bringen alle Stakeholder ihre Erfahrungen ein: Finanzielle Gesichtspunkte, das Wissen aus dem Development (etwa wie sich Workloads verschlanken und optimieren lassen) und die Expertise von Ops, die die großen Zusammenhänge der Infrastrukturen und die Besonderheiten der Hyperscaler und Cloudanbieter kennen. Dieser strategische Ansatz hilft nicht nur dem Klima. Es nutzt auch den Unternehmen direkt. Denn weniger Verbrauch von Ressourcen ist in der Regel auch mit geringeren Kosten verbunden. Und das nützt schließlich dem gesamten Unternehmen.

Über den Autor

Daniel Fratte ist Lead Software Engineer & Green Tech Lead bei Thoughtworks. (Bild: Thoughtworks)

Daniel Fratte ist Lead Software Engineer & Green Tech Lead bei Thoughtworks. Das Unternehmen ist eine Technologieberatung, die Strategie, Design und Technik integriert, um digitale Innovationen voranzutreiben. Daniel Fratte verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Softwarebranche. Er hat für viele Kunden und Organisationen in Südamerika, Nordamerika und Europa gearbeitet. Er ist davon überzeugt, dass die Technologie das Leben der Menschen verbessern soll, jedoch nicht auf Kosten der Umwelt. Daher ist es seine Leidenschaft, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur die Bedürfnisse des Marktes und die Anforderungen der Kunden erfüllen, sondern auch die besten Praktiken der Nachhaltigkeit einhalten. Als Green-Tech-Analyst berät er Kunden und Partner mit dem Ziel, die Denkweise und die Agenda von Unternehmen in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft zu verändern. (sg)

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