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Goldsuche im Müll

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Goldsuche im Müll

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Fein säuberlich zerlegt und in Plastikbeuteln separiert lagern sie in großen blauen Tonnen: Hunderte von Spielzeugen, die Eines gemeinsam haben – elektronische Bauteile. Ein Diplomand am Fachgebiet Abfallwirtschaft analysierte die Zusammensetzung der Spielzeuge für seine Diplomarbeit. Die Ingenieurin Perrine Chancerel untersucht dagegen die Spielzeuge der Erwachsenen für ihre Doktorarbeit: Wie sind Handys und Drucker, HiFi-Anlagen und Computer-Bildschirme zusammengesetzt? Wie werden die einzelnen Teile entsorgt? Welche Verfahren eignen sich am besten, um Computer, Toaster und Handys umweltschonend zu recyceln? Was heutzutage schon aus Image-Gründen zur Selbstverständlichkeit wird – dass Hersteller von Produkten auch deren Inhalt beziehungsweise Bestandteile kennen – galt vor zehn Jahren wohl noch als unnötiger Aufwand. „Bildschirme oder Festplatten, die heute auf dem Müll landen, sind bis zu 20 Jahre alt“, sagt die Französin, deren Promotion an der TU Berlin durch ein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziert wird. Am Anfang ihrer Arbeit stand also eine umfangreiche Analyse der elektronischen Bauteile. Die in einer wahren Sysiphosarbeit zusammengetragenen Daten hat Perrine Chancerel in einer Datenbank gesammelt. „Gerätetyp, Herstellungsjahr, Gewicht, Masse, enthaltene Bauteile und die Ergebnisse chemischer Analysen sind darin verzeichnet“, erläutert sie.

Dieses Material liefert die Basis für den nächsten Schritt der Untersuchungen, die genaue Analyse der Aufbereitungsmethoden. „Prinzipiell unterscheidet man drei Punkte: Das Aufbereiten der Produkte durch Demontage und/oder Zerkleinerung, Verwerten und Entsorgen“, sagte die Diplom-Ingenieurin. Den experimentellen Teil des Projektes hat sie kürzlich abgeschlossen – mit erstaunlichen Ergebnissen. Bei der Aufbereitung von 27 Tonnen Elektronik-Schrott in einer Anlage, wo die Altgeräte vor dem Schreddern manuell sortiert werden, untersuchte die Forscherin die 44 verschiedenen Outputfraktionen: Unter anderem befanden sich wertvolle Edelmetalle wie Gold, Palladium sowie Silber und auch Basismetalle wie Kupfer, Eisen und Aluminium darunter. Aber auch hoch giftige Substanzen wie Cadmium, Blei und Quecksilber, letzteres in modernen TFT-Bildschirmen.

Pro Tonne Schrott aus der IT- oder Unterhaltungselektronikbranche entdeckte Perrine Chancerel 22,2 Gramm Gold. Nur 25 Prozent des Goldes, das hauptsächlich in den Leiterplatten steckt, wird in dem Recyclingbetrieb aus dem Müll, der dann noch zum Beispiel an einen Kunststoffrecycler weitergegeben wird, vergütet. „Wir reden von 16,5 Gramm Gold pro Tonne Schrott, die dem Recyclingunternehmen verloren gehen“, rechnet die Französin vor. „Nach dem heute gültigen Goldpreis entspricht das etwa 530 Dollar pro Tonne E-Schrott.“ Beim Palladium errechnete sie einen Wert von 70 US-Dollar, der letztlich vergeudet wird, weil das Palladium ebenso wenig wie das Gold separat verwertet wird.

Ende dieses Jahres wird die Wahl-Berlinerin zwei Monate lang am Center for Industrial Ecology an der US-amerikanischen Elite-Universität Yale vergleichende Forschungen anstellen. Und sicher wertvolle Informationen für ihre Arbeit sammeln, um dann schließ;lich alle Ergebnisse zusammenzuführen. Dass die Edelmetalle im Schrott wirtschaftlich so relevant sind, war den Recyclingunternehmen bislang unbekannt. Die aufwendigen Messungen wurden in dieser Art erstmals durchgeführt. Die nächste Herausforderung wird sein, den Prozess so zu modifizieren, dass das Gold gewonnen werden kann. Optimistisch darf man bei diesem Projekt wohl für die Umwelt sein: Neben mehr Gewinn für das Recyclingunternehmen ermöglicht die Optimierung der Verfahren, die Ressourcen besser zu schonen und Umweltgifte adäquat zu entsorgen.

http://itu107.ut.tu-berlin.de

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