10.08.2022 – Kategorie: Cloud Computing

FinOps: Diese Praktiken gewinnen an Dynamik

FinOpsQuelle: Casther – stock.adobe.com

Die Massenwanderung in die Cloud ist im vollen Gange. Kaum ein Unternehmen, dass noch nicht auf SaaS setzt und Cloud-Instanzen betreibt. Für CIOs rücken damit verstärkt betriebswirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund. FinOps – das Cloud Financial Management – soll helfen, die Kosten zu reduzieren und echten ROI aus der Cloud zu holen.

Angesichts der wachsenden Cloud-Anforderungen rücken Praktiken rund um das Cloud Financial Management verstärkt auf die Agenda von CIOs und CFOs. Die meisten Unternehmen stehen jedoch noch am Beginn ihrer FinOps-Reise. Wie dringlich die Cloud gemanagt werden will, zeigt der State of the Cloud Report 2022 von Flexera. Die weltweite Umfrage zeichnet ein komplexes Bild der aktuellen Cloud-Infrastruktur: 80 Prozent der Unternehmen nutzen sowohl Public als auch Private Clouds (Hybrid Cloud). ­Sogar 89 Prozent verfolgen eine Multi Cloud-Strategie und greifen beim Cloud Computing auf mehr als einen Anbieter zurück.

Kostenkurve zeigt nach oben

Insbesondere die Cloud-Kosten bereiten Kopfzerbrechen. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen gibt pro Jahr umgerechnet mehr als 2,4 Mio. Dollar für die Public Cloud aus. Dass bei steigender Cloud-Nutzung und Adoption die Kosten steigen, ist normal. Was verstört, ist das Unternehmen in Sachen Cloud in vielen Fällen draufzahlen und keinen ROI erzielen. Fast ein Drittel (32 Prozent) der gesamten Cloud-Ausgaben sind nach Aussage der IT-Verantwortlichen unnötig und verpuffen wirkungslos im Wolkenhimmel.

Betriebsmodell für die Cloud – FinOps

Kein Wunder, dass die Optimierung der bestehenden Cloudnutzung (Cloud Cost Optimization, CCO) im Flexera-Report zum sechsten Mal in Folge an der Spitze der wichtigsten IT-Initiativen steht. Doch wo setzt man mit der Kostenoptimierung an? Ein Siloansatz greift in der hybriden und hoch dynamischen IT-Welt zu kurz. Wer seine Cloud-Ausgaben langfristig reduzieren und an die betriebswirtschaftlichen Anforderungen des Managements ausrichten will, setzt auf FinOps.

FinOps (oder auch Cloud Financial Management) ist das Betriebsmodell für die Cloud. Es umfasst Managementtools und Systeme, Prozesse, Best Practices und Governance-Richtlinien sowie eine Neuausrichtung der gesamten Unternehmenskultur auf die Cloud. Ziel ist es, die Cloud-Nutzung transparent zu machen. Dadurch lassen sich Ausgaben nicht nur besser planen und kontrollieren. Die einmal erworbenen Technologien können auch ziel- und gewinnorientiert eingesetzt werden. Voraussetzung ist eine enge Absprache zwischen unterschiedlichen Geschäftsbereichen – angefangen von der IT und Beschaffung über die Entwicklung bis hin zum Finanzwesen und der oberen Managementebene.

Das Prinzip der Eigenverantwortung steht dabei im Fokus: Jedes Team und jede Abteilung muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Cloud für den eigenen Geschäftserfolg bewerten können und darauf basierend Investitionsentscheidungen treffen. Der Kostenfaktor Cloud ist damit nicht mehr länger nur eine Angelegenheit der IT. Gleichzeitig richtet sich die Nutzung der Cloud stärker am Mehrwert für das Unternehmen aus.

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Bild: Flexera

Drei Phasen von FinOps

Angesichts der wachsenden Cloud-Anforderungen rücken Praktiken rund um das Cloud Financial Management verstärkt auf die Agenda von CIOs und CFOs. Die meisten Unternehmen stehen jedoch noch am Beginn ihrer FinOps-Reise. Grundsätzlich lässt sich das Betriebsmodell entlang drei Phasen realisieren:

  1. Informieren: Zunächst geht es darum einen Einblick zu gewinnen – sowohl in die Cloud-Kosten insgesamt als auch in die den Kosten zugeordneten Geschäftsbereichen und Kostenstellen. Eine saubere und einheitliches Cloud-Tagging ist für diese Phase der Informationsfindung grundentscheidend. Die Metadaten werden den Cloud-Ressourcen hinzugefügt und verraten z. B. welcher Cloud-Service von welcher Abteilung genutzt wird. Ein wichtiges KPI sind in diesem Zusammenhang Cloud-Ressourcen mit fehlenden oder nicht korrekten Tags wie falsche Schreibweise. Die Automatisierung des Taggings kann hier eine enorme Entlastung darstellen. Aktuell sind jedoch gerade einmal ein Drittel der Unternehmen dazu überhaupt in der Lage. Um KPIs langfristig über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen und miteinander vergleichen zu können, empfiehlt sich das Unit Economics-Modell. Einnahmen und Ausgaben werden dabei in Bezug auf eine individuelle, identifizierbare Einheit (z. B. Cloud-Instanz, SaaS-Lösung) beschrieben.
  2. Optimieren: Ist die Kostentransparenz garantiert, kann es mit der eigentlichen Optimierung losgehen. Wie diese im Detail ausfällt, hängt vom jeweiligen Cloud-Reifegrad ab. Unternehmen, die am Beginn ihrer Cloud-Reise stehen, sind an einer schnellen Migration interessiert. Für andere heißt es, die Kosten von bereits migrierten Workloads zu drosseln. Daher ist es wichtig, Ziele und Prioritäten genau zu definieren und Einsparungspotentiale zu identifizieren. Vereinfacht gesagt gibt es für die Optimierung zwei Möglichkeiten: Entweder Unternehmen reduzieren ihre Ausgaben über die Cloud-Nutzung oder über den Preis (z. B. über Rabatte der Cloud-Anbieter). Letzteres fällt Unternehmen nach wie vor schwer, auch weil die jeweiligen Preisstrukturen nur schwer zu durchschauen sind.
  3. Automatisieren: In dieser Phase zeigt sich FinOps in der Praxis und in Form handfester Ergebnisse: den Einsparungspotentialen. KPIs, Richtlinien und Prozesse sollten dabei stetig kontrolliert und feinjustiert werden, um wiederholbare Best Practices definieren und automatisieren zu können. Dazu gehört beispielsweise das Herunterfahren von Workloads nach Geschäftsschluss sowie das Rightsizing nicht ausgelasteter Instanzen.

Wie die FinOps-Praktiken im Einzelnen ausfallen, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen jedoch immer die Optimierung und Automatisierung des Cloud-Managements – nicht nur um Kosten zu sparen, sondern auch um einmal implementierten Cloud-Lösungen in vollem Umfang zu nutzen. Erst dann kann die Cloud ihrer Rolle als Treiber der digitalen Transformation auch tatsächlich gerecht werden.

FinOps
Bild: Flexera

Der Autor: Wolfgang Schuster ist Business Value Advisor bei Flexera.

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