16. DSAG-Jahreskongress: Interview mit Marco Lenck

Im Vorfeld des 16. DSAG-Jahreskongresses nutzten wir die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der  Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG), in dem er einen Ausblick auf die aktuellen Themen des Kongresses gibt. Die Fragen stellte Stefan Girschner.

digitalbusiness CLOUD: Herr Lenck, das Motto des 16. DSAG-Jahreskongress lautet „ERP/4 Customer: Mehr als schnell und einfach?“ Was verbirgt sich hinter dieser Fragestellung, über welche Themen können sich die Teilnehmer informieren?

Marco Lenck: SAP hat sich mit S/4HANA neu aufgestellt, um Lösungsansätze für das Internet of Things, Big Data und Cloud Computing aufzuzeigen. In unserem Jahreskongress-Motto greifen wir diese Entwicklung auf. Wir wollen bei der Veranstaltung gemeinsam herausfinden, wer vielleicht schon die neuen Wege eingeschlagen und entsprechend innovative Business Cases geschaffen hat. Oder wer aktuell im Begriff ist, dies zu tun.

Die Aussage „mehr als schnell und einfach“ soll die Tatsache beschreiben, dass zum einen allein die Aussicht auf Geschwindigkeit in Form von schnelleren Prozessen ein Unternehmen in der Regel nicht dazu motiviert, ein neues Produkt wie S/4HANA einzuführen. Das heißt, nicht jedes Unternehmen sieht bereits heute den Bedarf, neuartige Geschäftsmodelle abzubilden. Folglich gibt es SAP-Kunden, die noch an bewährten Geschäftsprozessen festhalten und diese anhand von bestehenden ERP-Systemen verbessert wissen wollen. Zum anderen rechtfertigen ein einfaches Datenmodell und eine einfache Benutzeroberfläche an sich noch keinen Business Case. Dafür bedarf es eines wichtigen Bindeglieds und das ist die Funktionalität.

Die Frage nach der Funktionalität von S/4HANA beantwortet die SAP aus unserer Sicht derzeit noch nicht zufriedenstellend. Folglich werden uns auf dem DSAG-Jahreskongress ganz besonders Antworten auf Fragen interessieren, wie: Was ist S/4HANA überhaupt, was eine S/4HANA-Plattform? Welche sind die neuen Funktionalitäten, die mit S/4HANA kommen sollen? Wie sehen dazu mögliche Business Cases aus? Damit kommen wir vom Produkt S/4HANA zu der funktional neuen Lösung eines ERP für Kunden.

digitalbusiness CLOUD: Steht damit S/4HANA im Mittelpunkt des diesjährigen Jahreskongresses?  Werden dort Anwender wie auch Systemintegratoren über ihre ersten Erfahrungen mit der Business-Lösung berichten?

Marco Lenck: S/4HANA wird im Mittelpunkt stehen, aber gemeinsam mit Themen wie Digitalisierung und hybride Cloud-Lösungen. Bei allen drei Bereichen sehe ich unsere Aufgabe als DSAG darin, daran mitzuarbeiten, unsere Mitglieder und alle SAP-Kunden noch besser über diese Produkte zu informieren. Die starke und vernetzte Gemeinschaft der DSAG-Mitglieder und der ständige Erfahrungsaustausch untereinander zu den IT-Innovationen helfen uns dabei, diese optimal einzuordnen und zu verstehen, wie damit in der Praxis umzugehen ist. Entsprechend werden die Jahreskongress-Keynotes des DSAG-Vorstands und der SAP-Vorstände die zentralen Punkte und Anliegen rund um S/4HANA aufgreifen. Es steht für uns ganz klar im Vordergrund, zum Beispiel Wege aufzuzeigen, wie sich die SAP-Kunden mit den neuen Produkten auseinandersetzen können und wie sich diese in eine Unternehmensstrategie einbauen lassen.

Diese Ausrichtung macht auch deutlich, dass es aktuell noch nicht viele abgeschlossene Kundenprojekte aus der DSAG heraus gibt. Ein Grund mehr für uns, auf dem Jahreskongress die zentralen Fragen zu stellen und von SAP die entsprechenden Antworten zu erhalten. Wir erwarten unter anderem einen Dialog mit der SAP, wie sich die notwendige Transformation in den Unternehmen realisieren lässt, ohne jedoch Themen wie Migration, Sicherheit oder Kosten/Nutzenanalysen zu vernachlässigen.

digitalbusiness CLOUD:  Worin bestehen die Herausforderungen für Anwender, die neuen SAP-S/4HANA-Lösungen bestmöglich für den eigenen Geschäftserfolg zu nutzen?

Marco Lenck: Eine Herausforderung besteht ein Stück weit darin, die neuen Funktionalitäten, die die Lösungen bieten, mit dem Bedarf in den Unternehmen in Einklang zu bringen. Das heißt festzustellen, ob eine geplante Digitalisierungsstrategie durch bestimmte neue Funktionalitäten auch unterstützt wird. Also ob es etwa möglich ist, sowohl interne als auch externe digitale Prozesse auf einer gemeinsamen IT-Basis zusammenzubringen. Sei es eine Plattform, die im eigenen Unternehmen betrieben wird oder eben eine HANA-Cloud-Plattform.

Dabei ist es aus unserer Sicht besonders wichtig, dass sich SAP in einem Spannungsfeld bewegt, in dem es Unternehmen freigestellt ist, entweder bewährte Geschäftsprozesse wie bisher weiterzuentwickeln oder mit einer gewissen Risikobereitschaft auf die neuen Lösungen zu setzen. Das heißt wiederum für die Lösungen, dass sie flexibel genug sein müssen, um auch die Basis für neue Geschäftsmodelle zu bilden, sei es On-Premise, in hybriden Szenarien oder in Cloud-Umgebungen.

digitalbusiness CLOUD: Neben diesen neuen Lösungsansätzen für Internet of Things, Big Data und Cloud Computing steht für viele Unternehmen auch die digitale Transformation auf der Agenda. Welche Themen erwarten hierzu die Teilnehmer auf dem DSAG-Jahreskongress?

Marco Lenck: Als Unternehmen muss ich die Frage beantworten, wie digitale Transformation mein Geschäftsmodell verändern oder ergänzen kann. Daraus leitet sich die Strategie ab und schließlich lautet die Frage, wie S/4HANA, Cloud-Services oder die HANA-Cloud-Plattform (HCP) in diese Strategie passen. Weiß ich überhaupt schon, wie zum Beispiel eine HCP zu meiner geplanten Strategie beitragen kann? Hier schließt sich der Kreis und wir sind wieder beim Ausgangspunkt: den Informationen, die wir zusammen mit SAP für unsere Mitglieder und alle SAP-Kunden erarbeiten müssen und wollen.

DSAG und SAP werden gemeinsam daran arbeiten, den Informationsbedarf im Sinne und zum Nutzen der SAP-Kunden zu decken. Denn wie bereits gesagt, es mangelt derzeit nicht an offenen Fragen. Aber es gibt auch Freiräume, die wir als DSAG mit konkreten Antworten und Ideen füllen können und wollen. Daher verfolgen wir mit dem Jahreskongress das klare Ziel, Licht in das Dunkel zu bringen und Orientierungspunkte zu setzen.

digitalbusiness CLOUD:  Herr Lenck, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen einen erfolgreichen Jahreskongress in Bremen.

 

16. DSAG-Jahreskongress in Bremen

Der Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) findet vom 29. September bis 1. Oktober 2015 im Messe und Congress Center Bremen statt. Die dreitägige Veranstaltung, bei der 4.000 Teilnehmer erwartet werden, wird durch eine Fachausstellung mit 175 Partnern begleitet. Aktuelle Informationen und die Anmeldung ist unter www.kongress.dsag.de möglich.

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) in Walldorf ist eine unabhängige Interessenvertretung aller SAP-Anwender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ziel der DSAG ist es, darauf hinzuwirken, dass bedarfsgerechte SAP-Lösungen entwickelt werden, sowie den Erfahrungs- und Informationsaustausch der SAP-Kunden untereinander wie auch mit SAP zu fördern. Die 1997 als eingetragener Verein gegründete DSAG zählt heute über 2.900 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 50.000 Mitgliedspersonen und hat sich als eine der größten SAP-Anwendergruppen weltweit etabliert.

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