12.04.2022 – Kategorie: Human Resources

E-Mental Health: Digitale Innovationen für die psychische Gesundheit

Die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden ist für Unternehmen in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Digitale Innovationen können besonders in Zeiten der Corona-Pandemie und des Facharztmangels die ­Lösung sein.

E-Mental Health in der Praxis: Die vergangenen Monate haben eindrücklich gezeigt, wie negativ sich die pandemiebedingte soziale Isolation auf die Psyche der Menschen auswirkt. Laut einer Studie ist die empfundene Einsamkeit in Folge des Lockdowns stark gestiegen. Wer ohnehin schon unter einer psychischen Erkrankung leidet, gilt in diesen Zeiten als besonders gefährdet. Fallen soziale Kontakte wie die zu Arbeitskollegen oder Kunden weg, stellt dies eine zusätzliche Belastung für die mentale Gesundheit dar. Und auch die medizinische Versorgung der Patienten mit psychischer Erkrankung verschlechterte sich ungemein. So mussten beispielsweise zahlreiche Termine wegen des hohen Infektionsrisiko verschoben oder abgesagt werden.

Burnout vorbeugen: Das können Unternehmen tun

Umso wichtiger ist es, dass auch Arbeitgebende den mentalen Zustand ihrer Mitarbeitenden genaustens im Auge behalten und psychischen Erkrankungen vorbeugen. Schließlich sind Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden essenziell für eine wünschenswerte Arbeitsleistung. Regelmäßige Umfragen bieten dabei die ideale Möglichkeit, um direktes Feedback einzuholen und die allgemeine Stimmung im Unternehmen einschätzen zu können.

Eine im Jahr 2018 in Deutschland durchgeführte Umfrage gibt emotionalen Stress und Zeitdruck im beruf­lichen Kontext als stärkste Belastung an, gefolgt von zu vielen Überstunden und einem schlechten Arbeitsklima. Jede 2. Person glaubt demnach, von einem Burnout betroffen zu sein. Sechs von zehn Personen klagen sogar bereits über für ein Burnout-Syndrom typische Symptome. Um ein Ausbrennen der eigenen Mitarbeitenden zu verhindern und deren mentale Gesundheit zu schützen, sollten Unternehmen unter anderem auf eine gesunde Work-Life-Balance achten. Flexible Arbeitszeitmodelle, Optionen zur Remote Work, kostenlose Sportangebote zum körperlichen Ausgleich oder andere Benefits haben sich hierfür als moderne und effektive Maßnahmen erwiesen. Doch nicht immer reichen diese aus.

E-Mental Health auf dem Vormarsch?

Liegen erst einmal psychische Störungen vor, führen diese häufig zu bedeutenden Beeinträchtigungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Auch die berufliche Leistungsfähigkeit wird stark eingeschränkt. Der Gang zum Therapeuten ist an diesem Punkt stets ratsam. Doch eben dieser Schritt stellt für viele Betroffene eine gewaltige Hürde dar, denn in deutschen Großstädten herrscht akuter Mangel an Therapiemöglichkeiten. Die Kluft zwischen Einwohnerzahl und verfügbaren Psychotherapeut:innen ist gewaltig, wie die folgende Analyse einer gängigen Suchplattform für ärztliche Fachkräfte verdeutlicht.

E-Mental Health bietet eine große Chance, diesen Mangel auszugleichen. Es handelt sich dabei um onlinebasierte Behandlungsangebote, die über Computer, Tablet oder Smartphone genutzt werden und so den aktuellen Versorgungsengpässen entgegenwirken können. Was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, verrät eine aktuelle Definition von Nobis et al.:

„E-Mental-Health umfasst die Nutzung digitaler Technologie und neuer Medien, um Screening-Maßnahmen, Gesundheitsförderung, Prävention, Behandlungen oder Rückfallprophylaxe anzubieten. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung (z.B. elektronische Patientenakten), berufliche Weiterbildung (z.B. mittels E-Learning) und Online-Forschung im Bereich der psychischen Gesundheit sind Teil von E-Mental-Health.“

E-Mental Health bietet die Möglichkeit, Behandlungen digital durchzuführen, die sich bisher nur persönlich vor Ort anbieten ließen. Neben dem Entgegenwirken gegen den Therapeutenmangel in deutschen Großstädten ließen sich so auch Versorgungslücken in ländlichen Gebieten schließen.

E-Mental Health
Bild: ZAVA

Moderne Medien für die Medizin nutzen: E-Mental Health

Der Bedarf an digitaler Unterstützung bei mentalen Problemen ist in Deutschland also enorm. Die Zahl der Google-Suchanfragen zu Themen der psychischen Gesundheit steigt von Jahr zu Jahr. Mit höherer Nachfrage wächst auch das Angebot im Bereich E-Mental Health. Die modernen Medien stellen zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung. Neben Online-Therapien und Beratungen sowie frei zugänglichen Infomaterialien im Netz existieren mittlerweile auch rund 20.000 Apps, die sich mit dem Thema mentale Gesundheit befassen. Diese können eine wichtige Stütze vor, während und nach einer Psychotherapie darstellen. Stellen Unternehmen beispielsweise kostenlose Zugänge zu Selfcare-Apps zur Verfügung, können sie psychischen Problemen ihrer Mitarbeitenden präventiv entgegenwirken. Die mentale Gesundheit bekommt in unserer Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert. Für moderne Führungskräfte ist es somit unabdingbar, diesen Aspekt verstärkt in den Fokus zu rücken.

E-Mental Health
Bild: ZAVA

Digitale Psychiater:innen und Coaches für mentale Gesundheit von Mitarbeitenden

Besonders im beruflichen Alltag stehen Menschen regelmäßig vor neuen Herausforderungen, die es nicht selten unter hohem Zeitdruck zu bewältigen gilt. Ein fehlendes Gemeinschaftsgefühl im Team oder zu wenig Lob und Anerkennung von Seiten der Führungsebene wirken sich zusätzlich negativ auf die mentale Gesundheit aus. Doch auch innere Ursachen wie zu wenig Selbstbewusstsein, die Nicht-Akzeptanz eigener Schwächen oder überhöhte Selbstansprüche können die Grundlage für die Entstehung eines Burnout-Syndroms oder anderer mentaler Störungen bilden.

Die Ermöglichung individueller digitaler Coachings oder therapeutischer Beratungen stellen daher eine weitere Möglichkeit zur Anwendung von E-Mental Health im beruflichen Kontext dar. Mit deren Hilfe lassen sich unter anderem Workshops zu Themen wie Konfliktlösung, Zeitmanagement und Stressbewältigung am Arbeitsplatz anbieten. Mitarbeitende lernen beispielsweise durch verschiedene Techniken ihre und die Ziele des Unternehmens effizienter zu erreichen und auch bei größeren oder unbekannten Herausforderungen nicht in Panik zu verfallen. Aufbau und Stärkung der eigenen Stressresilienz sind die wohl wichtigsten Schritte, um einem drohenden Burnout-Syndrom vorzubeugen. So lässt sich das allgemeine Klima am Arbeitsplatz verbessern und die körperliche und mentale Verfassung sowie die Motivation und Produktivität der Mitarbeitenden steigern.

Die Autorin Dr. med. Ulrike Thieme ist seit 2018 Teil des deutschen Ärzteteams bei ZAVA und zur Zeit kommissarisch ärztliche Leiterin.

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