Diversität und Inklusion: Nur jedes zehnte Unternehmen ist Vorreiter bei der Umsetzung

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Diversität und Inklusion: Nur jedes zehnte Unternehmen ist Vorreiter bei der Umsetzung

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Wie eine neue Studie von Capgemini zeigt, haben bei mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit Vorreiterrolle Diversität und Inklusivität zu Innovation und Differenzierung geführt. Mehr als jedes zweite Unternehmen verzeichnet steigende Umsätze und eine höhere Kundenzufriedenheit.
Diversität Digital Employee Experience Talentsuche Start-ups Cloud-native Arbeitswelt Digital Business Cloud

Quelle: Sfio Cracho/Shutterstock

  • Neue Studie von Capgemini: Für mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit Vorreiterrolle haben Diversität und Inklusivität zu Innovation und Differenzierung geführt.
  • Mehr als jedes zweite Unternehmen verzeichnet steigende Umsätze und eine höhere Kundenzufriedenheit.
  • Unternehmen mit diversen und inklusiven Tech-Teams entwickeln mit viermal höherer Wahrscheinlichkeit inklusive Produkte

90 Prozent der globalen Unternehmen haben Schwierigkeiten, Diversität und Inklusion innerhalb ihrer Technologie- oder IT-Teams zu verwirklichen. Das zeigt die neue Studie „The key to designing inclusive tech: Creating diverse and inclusive tech teams“ des Capgemini Research Institute. Dass die Unternehmensspitze einen Mangel an Inklusion erkennt, ist ein Schlüsselfaktor, um diverse Zielgruppen zu erreichen. Wie die Studie auch zeigt, können Unternehmen, die auf Diversität und Inklusivität in ihren Tech-Teams achten, von Innovations-, Umsatz- und Markenwertchancen profitieren.

Diversität: Führungskräfte müssen Wandel anstoßen

Diversität Capgemini
Christina Schehl ist Leiterin von frog, Capgemini Invent. (Bild: Capgemini)

„Der Wandel muss von den Führungskräften der Technologie-Teams ausgehen: Sie sind gefordert, die Kluft zwischen ihrer Wahrnehmung und der ihrer Mitarbeiter und Team-Mitglieder aus ethnischen Minderheiten zu überwinden. Dass Führungskräfte sich dazu auch mit unbequemen Wahrheiten auseinandersetzen, ist eine Grundvoraussetzung zur Entwicklung inklusiver Technologie“, erläutert Christina Schehl, Leiterin der Strategie-, Design- und Innovationseinheit frog von Capgemini Invent in Deutschland. „Der Druck auf globale Unternehmen, Inklusion zu verwirklichen, wächst. Verbraucher erwarten heute, dass Organisationen inklusive Produkte, Services und Technologien entwickeln. Fragen zur Inklusivität – wenn überhaupt – erst am Ende der Entwicklungszyklen zu stellen, ist zu spät und damit wenig zielführend. Das Risiko diskriminierender Technologien können Unternehmen nur senken, indem sie bereits in der Konzeptions- und Entwicklungsphase möglichst diverse Nutzergruppen beteiligen.“


Diversität und Inklusivität – im Technologiebereich unzureichend

Im Laufe der Pandemie gerieten die Unternehmen unter großen Druck, Tech-Talente, die ihren Anforderungen entsprechen, aus einem immer kleiner werdenden Kandidatenkreis zu rekrutieren. Dabei hat ihre Aufmerksamkeit für gute Diversitäts- und Inklusionspraktiken nachgelassen. So ist eine Kluft entstanden zwischen der Wahrnehmung der Führungskräfte, die ihre IT- und Tech-Teams als von Inklusivität geprägt sehen, und der Realität, wie Mitarbeiterinnen und Teammitglieder aus ethnischen Minderheiten sie erleben.

Gemäß der Studie sind 85 Prozent der Führungskräfte der Auffassung, dass ihre Unternehmen allen Mitarbeitenden faire Chancen zur Karriereentwicklung und Beförderung bieten. Aber nur 19 Prozent der Frauen und Beschäftigten aus ethnischen Minderheiten stimmen dem zu. Diese Diskrepanz trägt zu einem fortwährenden Defizit bei der Gleichstellung und Inklusion (Diversity Equity and Inclusion, DE&I) in allen Branchen bei, die Technologien für Endanwender bereitstellen. Die Führungskräfte glauben, dass Fortschritte gemacht werden, die Tech-Angestellten an der Basis aber sehen die Realität weiterhin kritisch. Die Kluft in der Wahrnehmung ist groß: 75 Prozent der Führungskräfte glauben, dass Frauen und Team-Mitglieder aus ethnischen Minderheiten in ihren Unternehmen ein Gefühl der Zugehörigkeit erleben, aber nur 24 Prozent dieser Mitarbeitenden in Tech-Positionen bestätigen dies.

Ethnische Minderheiten nicht ausreichend in Tech-Teams repräsentiert

53 Prozent der Frauen und Personen aus ethnischen Minderheiten fühlen sich wohl dabei, persönliche Erfahrungen mit Gleichrangigen und anderen Mitarbeitenden zu teilen, wohingegen nur neun Prozent von ihnen dasselbe Maß an Vertrauen gegenüber ihren Führungskräften haben. Nur 16 Prozent der Frauen und Angestellten aus ethnischen Minderheiten sehen sich in Tech-Teams ausreichend repräsentiert. Darüber hinaus ist in IT- bzw. Tech-Teams nur jede fünfte Person weiblich und jede sechste entstammt einer ethnischen Minderheit. Wenn es um Karrierechancen geht, zeigt sich für beide Gruppen eine Schieflage. Schwarze Team-Mitglieder im Tech-Bereich etwa denken mit großer Mehrheit nicht, dass sie gleichwertige Aufstiegsmöglichkeit erhalten. Nur 22 Prozent von ihnen halten dies für gegeben.

Diversität Capgemini
Frauen sind weltweit in Tech-Teams unterrepräsentiert. In Deutschland liegt ihr Anteil bei 23 Prozent. (Grafik: Capgemini Research Institute)

Bei Organisationen mit einer fortgeschritten inklusiven Kultur ist die Diskrepanz in der Einschätzung der Inklusionsprozesse und -maßnahmen zwischen Führungskräften auf der einen Seite und Frauen sowie Mitarbeitenden aus ethnischen Minderheiten in Tech-Funktionen auf der anderen Seite kleiner. Dies trifft auch hinsichtlich der Frage zu, ob Frauen und Mitarbeitende aus ethnischen Minderheiten den gleichen Zugang zu Personalressourcen, Mitarbeitergruppen und der HR-Abteilung haben wie andere Beschäftigte mit nicht-diversem Hintergrund.

Konsumenten bemerken technologiebasierte Diskriminierung

Diskriminierende Technologien begegnen Konsumenten aufgrund unzureichender Umsetzung von Diversität und Inklusivität in den Tech-Teams globaler Unternehmen. Im Bereich der Finanzdienstleistung beispielsweise glauben durchschnittlich 50 Prozent der Angehörigen ethnischer Minderheiten, dass ihnen online ein niedrigerer Kredit bei bestimmten Bankprodukten angeboten wurde – gegenüber nur 28 Prozent bei Personen ohne einen solchen Hintergrund.

Bei der Gesundheitsversorgung glauben 43 Prozent der Personen ethnischer Minderheitsgruppen, dass sie auf medizinische Versorgung in erstklassigen Einrichtungen nicht aufmerksam gemacht wurden. Dies schließt auch solche ein, die über sehr spezialisierte Leistungen verfügen. Infolgedessen sorgen Konsumenten sich über diskriminierende Technologien. Sie achten zunehmend darauf, wie ihre Daten verwendet werden und wie sich dies negativ auf sie auswirken könnte. So geben beispielsweise 66 Prozent der Verbraucher aus ethnischen Minoritäten an, darüber beunruhigt zu sein, dass ihre persönlichen Daten verwendet werden könnten, um ihre beruflichen Chancen zu beeinträchtigen.

Effektive Strategie für Diversität und Inklusion entwickeln

Die Studienautoren heben hervor, dass Organisationen mit diversen und inklusiven Tech-Teams mit viermal höherer Wahrscheinlichkeit inklusive Produkte hervorbringen. Unternehmen müssen daher eine effektive Inklusionsstrategie entwickeln, die über Aufklärung und Sensibilisierung auf den höchsten Führungsebenen hinausgeht, so die Studie. Sie sind gefordert, verschiedene Prozesse, Leitlinien und Wertesysteme zu Förderung von Inklusion einzusetzen. Dazu gehören Richtlinien zu Diversität und gegen Belästigung sowie ein klarer Inklusionsauftrag für Technologie-Teams. Führungskräfte müssen in diesem Bereich sicherstellen, dass Frauen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ethnischen Minderheiten Chancengleichheit bei Karriereentwicklung, Aufstieg und Einfluss auf die Produktentwicklung erhalten.

Zugleich müssen sie die technischen und datenbezogenen Grundlagen zur Messung, Überwachung und Verbesserung der Inklusionsergebnisse schaffen. Fairness gilt es auch bei der Überprüfung und Korrektur von algorithmischen Verzerrungen in KI-Systemen zu gewährleisten. Und schließlich sollten Unternehmen unterschiedliche Nutzer in den Mittelpunkt ihrer Prozesse für Design, Entwicklung und Einführung von Produkten stellen.

Zur Methodik der Studie: Das Capgemini Research Institute hat im Rahmen der Studie qualitative und quantitative Befragungen unter Führungskräften sowie Verbrauchern durchgeführt. Der Fokus lag bei den Umfragen sowie Fokusgruppendiskussionen und Tiefeninterviews auf den Erfahrungen von Frauen und Personen aus ethnischen Minderheiten. Ergänzt wurde die Umfrage durch andere Branchenexperten und Verbraucher. Von 500 Unternehmen ist jeweils ein Mitarbeiter aus dem Technologiebereich sowie eine Führungskraft befragt worden. Eine Verbraucherbefragung von 5.000 Personen diente dazu, die Perspektive der Endanwender zu erfassen. Hinzu kamen 32 Tiefeninterviews mit Experten aus Industrie und Wissenschaft, Think Tanks, Start-ups und anonymen Angestellten aus verschiedenen Organisationen. Die Befragten stammten aus Teams für Inklusion und Diversität, Tech- und KI-Teams, UX- und UI-Design-Teams oder waren KI-Ethik- und Universal-Design-Experten.

Definition von Diversität und Inklusivität entwickeln

Als Diversität in der Studie hat Capgemini das Vorhandensein von Unterschiedlichkeiten in einer bestimmten Umgebung oder Situation definiert. Im Kontext eines Tech-Teams oder des Arbeitsplatzes bezieht sich dies im Allgemeinen auf die Präsenz von Personen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund. Und zwar aufgrund ihrer Geschlechtsidentität, ethnischen Zugehörigkeit, ihres sozioökonomischen Status, ihrer sexuellen Orientierung, körperlichen bzw. geistigen Voraussetzungen oder ihre Lernstils.

Die Definition für eine inklusive Kultur umfasst gleiche Chancen, sich in der Organisation weiterzuentwickeln. Dazu gehören Trainings und Bewusstseinsbildung für integrative Führung, wirksame Beschwerdeprozesse bei genderbezogener, rassistischer und ethnischer Diskriminierung. Außerdem die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen mit Führungskräften und Gleichrangigen zu teilen. Eine inklusive Kultur beinhaltet zudem das Gefühl der Inklusivität, Zugehörigkeit und des Respekts seitens der Führungskräfte und Teams. (sg)

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