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Digitalisierung als Chance: Vorbehalte im Handel nehmen ab

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Besonders der Handel hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen und ist wie kaum eine andere Branche von Kurzarbeit betroffen. Eine aktuelle Umfrage von Star Finanz hat nun die Fortschritte des deutschen Mittelstands bei der Digitalisierung untersucht.
Digitalisierung

Quelle: Panuwat phimpha/shutterstock

  • Laut einer aktuellen Umfrage von Star Finanz sehen Handelsunternehmen in der Digitalisierung noch öfter eine Bedrohung als andere Branchen, doch die Vorbehalte nehmen im Vorjahresvergleich ab.
  • 53 Prozent der Handelsbetriebe erwarten in den kommenden fünf Jahren eine Veränderung des Geschäftsmodells, 48 Prozent glauben, dass Corona diese Entwicklung beschleunigen wird.
  • 61 Prozent der Unternehmen beklagen Umsatzrückgänge durch Corona, nur 17 Prozent spüren keine Auswirkungen.
  • 40 Prozent der Unternehmen wollen ergriffene Maßnahmen wie den Einsatz digitaler Tools auch nach der Krise beibehalten.

Die Umfrage, an der branchenübergreifend rund 7.500 Unternehmen teilgenommen haben, bescheinigt den Unternehmen eine positive Einstellung gegenüber der Digitalisierung. Demnach steigt sowohl der Anteil an Unternehmen, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen (im Vergleich zur Umfrage von 2019 von 77 auf 79 Prozent), als auch der Anteil derer, welche die digitale Transformation als Chance begreifen, von 83 auf 87 Prozent leicht an.

16 Prozent der Handelsunternehmen sehen in der digitalen Transformation eine Bedrohung, also öfter als andere Branchen, doch auch hier nehmen die Vorbehalte im Vorjahresvergleich leicht ab. Handelsbetriebe beschäftigen sich zudem häufiger mit Digitalisierung, hier verzeichnet die Umfrage einen Anstieg von 78 Prozent im Vorjahr auf 82 Prozent.

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79 Prozent der Handelsunternehmen beschäftigen sich mit dem Thema Digitalisierung. (Grafik: Star Finanz)

Digitalisierung: Umsatzrückgänge im Einzelhandel durch Corona-Pandemie

Die aktuelle Corona-Pandemie hinterlässt in puncto Digitalisierung deutliche Spuren: So glauben 48 Prozent der Handelsbetriebe, dass Corona die Entwicklung in Richtung Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells beschleunigen wird. 40 Prozent der befragten Unternehmen planen, die in der Corona-Krise ergriffenen Maßnahmen wie den verstärkten Einsatz digitaler Tools oder Möglichkeiten zum Home Office auch über die Krise hinaus beizubehalten.

Konkrete Auswirkungen zeigt die Corona-Krise bei Aufträgen und Umsätzen. Während Letztere branchenübergreifend regelrecht eingebrochen sind – 51 Prozent der befragten Unternehmen beklagen Rückgänge – stechen bei knapp einem Viertel der befragten Betriebe die fehlenden Aufträge hervor (22 Prozent). Erfreulich: Immerhin 31 Prozent gaben an, keinerlei Auswirkungen zu spüren. Der Handel ist dagegen stärker von der Pandemie betroffen. So blickt dieser zum einen auf stärkere Umsatzrückgänge (61 Prozent). Zum anderen geben die Unternehmen in geringerem Umfang an (17 Prozent), nicht von den jüngsten Entwicklungen betroffen zu sein.

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61 Prozent der Handelsunternehmen verzeichnen durch die Corona-Pandemie Umsatzrückgänge. (Grafik: Star Finanz)

Handelsbetriebe am stärksten von der Kurzarbeit betroffen

Interessant ist zudem ein Blick auf die Maßnahmen, die Unternehmen zur Eindämmung des Corona-Virus umgesetzt haben. In etwa gleich ausgeprägt sind hier der Ausbau von Homeoffice-Möglichkeiten (37 Prozent), Kurzarbeit (34 Prozent) oder der verstärkte Einsatz digitaler Tools (33 Prozent) zu nennen. Lediglich sechs Prozent der Unternehmen sahen sich genötigt, Mitarbeitern zu kündigen. Der Handel ist mit 44 Prozent am stärksten von Kurzarbeit betroffen. Homeoffice spielte im Handel mit 30 Prozent eine geringere Rolle als in vielen anderen Branchen.

Digitalisierungsängste nehmen mit zunehmender Unternehmensgröße ab

Sowohl für den Handel als auch für alle anderen untersuchten Branchen gilt: Umso größer die Unternehmen, desto positiver stehen sie der Digitalisierung gegenüber. Der Anteil der Unternehmen, die Digitalisierung als Chance wahrnehmen, steigt von 82 Prozent bei den Klein- und Kleinstbetrieben (bis 0,5 Millionen Euro Umsatz) auf 95 Prozent in der umsatzstärksten Gruppe (über 20 Millionen Euro Jahresumsatz). Auch die Bereitschaft, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, sinkt mit abnehmender Unternehmensgröße.

Von den 21 Prozent, die sich nicht damit auseinandersetzen, haben 65 Prozent der Betriebe weniger als zehn Mitarbeiter. In der Handelsbranche ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Während 69 Prozent der Kleinstbetriebe (bis zu neun Mitarbeiter) sagen, dass sie sich nicht mit Digitalisierung beschäftigen, sinkt der Anteil der Digitalisierungsmuffel ab einer Unternehmensgröße von 50 Mitarbeitern auf unter zwei Prozent.

Digitalisierung: Handelsunternehmen werden Geschäftsmodelle verändern

Wie im Vorjahr erwarten 46 Prozent der Unternehmen in den kommenden fünf Jahren eine Veränderung ihres Geschäftsmodells. Gleichzeitig leitet daraus weiterhin nur etwa jedes zehnte Unternehmen unmittelbaren Handlungsdruck ab – lediglich zwölf Prozent wollen diese Veränderung aktiv in die Hände nehmen und das eigene Modell in naher Zukunft anpassen. Der Handelssektor, der in den letzten Jahren wohl die umfassendste Disruption erlebt hat, geht als einzige der untersuchten Branchen überwiegend von einer Veränderung ihres Geschäftsmodells aus (53 Prozent).

Und wiederum ist es der Handel, der mit 15 Prozent Zustimmung Veränderungen des Geschäftsmodells vergleichsweise als am notwendigsten betrachtet. Die Digitalisierung bestehender Prozesse (69 Prozent) sowie Online-Marketing (56 Prozent) sind für den Handel die häufigsten Gründe für die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung. Die Analyse von Big Data ist immerhin schon für 15 Prozent der Unternehmen ein Thema, 5 Prozent setzen sich mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) auseinander.

Star Finanz Kastner
Dr. Christian Kastner ist Geschäftsführer der Star Finanz. (Bild: Star Finanz)

Dr. Christian Kastner, Geschäftsführer der Star Finanz, kommentiert die Ergebnisse: „Unternehmen der Handelsbranche nehmen die Auswirkungen der Digitalisierung bereits heute spürbar wahr. Dennoch setzt sich der Großteil noch selten mit den wirklich disruptiven Veränderungstreibern wie neuen Geschäftsmodellen, digitalen Produkten, Big Data oder künstlicher Intelligenz auseinander. Die Anpassung ihres Geschäftsmodells sollte aber weiterhin als Priorität verstanden werden, um langfristig erfolgreich am Markt agieren zu können.“

Zur Methodik der Umfrage: Die Star Finanz führte im Juni 2020 eine Online-Umfrage unter Einzelunternehmern, mittelständischen Firmen und Konzernen in ganz Deutschland durch. Ziel der Umfrage war es, Erkenntnisse zum Digitalisierungsgrad sowie zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf deutsche Unternehmen zu gewinnen. Insgesamt nahmen rund 7.500 Firmen an der Befragung teil, darunter 750 Betriebe, die sich der Handelsbranche zuordnen. Ein Großteil der Antwortgeber besetzt in den Unternehmen leitende Positionen. Über die Hälfte (57 Prozent) sind Inhaber oder Geschäftsführer, knapp ein Viertel (24 Prozent) leitende Angestellte.

Star Finanz, ein Unternehmen der Finanz Informatik, ist Anbieter von multibankenfähigen Online- und Mobile-Banking-Lösungen in Deutschland. Privatkunden, Mittelständlern und großen Unternehmen bietet die Star Finanz eine umfassende Palette an innovativen Finanzprodukten, darunter die Produktlinien StarMoney, StarMoney Deluxe, StarMoney für Mac und StarMoney Business sowie die Electronic-Banking-Software SFirm. Zum Leistungsspektrum gehören außerdem die Unterschriftenmappe, eine App zur mobilen Zahlungsfreigabe für Geschäftsleute mittels EBICS sowie das Finanzcockpit, eine High-Business-App für Firmenkunden. (sg)

Lesen Sie zur Digitalisierung des Einzelhandels auch: Worauf Händler jetzt Wert legen sollten

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