23.12.2022 – Kategorie: Digitale Transformation

Digital-Gipfel: Probleme des Mittelstands nicht angegangen

Der Digital-Gipfel der Bundesregierung am 8./9. Dezember 2022 hat beim Deutschen Mittelstands-Bund den Eindruck hinterlassen, dass er an den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vorbeiläuft. Die grundlegenden Probleme des Mittelstands bei der Digitalisierung seien weitestgehend ausgespart worden.

Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) ist überzeugt, dass der Digital-Gipfel der Bundesregierung die grundlegenden Probleme des Mittelstands bei der Digitalisierung nicht angegangen ist. Zudem vermisst der DMB eine selbstkritische Betrachtung der bisher erreichten Digitalisierungsergebnisse in Deutschland. „Digitalisierung betrifft uns alle. Aber leider hinterließ der diesjährige Digital-Gipfel den Eindruck, dass er in einer eigenen Blase stattfand“, sagt Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstands-Bund

„Die Großkonzerne und nicht die kleinen und mittleren Akteure, die tatsächlich Unterstützung bei der digitalen Transformation brauchen, standen im Fokus des Gipfels. Und auch thematisch wurde auf dem Digital-Gipfel eher an den Problemen der Bevölkerung und nicht zuletzt auch des Mittelstands vorbeigeredet. Obwohl KMU eine zentrale Rolle für den digitalen Wandel der deutschen Wirtschaft einnehmen.“

Digital-Gipfel setzt sich nicht mit Datennutzung auseinander

Als Beispiel dafür nennt Tenbieg die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Nutzung von Daten. „Wenn Daten die wertvollste Ressource der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung sind, muss sich die Politik in erster Linie damit beschäftigen, wie kleine und mittlere Unternehmen diese sicher, rentabel und praxisnah nutzen können. Datenökonomie wird die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts stärken – aber nur, wenn insbesondere auch KMU mit einbezogen werden. Wichtig wäre in diesem Zusammenhang gewesen, dass sich der Digital-Gipfel auch mit der Fachkräfteproblematik auseinandergesetzt hätte. Und wie gerade KMU ihre Nachfrage nach datenkompetenten Mitarbeitern decken können.“

DMB Marc Tenbieg
Marc S. Tenbieg ist geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstands-Bund. (Bild: Jochen Rolfes/DMB)

Verpasste Chance, den Mittelstand zu berücksichtigen

Generell vermisst Tenbieg eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem ersten Regierungsjahr der Ampelkoalition im Bereich Digitalisierung. „Bei einer ehrlichen Betrachtung des bisher politisch Geleisteten kann der Mittelstand nicht den Eindruck gewonnen haben, dass viel angeschoben wurde. Der Digital-Gipfel bot die Möglichkeit, ein Zeichen auch an kleine und mittlere Unternehmen zu senden, dass grundlegende Digitalisierungsprobleme angepackt werden. Der erhebliche Rückstand bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und wie man ihn aufholen will ist ein trauriges Beispiel für die immer noch analoge Welt, in der wir uns verwaltungstechnisch befinden. Am Ende muss man leider feststellen, dass die Chance verpasst wurde und erneut nur Versprechungen geblieben sind.“

Das Fazit von Tenbieg: „Nach diesen Eindrücken kann man nun nur darauf hoffen, dass die Bundesregierung die grundlegenden Belange des Mittelstands im kommenden Jahr stärker angeht. Wir brauchen 2023 mehr denn ja einen digitalen Neustart.“ Eine Hoffnung, die allerdings erneut einen großen Dämpfer erhält. Denn das eigentlich angekündigte Digitalbudget bleibt aus. Und somit fehlen die notwendigen Mittel für einen echten Aufbruch.

Der 1982 gegründete Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) e.V. mit Sitz in Düsseldorf ist der Bundesverband für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland. Unter dem Leitspruch „Wir machen uns für kleine und mittelständische Unternehmen stark!“ vertritt der DMB die Interessen von rund 25.000 Mitgliedsunternehmen mit über 500.000 Beschäftigten. Damit gehört der DMB mit seinem Netzwerk in Wirtschaft und Politik zu den größten unabhängigen Interessenverbänden in Deutschland. Der Verband ist politisches Sprachrohr und Dienstleister zugleich, unabhängig und leistungsstark. Der DMB deckt als Themenfelder Digitalisierung, Nachfolge, Finanzen, Internationalisierung, Energiewende und Arbeit & Bildung ab. (sg)

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Aufmacherbild: studio v-zwoelf – Adobe Stock


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