Desktop-Virtualisierung – warum Anbieter jetzt auf die Cloud setzen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Desktop-Virtualisierung – warum Anbieter jetzt auf die Cloud setzen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Neben dem beherrschenden Thema Coronavirus sind derzeit alle Kanäle geflutet mit Tipps für die Arbeit im Homeoffice. In dieser Lage beleuchtet Gastautor Hermann Ramacher von ADN die Hintergründe der technologischen Infrastruktur, die die Arbeit außerhalb des Unternehmens ermöglicht, nämlich die Desktop-Virtualisierung.
Desktop-Virtualisierung

Quelle: ADN

Auch wenn der Umstieg nicht jedem Unternehmen gleichermaßen leichtfällt geschweige denn möglich ist, hat die Cloud-Revolution dem dezentralen Arbeiten massiv Vorschub geleistet. Während sich das anfangs auf das Teilen von Dateien über Server beschränkte, laufen mittlerweile ganz selbstverständlich eine große Zahl der täglich genutzten Anwendungen in der Cloud. Als finale Abstraktionsstufe geht der Trend in Richtung vollständige Desktop-Virtualisierung, also Arbeitsplätze in der Cloud, die sich praktisch von jedem Gerät mit Internetverbindung nutzen lassen.

Einmal bildlich gesprochen: Wenn ich wollte, könnte ich mir heute das CAD-Modell eines Teilchenbeschleunigers mit mehreren 10.000 Teilen auf meinem Smartphone ansehen, die entsprechende Bandbreite vorausgesetzt. Ungeachtet des praktischen Nutzens dieses Beispiels verdeutlicht es die Entwicklungssprünge, die IT in erstaunlich kurzer Zeit durchläuft.

Desktop-Virtualisierung: Alte Bits in neuen Speichern

In der grauen Vorzeit des Computerzeitalters bei IBM in den 1960ern funktionierten die ersten sogenannten Mainframe-Computer nach einem ganz ähnlichen Prinzip wie virtuelle Desktops heutzutage. Während sich im Reinraum der nicht gerade platzsparende Mainframe befand, loggten sich die Nutzer in einem Nebenraum über Terminals auf dem System ein und teilten sich die Ressourcen. Das Personal Computing brachte eine Revolution mit sich und verlagerte die Rechenkapazitäten aus raumfüllenden Rechnerschränken unter die Schreibtische, was ganz neue Probleme mit sich brachte.

Unternehmen mussten so eine Vielzahl an Geräten managen, die alle gewartet und aktualisiert werden mussten. Die Vernetzung von Computern und die Entwicklung von Server-Architekturen als zentrale Knotenpunkte in den Netzwerken vereinfachte dieses Problem wieder etwas. Doch selbst heute sieht es in den allermeisten Unternehmen trotz Cloud-Computing nicht wirklich anders aus.

Laufen zum Beispiel das ERP-System oder produktionskritische Workloads selbstverständlich in einer Form von Cloud – ob Public, Private, Hybrid oder Multi –, so sind die Endpunkte aus Sicht der IT-Abteilungen ein unübersichtliches Chaos. Auch wenn das in Zeiten von BYOD mehr oder weniger akzeptiert wird, bringt es zwei maßgebliche Nachteile mit sich: Erstens ist die Verwaltung dieses Geräte-Dschungels aufwändig und somit teuer und zweitens ergeben sich zahlreiche Sicherheitsrisiken.

Mit Desktop-Virtualisierung schließt sich der Kreis

Natürlich hat es in der Zwischenzeit viele verschiedene Ansätze zur Desktop-Virtualisierung gegeben, einschneidend war jedoch das Aufkommen der Virtual Desktop Infrastructure (VDI) Mitte der 2010er Jahre. Im Gegensatz zum Großteil der vorherigen Lösungen setzt VDI komplett auf das Outsourcing der Rechenleistung, was den Endpunkt – sprich das Gerät, mit dem auf den Desktop zugegriffen wird – vollständig entlastet. Die beiden oben genannten Nachteile lassen sich so praktisch restlos eliminieren. Die Nutzer haben nach wie vor die Freiheit, das Gerät ihrer Wahl zu nutzen, aber alle Ressourcen, Anwendungen und Dateien können wieder zentral gemanagt werden. Alles bleibt aktuell und innerhalb des gesicherten Unternehmensnetzwerks.

Unternehmen können so beispielsweise Hardware länger einsetzen – ein Gewinn für die Unternehmens- und Umweltbilanz. Neuinvestitionen fallen um ein Vielfaches geringer aus, da Endgeräte quasi kaum Leistung benötigen. Auch lassen sich Legacy-Applikationen so wesentlich einfacher und sicherer weiterbetreiben, wodurch der Kostenfaktor eines möglichen Refactorings oder einer Migration abgefedert wird. Derzeit vollzieht sich der nächste konsequente Schritt: VDI aus der Cloud. Natürlich sind virtuelle Maschinen in der Cloud nicht etwas wirklich Neues. Neu aber ist, dass die großen Hyperscaler auf den Plan treten und sich des Themas VDI annehmen.

Desktop-Virtualisierung: Neuer Markt für die Cloud-Provider

Ob AWS, Google oder Microsoft, alle stehen in den Startlöchern, den entstehenden Markt für sich zu erobern. Einen großen Vorsprung hat dabei Microsoft mit Windows Virtual Desktop. Wer auch nur ansatzweise die Diskussion im Umfeld von Konferenzen wie der Microsoft Ignite oder Igel Disrupt verfolgt hat, muss das große Interesse rund um das Thema wahrgenommen haben. Wenn die Vorteile von VDI auch länger auf der Hand lagen, war die Umsetzung aufgrund der technischen Herausforderungen und des Kostenfaktors für viele Unternehmen keine rentable Option.

Nun, da die großen Cloud-Provider sich des Themas annehmen, gibt es mit Windows Virtual Desktop (WVD) Angebote, die durch ein äußerst attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen. Bereits jetzt nutzt eine fünfstellige Zahl von Unternehmen den WVD-Ansatz. Dabei reicht das Nutzerprofil von kleinen und mittelständischen Unternehmen mit zehn bis 20 Nutzern bis hin zu großen Konzernen.

Prognosen gehen davon aus, dass der Markt insgesamt stark wachsen wird, durch eine große Nachfrage seitens Versicherungen, des Gesundheitswesens oder auch des öffentlichen Sektors. Aber wie bereits angedeutet ist auch bei KMU das Interesse groß, da WVD ihnen eine wirklich skalierbare IT-Infrastruktur als kompletten Managed Service bietet.

Deep Dive zu Microsoft Windows Virtual Desktop

Neben den zahlreichen genannten Vorteilen stellt WVD weit mehr als bloßes VDI aus der Cloud dar. Nahezu alle Firmen nutzen für ihr Identitätsmanagement eine Form von Active Directory. Windows Virtual Desktop nutzt das Azure AD, das die Verwaltung von Nutzern und Sicherheitsgruppen noch einmal wesentlich vereinfacht.

Ein weiterer großer Pluspunkt in Sachen Kosten und Skalierbarkeit ist Windows 10 Multisession, das erste echte Multi-Client-Windows. Wer auf diesem Gebiet bewandert ist, weiß: Wollte man früher eine Multi-Client-Windows-Lösung realisieren, war man auf Windows Server angewiesen, was eine Vielzahl von Problemen mit sich brachte.

Windows 10 Multisession ermöglicht parallelen Betrieb

Viele Applikationen lassen sich schlichtweg nicht auf einem Server-OS installieren oder man muss ihnen vorgaukeln, sie liefen auf einem normalen Windows-Klienten. Windows 10 Multisession macht den parallelen Betrieb mehrerer regulärer Windows-Sitzungen möglich und Unternehmen profitieren von einem vorteilhaften Lizenzierungsmodell. Auch für Windows-7-Nutzer gibt es einen Silberstreifen mit WVD: Wer auf Windows 7 (noch) nicht verzichten kann, der erhält bei einer Migration auf WVD für die nächsten drei Jahre kostenfrei weiterhin alle Sicherheitsupdates.

Zudem wurde viel an der Optimierung des Nutzererlebnisses von Office 365 innerhalb von Windows Virtual Desktop getüftelt. Da im Prinzip jede Anmeldung bei WVD wie die erste Anmeldung auf dem System wäre, würde das Öffnen von Outlook bei sehr großen Postfächern aufgrund des fehlenden Caches eine halbe Ewigkeit dauern, was elegant durch die Speicherung des Nutzerprofils auf einem SMB gelöst wurde. Diese und weitere technischen Verbesserungen verdankt das Produkt dem Aufkauf von FSLogix durch

Microsoft. Über eine weitere Entwicklung von FSLogix ist es beispielsweise möglich, Applikationen ohne Installation zur Verfügung zu stellen, sodass diese stets aktuell von einem Speicherort aus bei jeder Anmeldung geladen werden können, als ob sie tatsächlich auf dem System installiert wären.

Desktop-Virtualisierung – das Ende des realen Desktops?

Wer denkt, Citrix und andere Anbieter würden jetzt durch die Lösung von Microsoft verdrängt werden, hat weit gefehlt. Von Anfang an war Citrix in das WVD-Projekt involviert und kann mit seinen eigenen Lösungen auf WVD aufbauen und dadurch zusätzliche Mehrwerte anbieten. Ich gehe davon aus, dass VDI in fünf bis zehn Jahren quasi in allen Organisationen eine Rolle spielen wird.

Schon jetzt beobachten wir, dass Unternehmen ihre Rechenzentren an Microsoft verkaufen und diese dann zu neuen Azure-Regionen werden. Sie realisieren, dass das Betreiben eines Rechenzentrums schlichtweg nicht zu ihren Kernkompetenzen gehört und wenig zu ihrem Geschäftserfolg beiträgt, während Hyperscaler diese Aufgabe wesentlich besser und kostengünstiger übernehmen können. Vorstellbar ist, dass langfristig alle Desktops in die Cloud gehen – warum, habe ich oben aufgezeigt.

Die Vendor-Landschaft wird sich dabei in Zukunft nicht wesentlich von der heutigen unterscheiden, mit dem Unterschied, dass Microsoft und andere die grundlegende Infrastruktur bereitstellen, auf die das Partner-Ökosystem seine VDI-Angebote aufbaut. So profitieren alle von der Zukunftsfähigkeit von Clouds wie Azure, während sie auf einen breiten und ständig evolvierenden Technologie-Stack zugreifen können.

Über den Autor: Dipl.-Oec. Hermann Ramacher ist Geschäftsführer der Advanced Digital Network Distribution GmbH (ADN) in Bochum. ADN unterstützt IT-Reseller mit einem breiten Portfolio von Homeoffice-Lösungen.

Lesen Sie auch: Desktop-as-a-Service: 6 wichtige Trends rund um End-User-Computing 2020

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
1 Kommentar
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Holgerator
Holgerator
29. April 2020 4:53

Ist eine nette Theorie, Entscheident werden jedoch Lizenzkosten sein. In den Meisten Fällen sind höhere Hardwarekosten das definitiv geringere Übel. In den mir bekannten Fällen lief es bislang darauf hinaus, keep it (cheap&)simpel. Jedes Endgerät benötigt ohnhin ein Betriebssystem um eine Funktionalität für den Connect zu erlangen. Ebenso halte ich Laborbedingungen mit den man das alles wegdiskutieren könnte, in der Praxis (voll native properitäre Landschaften) über einen Zeitliche terminus hinaus in der Praxis so unrealistisch dass mir das wie die Illusion eines Luftschlosses vorkommt da man dadurch keine Flexiblität mehr hätte und an wenige Hersteller was wieder in hohen Konsten… Weiterlesen »

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Wie schnell und konsequent mittelständische Unternehmen in Deutschland digitalisieren, hängt vor allem von ihrer Größe sowie Branche und Standort ab. Gemeinsam ist ihnen, dass sie höhere Investitionen und mehr Know-how benötigen. Thomas Timm von Teradata gibt Tipps, wie Mittelständler zu Digital Champions werden.
Werbung

Top Jobs

Data Visualization App/BI Developer (m/f/d)
Simon-Kucher & Partners, Germany/Bonn or Cologne
› weitere Top Jobs
Werbung

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Werbung
Werbung

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0

So führen Sie Ihr Unternehmen erfolgreich in die digitale Zukunft

Mehr erfahren

Wir wollen immer besser werden!

Deshalb fragen wir SIE, was Sie wollen!

Nehmen Sie an unserer Umfrage teil, und helfen Sie uns noch besser zu werden!

zur Umfrage

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

* Jederzeit kündbar

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.