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Der transparente Mensch – Fluch und Segen der Funktechnologie RFID

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Die Einsatzmöglichkeiten der Funktechnologie RFID nähren die Vision einer digitalen Vernetzung aller Warenströme, aber sie bergen auch Gefahren. In der privatisierten Rhön-Klinik Marburg hat die Krankenhausleitung die Kleidung der Mitarbeiter heimlich mit elektrischen Chips ausgestattet, so ein Bericht der Frankfurter Rundschau. Die Mitarbeiter entdeckten den Transponder durch Zufall. „Diese Chips bieten eine Vielzahl von technischen Überwachungsmöglichkeiten“, kommentiert der Betriebsrat den Vorfall. Pressesprecher Frank Steibli gibt Entwarnung und versichert der Belegschaft: „Es können technisch keine Bewegungsabläufe von Mitarbeitern erstellt werden“. Der Transponder diene lediglich dazu, die Organisation der Wäscherei zu verbessern.

Das wirtschaftliche und politische Interesse an den Einsatzmöglichkeiten der Funktechnologie RFID (Radio Frequency Identification) wächst seit Jahren kontinuierlich. Elektro-Chips, so genannte Transponder, werden dabei unsichtbar an Produktverpackungen angebracht und speichern alle Daten rund um Herkunft und Vertriebsweg von Waren. Lesegeräte können diese Daten berührungslos und ohne Sichtkontakt über mehrere Meter auslesen. Besonders der Handel investiert verstärkt in dieses Auto-ID-System, um die steigende Nachfrage durch effizientere Geschäftsprozesse besser bewältigen zu können. Es ergeben sich Vorteile in der Diebstahlsicherung, der Warenlogistik sowie bei Anlieferung und Disposition. Auch in der Pharmazie gewinnt RFID an Bedeutung. In erster Linie sollen mit einem Funkchip gekennzeichnete Arzneimittel besser vor Fälschungen geschützt werden. Laut einem Bericht des Online-Magazins Apotheke Adhoc will der indische Hersteller Sun Pharmaceuticals künftig alle neuen Zulassungen mit RFID sichern.

Die Vision ist die digitale Vernetzung aller Warenströme: Zu jeder Zeit und an jedem Ort stehen alle relevanten Daten zu jedem individuellen Objekt zur Verfügung. Auf die Frage, welchen primären Nutzen RFID-Tags gegenüber Barcodes bieten, antwortet Claudio Montanari, CEI der Montanari Engineering Constructions, in einer Presseerklärung: „Die größ;ten Vorteile sind zweifelsohne Benutzerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit und hohe Haltbarkeit. RFID-Tags können aus weiter Entfernung gelesen werden, ohne dass dabei ein direkter Kontakt mit dem Objekt zu bestehen hat. RFID-Tags ermöglichen somit eine zuverlässige Automatisierung, während Barcodes besser für das manuelle Scannen geeignet sind.“

Vielfach wird die Technologie als Nachfolger des klassischen Barcodes gehandelt. Wolf-Rüdiger Hansen, Geschäftsführer des Industrieverbandes der Anbieter automatischer Identifikationstechniken (AIM) relativiert den RFID-Hype im Gespräch mit MM-Logistik: „Die heiß;e Phase der Diskussion um RFID war gekennzeichnet durch den Aufbau übersteigerter Erwartungen. Diese wurden besonders von der Projektion des weltweiten Handelssektors gefüttert, dessen Experten in den Jahren 2003 bis 2006 vorhersagten, dass bald alle Artikel im Supermarkt sowie alle Behälter und Pakete in der Handelslogistik mit RFID-Etiketten ausgestattet sein würden“. Heute hätten sich viele Erwartungen an RFID-Lösungen in den Bereich der Fiktion verabschiedet. RFID sei zwar nicht mehr wegzudenken, doch der fast schon totgesagte Barcode erfreue sich nach wie vor größ;ter Beliebtheit unter den Anwendern.

Technologiehersteller berücksichtigen daher stets beide Technologien. So auch Bizerba aus Balingen: „Wir haben einen RFID-Schreibeinheit in unsere Etikettendrucker integriert. Dadurch ist es ohne erhöhten Platzbedarf möglich, gleichzeitig Transponder zu beschreiben und Daten auf das Etikett zu drucken – beispielsweise den Barcode. Trotz dieser Mehrfachnutzung ist nur eine Schnittstelle zum Gerät notwendig. Dieses Konzept ermöglicht Unternehmen den einfachen Umstieg auf die RFID-Technologie und die gezielte Gradwanderung zwischen Tradition und Moderne“, erklärt Dieter Conzelmann, Director Industry Solutions Market bei Bizerba.

Nicht wegzudenken in der Diskussion um RFID sind zudem die kritischen Stimmen der Verbraucherschützer. Bereits im Jahr 2001 initiierte der Bielefelder Künstler Padeluun die Initiative „Stop RFID“. Im Gespräch mit Spiegel Online sagte er: „Wenn ein flächendeckendes Netz entsteht, wenn die Lesegeräte, die Chips überall auftauchen, in Schuhe eingebaut sind, in Jacken eingewebt, im Autoschlüssel ein RFID-Chip steckt, dann wird es schlimm. Je mehr Datenbanken über Menschen entstehen, desto leichter kann darauf zugegriffen werden, desto transparenter werden Menschen und desto feiger werden sie sich verhalten.“

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