Cloud Security: Unternehmen fehlt es an Risikobewusstsein

Unternehmen verlagern verstärkt selbst strategisch wichtige Daten in die Cloud. Vor allem Anwendungen der Public Cloud stellen andere Anforderungen an die IT-Sicherheit als On-Premise-Systeme. Dennoch offenbaren Studien der Cloud Security Alliance (CSA) und von Skyhigh Networks, einem Anbieter von Cloud-Access-Security-Broker(CASB)-Technologie, dass die wenigsten Unternehmen umfassende Cloud-Security-Programme implementiert haben.

Auch fehlt den Firmen ein angemessenes Risikobewusstsein. So haben erst rund 60 Prozent der Unternehmen einen Chief Information Security Officer (CISO) berufen und damit Compliance, Datensicherheit und Datenschutz organisatorisch verankert.

Obwohl sich das Aufgabenspektrum eines CISO kontinuierlich wandelt, stehen vor allem die Definition von Sicherheitsrichtlinien, die Kontrolle der rechtlichen Compliance sowie die Verbesserung der Datensicherheit in dessen Verantwortung. Die CSA-Umfrage "The Cloud Balancing Act for IT: Between Promise and Peril" zeigt, wie stark sich eine solche Position auf Management-Ebene auf das Gefahrenbewusstsein eines Unternehmens auswirkt. So haben gerade einmal 20 Prozent der Unternehmen ohne CISO einen umfassenden Maßnahmenkatalog definiert, wie auf einen Datenverlust reagiert werden soll. Bei den Firmen mit CISO sind es immerhin rund 54 Prozent. Unternehmen mit CISO nehmen die Gefahr eines Datenverlustes ernster und ergreifen häufiger Vorkehrungen. Beispielsweise haben sich knapp 30 Prozent der Firmen mit CISO gegen die Folgekosten eines Datenverlustes versichert – im Vergleich zu 17 Prozent der Unternehmen ohne CISO.


Passwörter alleine bieten kaum Schutz

Das größte Risiko für die Cloud Security sind sogenannte Insider-Vorfälle, also vorsätzliche Datendiebstähle oder Fahrlässigkeiten, die solche Diebstähle begünstigen. Laut der Studie "Cloud Adoption & Risk Report Q4 2015" von Skyhigh Networks erfährt ein Unternehmen im Durchschnitt jeden Monat 9,3 potenzielle Insider-Vorfälle – in nahezu 90 Prozent der Unternehmen kommt es also monatlich zu mindestens einem Vorfall.
Die gravierendsten Folgen haben Datendiebstähle oder -verluste von sogenannten privilegierten Anwendern, beispielweise Administratoren mit weitreichenden Zugriffsrechten. Solche Vorfälle treten im Schnitt 2,8 Mal im Monat auf. Zudem zeigen andere aktuelle Studien, dass in Deutschland rund 20 Prozent der Angestellten bereit sind, ihre Büropasswörter zu verkaufen – und dabei dem internationalen Durchschnitt entsprechen.
Unternehmen mit einem CISO stehen vergleichsweise häufiger ausreichende Mittel zur Verfügung, um neue Sicherheitstechnologien zu implementieren. Dazu zählen vor allem Lösungen, die verdächtigtes Mitarbeiterverhalten automatisch erkennen und kennzeichnen. Zudem haben solche Firmen häufiger eine interne Strategie, wie derartige Warnhinweise genutzt werden können, definiert und implementiert.


Mitarbeiter für Gefahr sensibilisieren

Die meisten Insider-Vorfälle resultieren jedoch aus Nachlässigkeit oder Unwissenheit der Mitarbeiter. So enthalten beispielsweise rund 16 Prozent der Dokumente, die in Cloud-Storage-Diensten gespeichert werden, sensible Informationen. Durch falsch definierte Zugriffsberechtigungen stehen einige Dokumente sogar der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Ohne ausreichende Kenntnisse über Sicherheitsstandards und -mechanismen sind die Mitarbeiter das schwächste Glied in der Datensicherheitskette eines Unternehmens. Informationskampagnen und Schulungen können dem entgegenwirken. Je stringenter ein Training-Programm organisiert ist, desto bessere Ergebnisse lassen sich erzielen.


Folgekosten von Datenverlusten steigen

Unternehmen sollten sich mit der Verpflichtung eines CISO sowie dem Implementieren eines umfassenden Cloud-Security-Programms beeilen. So nehmen nicht nur die Anzahl der Cyber-Angriffe zu, sondern auch die Folgekosten eines Datenverlustes. Die durchschnittlichen Kosten werden auf 3,8 Millionen US-Dollar geschätzt – ein Anstieg von 23 Prozent seit 2013. So musste beispielweise der US-Einzelhändler Target für den Verlust von Kreditkarteninformationen im Jahr 2013 Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt 252 Millionen US-Dollar leisten. Daraufhin ernannte das Unternehmen im Jahr 2014 seinen ersten CISO.

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