Berghof-Systeme: Unternehmen schneller, wirtschaftlicher und effizienter arbeiten lassen

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Berghof-Systeme: Unternehmen schneller, wirtschaftlicher und effizienter arbeiten lassen

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2017 jährte sich die Firmengründung der Berghof Systeme zum 25ten Mal. Wir führen ein Interview mit Steffen Berghof, Gründer und Geschäftsführer der Berghof Group.
Berghof-Systeme Steffen Berghof Jubiläum

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Herr Berghof, 27 Jahre Berghof-Systeme sind eine großartige Leistung. 

Steffen Berghof: Von der Gründung 1992 und dem Einsatz eines ersten Prognosemoduls in einem Großunternehmen 1994 über die Entstehung unserer ersten Adaptive-Lösungen und die vielgestaltigen Kooperationen mit wissenschaftlichen Instituten und Hochschulen bis zur Gründung der Berghof-Systeme USA Inc. und der Entwicklung der neuesten Softwaretools zu den Themen Echtzeit, Grob- und Feinplanung war es ein langer, oft beschwerlicher, aber vor allem erfolgreicher Weg. Das zeigt aber auch, dass in Königsee ein Unternehmen gewachsen ist, das sich mit Tradition und regionaler Verbundenheit vor allem als ein High-Tech-Unternehmen der Softwarebranche und erfolgreicher Pionier der ERP-Systeme versteht.

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Seit einiger Zeit ist Berghof als aktives Mitglied in den neuen Campusfeldern des FIR (Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V.) an der RWTH Aachen immatrikuliert. Vom FIR heißt es dazu: „Bei der Zusammenarbeit mit dem Center Enterprise Resource Planning (CERP) stehen zukunftsweisende Technologien zur Echtzeitdatenanalyse und digitalen Regelungstechnik im Mittelpunkt des Forschungsprogramms. Die Berghof Group wird die CERP-Forschungsprojekte mit ihrer großen Erfahrung auf dem Gebiet der Regelungstechnik bereichern.“ Was ist Ihnen an diesem Engagement wichtig? 

„Wir wollen die Fragen der Produktionsregelung salonfähig machen!“

Steffen Berghof: Wir wollen etwas bewegen. Aachen hat uns geradezu umworben und wollte mit uns zusammenarbeiten, um gemeinsam zu versuchen, die Methoden, die wir entwickeln, zu standardisieren. Berghof-Systeme ist vor allem im Praxisbezug sehr weit in der Entwicklung fortgeschritten und unser Fokus in Aachen ist es, die Fragen der Produktionsregelung salonfähig zu machen beziehungsweise zu standardisieren und diesen Standard dann nach außen zu tragen und zu verbreiten. Wir erhoffen uns also vom FIR, dass die Hochschule via Lehre unsere Definitionen verifiziert, übernimmt und verbreitet. Das würde bedeuten, dass unser Sprachgebrauch der Produktionsregelung allgemein anerkannt wird – nun ja, und das hätte dann wieder positive Auswirkungen für unser Marketing. 

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Und worum geht es genau in Aachen?

Steffen Berghof: Eine der Botschaften von Professor Schuh auf den 24. Aachener ERP-Tagen lautete: „Für den Unternehmenserfolg ist es wichtig, schneller zu lernen als andere“ und: „Um die Digitale Transformation erfolgreich zu vollziehen, müssen die wesentlichen Stellhebel identifiziert werden.“ Und ich erkläre immer: Es ist ja schön und gut, was wir alles stundenlang ausrechnen, dass wir zum Beispiel eine Reihenfolge aufstellen. So werden auch viele Sachen automatisch besser. Es gibt nun aber auch ein extrem großes Fehlerpotenzial im System, das behoben werden muss, damit das System mehr Luft zum Atmen bekommt. Die erwähnten Stellhebel – etwa die größten Engpässe im Unternehmen – muss man identifizieren, um die Restriktionen zu beseitigen. Diese Stellhebel finden wir in einer Impact Analyse. Das Problem ist dann allerdings oft, dass sich – wenn man einen kritischen Weg gefunden hat – ein weiterer kritischer Weg auftut. Und damit springen viele Unternehmen von einem Problemfeld zum nächsten. Impact Analysen bewirken, dass man eine rote Linie findet, die zum eigentlichen kritischen Punkt führt und damit eine optimale Bearbeitungsreihenfolge der kritischen Elemente ermöglicht. 

Berghof-Systeme Steffen BerghofQuelle: Berghof Group GmbH
Berghof-Inhaber Steffen Berghof triumphiert auch gerne im sportlichen Bereich.

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Arbeiten Sie schon so in der Praxis?

Steffen Berghof: Aber ja! Bei unseren Kunden Liebherr und Läpple hat das eine große Bedeutung. Dort ist zwischen Regelung und Simulation die Impact Analyse eingeschoben. In der Regelung wird automatisch etwas für den Shop-floor errechnet. In der Impact Analyse steckt nun das Verbesserungspotenzial, durch das via Simulation in der Regelung immer exakter und effektiver gerechnet werden kann. Durch die Simulation wird die Regelung adaptiv, man kann automatisch mehr und besser regeln. Wenn wir darüber hinaus von künstlicher Intelligenz sprechen, meinen wir eine Software, die auf der Impact Analyse sitzt. Hat diese Software festgestellt, dass der Eingriff etwas gebracht hat, kann dieser Eingriff in den Automatismus der Regelung integriert werden. Aus dem Digitalen Schatten erkennen wir, was er gemacht hat und mit der künstlichen Intelligenz lernen wir neue Zusammenhänge kennen, die zuvor nicht erkennbar waren. 

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Was verstehen Sie unter dem digitalen Schatten?

Steffen Berghof: Nun, das ist nichts anderes als ein eingefrorener Zustand des ERP-Systems in komprimierter Form, also praktisch die Verdichtung auf das Wesentliche. Das Neue und Besondere ist, dass im Digitalen Schatten alle aus unserer Sicht wesentlichen Daten für die Produktionssteuerung in kompakten, auswertungsfähigen Tabellen vorliegen. So erhält man die wesentlichen Zustände des ERP-Systems zu jedem Zeitpunkt. Natürlich lässt sich der komprimierte Ist-Zustand analysieren, an andere Systeme weitergeben oder mit anderen Systemen auswerten. 

Berghof-Systeme über den digitalen Schatten und digitale Zwillinge

Ein ERP-System zu verdichten, abzulegen und zu historisieren, ohne groß etwas zu ändern, das ist für uns der digitale Schatten. Er ist für uns die Anfangsbedingung, von der aus man eine Simulation mit unterschiedlichen neuen Bedingungen – etwa begrenzten Kapazitäten – durchführen und so die künftigen digitalen Schatten auf der Zeitachse berechnen kann. Wir übernehmen dabei die Arbeit des ERP-Programms und simulieren, wie es reagieren würde, ohne es dabei zu benutzen. Die entstehenden neuen Zustände auf der Zeitachse nennen wir digitale Zwillinge. So führen wir beispielsweise auch aussagekräftige Potenzialanalysen durch.

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Das kann Berghof-Systeme also als Tool oder Funktion zur Verfügung stellen?

Steffen Berghof: Genau! Wir haben da Dienste gebaut, die ziehen aus dem ERP-System die Daten, verdichten sie und legen sie zentral in der Datenbank ab. Diese Momentaufnahmen lassen sich dann in Zeitreihen historisieren und mit künstlicher Intelligenz auswerten. So kann man in der Impact Analyse sagen, wir hatten in der Vergangenheit dieses und jenes Problem und das haben wir auf diese und jene Art gelöst und so fundierte Entscheidungshilfen für das Management geben. Lässt man die Historisierung weg, hat man ganz einfach das Konglomerat eines Zustands. Wenn ich alle diese Daten vorverdichtet in eine Tabelle bringe, muss man sie später nicht mehr zusammensuchen bzw. berechnen, sondern sie sind schon konzentriert vorhanden, etwa die Verfügbarkeit aller Teile. Der Zeitgewinn ist enorm. 

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Und die Kooperation mit der TU Ilmenau und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum dreht sich worum?

Steffen Berghof: Den Mittelstand durch Vernetzung zu stärken. Wir müssen uns als Thüringer anders aufstellen, wenn wir mit den alten Bundesländern mithalten wollen. 90 Prozent unserer Unternehmen haben weniger als 10 Mitarbeiter, aber diese Unternehmen erwirtschaften 90 Prozent der Umsätze. Gemeinsam mit der TU Ilmenau arbeiten wir im Rahmen eines Forschungsprojekts des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Ilmenau mit unserem Praxispartner NOBLEX GmbH daran, durch Auflösung von Engpässen vorhandene Kapazitäten effizient auszulasten und eine hohe Liefertreue zu erreichen. Dabei haben wir Rieseneffekte erzielt, die wir in Vorträgen beispielsweise auf Regionalkonferenzen vorstellten. Daraus ist unter anderem das Förderprojekt AgiPro entstanden, das inzwischen vom Wirtschaftsministerium und Landtag unterstützt wird. AgiPro steht für „Agile deckungsbeitragsorientierte Produktion in vernetzten KMUs“. 

Dabei geht es vor allem um Kapazitäts-Sharing. Soll heißen: Bevor man in eine Engpass-Situation kommt, nutzt man die Ressourcen seiner Partner. Und in Abhängigkeit von der Lieferzeit wollen wir so dynamische Preise generieren. Wenn es uns gelingt, in einem Netzwerk zu arbeiten und der eine gibt dem anderen ein langfristiges Forecast, dann entwickeln wir – die TU Ilmenau und Berghof-Systeme zusammen mit Noblex – mathematische Modelle dafür, dass beispielsweise in Abhängigkeit vom Vorschau-Horizont und von dessen Güte, die Preise in Echtzeit berechnet werden. Die Grundidee dieser Netzwerkproblematik ist die, dass man beim Schaffen von langfristigen Rahmenbedingungen zu besseren Deckungsbeiträgen kommt. Das ist die Grundlage des Forschungsprojekts. Das Ergebnis ist klar: Komme in keine Überlastsituation, sondern gib lieber jemand anderem deine Aufgaben ab, dann ergeben sich bessere Deckungsbeiträge. Durch das Kapazitäts-Sharing lassen sich zudem auch neue Aufträge zur Reduktion von Leerkosten im Sinn von langfristigen Füllaufträgen finden.

Berghof-Systeme: Große Aufträge zusammen meistern

Zusätzlich bedeutet der Zusammenschluss der KMUs in großen Netzwerken größere Flexibilität in der Region. Mehrere Unternehmen haben bei kurzfristigem Bedarf im Verbund höhere Produktionskapazitäten als ein einzelnes. Die Höhen und Tiefen, die kurzfristige Planungsänderungen bei der Ressourcenauslastung der Produktionsbereiche hervorrufen, werden so abgefedert und große Aufträge müssen nicht abgelehnt, sondern können gemeinsam gemeistert werden. 

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Das hat garantiert Auswirkungen, über die wir nach Projektende berichten müssen. Gibt es noch mehr Themen in der Berghof-Welt?

Steffen Berghof: Für uns geht es immer Richtung Standardisierung und schnelles Rechnen. Bei den ganzen Industrie-4.0-Arien stehen Echtzeit-Berechnung und Echtzeit-Eingriff im absoluten Fokus, auch wenn es sich um langfristige Planungen handelt. Bei uns sind die Themen rund um die gestufte Planung und der Kampf um die Echtzeit das Wichtige. Funktional ist nämlich meist alles ok, allerdings wollen die Anwender nicht vier Stunden oder länger auf Rechnerläufe warten. Dadurch müssen wir immer mehr Daten bearbeiten, weswegen auch die Fragen nach der Performance und den schon erwähnten Stellhebeln ganz oben stehen. Daher setzen wir verstärkt auf Impact Analysen und Datenverdichtung, was uns wieder zum Digitalen Schatten führt. Vor drei, vier Jahren konnten wir das alles noch gar nicht rechnen, der Tag war nicht lang genug. Heute sind wir so weit, dass etwa bei unserem Kunden Liebherr das, was man früher mit vielen CPUs in 35 Stunden errechnete, heute ein User beziehungsweise eine CPU mit neuen Modellen und Softwarekomponenten in knapp einer Stunde rechnet. Erreicht haben wir das, in dem wir die großen mathematischen Aufgaben automatisch in viele kleine zerlegten, auf viele Clients verteilten und sie parallel berechnen ließen. Und was wir früher – etwa beim Digitalen Schatten – in acht Stunden gespeichert haben, ist heute in zehn Minuten fertig. 

DIGITAL BUSINESS CLOUD: Wie heißt es in Goethes Faust II: „Das Was bedenke, [doch] mehr bedenke Wie?“ Das scheint mir die Berghof-Gruppe und ihren Motor, Macher und Leiter Steffen Berghof gut zu beschreiben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch weiterhin Ideen, Inspirationen, intelligente Wegbegleiter und viel Erfolg.

Über die Berghof Group und Berghof-Systeme:

Berghof Systeme wurde 1992 in Königsee/Thüringen, gegründet. Der Firmensitz in Königsee bildet das Stammhaus der Firmengruppe mit Landesgesellschaften in Deutschland, Österreich, Tschechien und den USA. Das Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 40 Mitarbeiter, die am Standort Königsee sowie in Österreich, Tschechien und den USA neben einer enormen Fachkompetenz über eine starke, unternehmensgebundene Motivation verfügen. Zu den Kernkompetenzen gehört die ingenieurtechnische Beratung von Industrieunternehmen, speziell der Bereiche Einzel-, Auftrags- und Projektfertigung, Engineering und variantenreiche Einzelfertigung sowie der Automobil- und Automobilzulieferindustrie.

Lesen Sie auch zum Thema: Produktionsplanung verbessern – So können Unternehmen ihre Planungshorizonte erweitern.

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