10.01.2023 – Kategorie: Human Resources

Arbeitszufriedenheit: Wie deutsche Arbeitnehmer ihren Job bewerten

ArbeitszufriedenheitQuelle: ipopba - Adobe Stock

Die neue Job-Happiness-Studie von forsa im Auftrag des Job-Netzwerks Xing hat die Arbeitszufriedenheit der deutschen Beschäftigten untersucht. Im Fokus standen Einschätzungen zu Zuversicht, Wertschätzung und zum Verhältnis zu Vorgesetzten.

  • Laut der Job-Happiness-Studie von forsa bewerten Beschäftige im Süden bewerten die Mitarbeiterorientierung am positivsten, haben aber auch die größten Zukunftssorgen.
  • Beschäftige in Westdeutschland haben demnach Nachholbedarf bei den sogenannten weichen Faktoren
  • Im Osten ist das Verhältnis der Mitarbeiter zum Vorgesetzten gut. In Norddeutschland blicken Beschäftige optimistisch in die berufliche Zukunft, bemängeln aber ihre eigene Work-Life-Balance.

Insgesamt nur 58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bestätigen, dass sie „eine angemessene Wertschätzung für ihre Arbeitsleistung“ erfahren. Das geht aus der aktuellen Studie „Job Happiness 2022“ hervor, für die forsa im Auftrag des Job-Netzwerks Xing 3.042 Beschäftigten zu Themen der Arbeitszufriedenheit befragt hat. 21 der Befragten geben an, dass ihnen die Unternehmenskultur ihres Arbeitgebers nicht gefällt. Dabei zeigt ein Vergleich der Regionen Verbesserungspotenzial an verschiedenen Stellen. So haben die westlichen Bundesländer bei den Unternehmenskultur prägenden Themen wie fairer Behandlung Optimierungsbedarf, während Beschäftigte in Süddeutschland ihrem Arbeitgeber in diesem Zusammenhang ein besseres Zeugnis ausstellen. Dafür sorgt sich im Süden fast jeder fünfte Beschäftigte um seine berufliche Zukunft. 

Arbeitszufriedenheit: Bedeutung der weichen Faktoren

Die Studie wirft einen genaueren Blick auf die Unterschiede zwischen den Menschen, die angeben, im Arbeitsleben zufrieden oder unzufrieden zu sein. Hier offenbaren sich gerade bei den sogenannten weichen Faktoren eklatante Unterschiede. Während 72 Prozent der Zufriedenen sagen, dass sie eine angemessene Wertschätzung erfahren, sind es bei den unzufriedenen Beschäftigten nur 15 Prozent. Fair behandelt fühlt sich nur jeder vierte Unzufriedene – unter den Zufriedenen sind es 80 Prozent. Von ihnen hat auch jeder zweite Beschäftigte kein gutes Verhältnis zum persönlichen Vorgesetzten (49 Prozent).

„Weiche Faktoren der Arbeitszufriedenheit werden zu harten Fakten. Karrieremöglichkeiten und Gehalt sind zwar immer noch wichtig, treten aber in den Hintergrund, wenn die Kultur im Unternehmen nicht stimmt“, sagt Petra von Strombeck, CEO der New Work SE, Muttergesellschaft des Job-Netzwerks Xing. „Menschen, die emotional kaum engagiert sind und das Gefühl haben, in einer Sackgasse zu stecken, sind auch schneller bereit, den Job zu wechseln. Das ist für die Unternehmen gerade in Zeiten des Fachkräftemangels fatal.“

Wie sich die Unternehmenskultur auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt

Jedem fünften Beschäftigten gefällt die Unternehmenskultur nicht, in der er derzeit arbeitet. Schaut man sich den Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit und der Antwort auf die Frage nach der Unternehmenskultur an, erhält man folgendes Bild: Zwei Drittel der Beschäftigten, die angeben im Job zufrieden zu sein, fühlen sich auch mit der Unternehmenskultur wohl. Menschen, die angeben im Beruf unzufrieden zu sein, kritisieren diese hingegen. Konkret heißt das: 59 Prozent der Unzufriedenen gefällt auch die eigene Unternehmenskultur nicht.

Der Westen hat bei weichen Faktoren Optimierungsbedarf

Ein Vergleich der Regionen in Deutschland (Nord, Süd, Ost, West) hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit zeigt, dass Aussagen wie „ich fühle mich fair behandelt“ oder „meine Meinung hat Gewicht“ in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland eine geringere Zustimmung erhalten (64 Prozent bzw. 60 Prozent). Am fairsten behandelt fühlen sich die Erwerbstätigen im Süden der Republik (Bayern, Baden-Württemberg) mit 71 Prozent. Süddeutschland punktet dabei mit tendenziell besseren Werten beim Thema Wertschätzung (62 Prozent, West 56 Prozent, Nord 57 Prozent, Ost 58 Prozent), beim Verhältnis zum Vorgesetzten (82 Prozent, West 76 Prozent, Nord und Ost: jeweils 79 Prozent) sowie bei der Frage, ob die Meinung der Beschäftigten Gewicht haben (68 Prozent, West: 60 Prozent, Nord 64 Prozent, Ost 65 Prozent). Die ostdeutschen Bundesländer bewegen sich insgesamt in einem guten Mittelfeld. 

Der Westen: Hohe Arbeitszufriedenheit, aber Schlusslicht bei den weichen Faktoren

Drei Viertel der Beschäftigten in den westlichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland geben an, ein gutes Verhältnis zum eigenen Vorgesetzten zu haben (76 Prozent). Allerdings besteht Optimierungspotenzial bei den weichen Faktoren, die ebenfalls wesentlich von der Führungskraft abhängen. So sagen nur 56 Prozent der Befragten, sie erfahren eine angemessene Wertschätzung im Unternehmen, 64 Prozent der Befragten fühlen sich fair behandelt und sechs von zehn Erwerbstätigen der Region geben an, dass ihre Meinung im Unternehmen Gewicht habe. 

Die Aussagen der Befragten im Einzelnen: 

  • Ich mache mir keine Sorgen um meine berufliche Zukunft: 69 Prozent
  • Ich erfahre eine angemessene Wertschätzung für meine Arbeitsleistung: 56 Prozent
  • Ich fühle mich fair behandelt: 64 Prozent
  • Meine Meinung hat Gewicht: 60 Prozent
  • Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem/r Vorgesetzten: 76 Prozent 
  • Ich bekomme Beruf- und Privatleben gut miteinander vereint: 74 Prozent

Der Norden: Beschäftigte blicken optimistisch in die berufliche Zukunft 

Im Norden Deutschlands (Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen) sind die Beschäftigten zuversichtlich, wenn es um ihre eigene berufliche Zukunft geht (71 Prozent). Insgesamt fühlen sich dort 70 Prozent der Beschäftigten fair behandelt und empfinden ihre aktuelle Tätigkeit als sinnvoll (85 Prozent). Zudem schneiden sie in Kategorien wie “Ich kann das tun, was ich am besten kann” (70 Prozent) oder “Ich kann meine persönlichen Ziele erreichen (57 Prozent) tendenziell besser ab als andere Regionen  (jeweils + 6 Prozentpunkte). Hingegen bemängeln die norddeutschen Beschäftigten ihre momentane Work-Life-Balance: Zwar sagen 72 Prozent der Befragten, dass sie Beruf- und Privatleben gut vereinen können, dies ist jedoch der niedrigste Wert im Vergleich der Regionen.

Die Aussagen der Befragten im Einzelnen: 

  • Ich mache mir keine Sorgen um meine berufliche Zukunft: 71 Prozent
  • Ich erfahre eine angemessene Wertschätzung für meine Arbeitsleistung: 57 Prozent
  • Ich fühle mich fair behandelt: 70 Prozent
  • Meine Meinung hat Gewicht: 65 Prozent
  • Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem/r Vorgesetzten: 79 Prozent
  • Ich bekomme Beruf- und Privatleben gut miteinander vereint: 72 Prozent 

Der Osten: Positive Aussichten und Möglichkeit zur Weiterentwicklung

Auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Ostdeutschland blicken zuversichtlich in die persönliche berufliche Zukunft. Insgesamt 69 Prozent der Befragten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stimmen der entsprechenden Aussage trotz Konjunktursorgen zu. Insgesamt liegen die ostdeutschen Bundesländer im guten Mittelfeld und fallen weder durch besonders hohe noch besonders niedrige Werte auf.

Die Aussagen der Befragten im Einzelnen: 

  • Ich mache mir keine Sorgen um meine berufliche Zukunft: 69 Prozent
  • Ich erfahre eine angemessene Wertschätzung für meine Arbeitsleistung: 58 Prozent
  • Ich fühle mich fair behandelt: 66 Prozent
  • Meine Meinung hat Gewicht: 64 Prozent
  • Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem/r Vorgesetzten: 79 Prozent 
  • Ich bekomme Beruf- und Privatleben gut miteinander vereint: 75 Prozent

Der Süden: Führung top, aber berufliche Zukunftssorgen

Insgesamt 67 Prozent der Beschäftigten in Bayern und Baden-Württemberg stimmen der Aussage zu, dass sie sich keine beruflichen Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. Das ist der niedrigste Wert aller Regionen. Gleichzeitig sagt fast jeder fünfte Befragte aus dem Süden (16 Prozent), dass er sich um seine berufliche Zukunft sorgt. Der Süden punktet dabei laut Befragten mit einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur: Bei Themen wie Wertschätzung (62 Prozent) und fairer Behandlung der Beschäftigten (71 Prozent) schneiden Bayern und Baden-Württemberg tendenziell besser ab als andere Regionen (+ 6 Prozentpunkte bzw. + 7 Prozentpunkte gegenüber Westen). Darüber hinaus haben die Beschäftigten ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten (82 Prozent; + 6 Prozentpunkte gegenüber Westen) und stimmen der Frage, ob die eigene Meinung im Job Gewicht habe am häufigsten zu (68 Prozent; + 8 Prozentpunkte gegenüber Westen). 

Die Aussagen der Befragten im Einzelnen: 

  • Ich mache mir keine Sorgen um meine berufliche Zukunft: 67 Prozent
  • Ich erfahre eine angemessene Wertschätzung für meine Arbeitsleistung: 62 Prozent
  • Ich fühle mich fair behandelt: 71 Prozent
  • Meine Meinung hat Gewicht: 68 Prozent
  • Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem/r Vorgesetzten: 82 Prozent
  • Ich bekomme Beruf- und Privatleben gut miteinander vereint: 79 Prozent

Für die Studie „Job Happiness 2022“ befragte forsa im Oktober 2022 insgesamt 3.042 erwerbstätige Personen ab 18 Jahren in Deutschland bei einer repräsentativen Online-Umfrage zur Arbeitszufriedenheit. Das Job-Netzwerk Xing 21 Millionen Mitgliedern gibt Orientierung im Arbeitsleben und unterstützt sie dabei, so arbeiten zu können, wie es zu ihren Lebensentwürfen und ihren individuellen Bedürfnissen passt. Die New Work SE engagiert sich für eine bessere Arbeitswelt. Mit Marken wie Xing, kununu und onlyfy by Xing und einem der größten Talente-Pool in DACH will das Unternehmen der wichtigste Recruiting-Partner im deutschsprachigen Raum sein. (sg)

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