3 Zukunftstechnologien, mit denen Digitalagenturen zu Tech-Unternehmen werden

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Wir erleben gerade das Heranreifen von drei technologischen Konzepten, die das Potenzial haben, die Gesellschaft vergleichbar stark zu verändern wie das Internet. So könnten Digitalagenturen künftig Internet of Things, künstliche Intelligenz und Blockchain als Ansätze für neue Geschäftsmodelle verwenden.
ZukunftstechnologienQuelle: Phonlamai Photo - Shutterstock

Mithilfe der Zukunftstechnologien Internet of Things, künstliche Intelligenz und Blockchain werden Digitalagenturen zu Tech-Unternehmen und könnten diese künftig als mögliche Ansätze in einem Werkzeugkasten, einzeln oder verbunden, anbieten, um damit fest jedes Geschäftsmodell für Unternehmen neu zu erfinden. Auftraggeber müssen sich allerdings fragen, welche technologischen Ansätze relevant sind, und wie sie die Blaupausen aus den Werkzeugkästen der neuen Tech-Unternehmen zielgenau für sich implementieren. Ein Gastbeitrag von Alexander Janthur, CEO der Digitalagentur Turbine Kreuzberg in Berlin.

Eine kurze Anthologie der Zukunftstechnologien

Aktuell werden IoT, Blockchain und KI in den Topf der Zukunftstechnologien geworfen. Die Technologien lassen sich vereinfacht in zwei Lager einteilen, für die wiederum unterschiedliche Fähigkeiten notwendig sind. KI und Blockchain sind Softwareansätze, IoT hat hingegen einen unauflöslichen Bezug zu Hardware. KI und Blockchain ermöglichen etwa Herstellern und Händlern, bestimmte Bedarfe vorherzusagen und Prozesse zu digitalisieren.

Dabei erlaubt KI über sukzessive und eigenständig lernende Algorithmen, Prozesse viel schneller und kleinteiliger zu organisieren, als es über eine menschliche Bearbeitung jemals möglich wäre. Blockchain ist eine dezentrale Speichertechnologie, die hohe Sicherheit bietet und ein diversifiziertes Rechtemanagement erlaubt. Sie ermöglicht also eine genaue Definition, wer wann auf welche der vorgehaltenen Informationen zugreifen darf – und wer nicht.

Zukunftstechnologien: Internet der Dinge basiert auf Hardware

IoT ist im Gegensatz zu KI und Blockchain ein Thema, das auf Hardware aufbaut. In mobile und immobile Dinge wird Software implementiert, sie erhalten digitale Abbildungen, über die der Sensorik unendlich viele Informationen hinzugefügt werden, die jede für sich enorme Geschäftspotenziale birgt. Hintergrund ist auch, dass Sensorik immer günstiger wird und Bandbreite immer selbstverständlicher verfügbar ist.

IoT steht also für die Mechanismen, mit welchen Sensorik vernetzt wird und früher statische Dinge wie Autos, Staubsauger oder nachzufüllende Regale beginnen, miteinander sowie mit den Anwendern zu kommunizieren. Der Sensor an sich ist dabei nicht eigenständig intelligent, sondern ein Erfassungsorgan, das Daten wie Abstand oder Gewicht misst. Die eigentliche Magie – das intelligente Element – findet nicht auf Sensoren statt, sondern in der verknüpfenden Softwarelösung dahinter. Hier kommen Blockchain und KI ins Spiel. Alle drei Technologien zahlen auf einen Trend ein, der bereits seit fünf Jahren immer mehr an Fahrt aufnimmt, nämlich der Plattform-Ansatz.

Plattformökonomie ermöglicht technische Innovationen

Innovation funktioniert heute plattformökonomisch. Das heißt, man öffnet mit einem Basisprodukt oder -service den Raum für externe Innovatoren, die die Idee weiterentwickeln und zusätzliche Produkte erfinden können. Ziel ist es, Unternehmen ein umfassendes, neues und digitales Ökosystem zur Verfügung zu stellen, dem es gelingt, auch die Produkte und Services von Wettbewerbern miteinzubeziehen. Digitalagenturen sind deshalb nicht länger vor allem Berater, sondern werden künftig zu Tech-Unternehmen. Sie stellen ihren Kunden das notwendige Wissen und die für den speziellen Bedarf des Kunden technologischen Bausteine bereit, um deren aussichtsreiche Innovationen in Bewegung zu bringen.

Zukunftstechnologien: Echter Mehrwert als gemeinsames Ziel

Das Ziel von Innovationsprojekten verändert sich gemeinsam mit den sich zunehmend ausdifferenzierenden Technologien. New und Old Economy stehen kurz vor dem Punkt, an dem Innovation nicht länger Optimierung zum Ziel hat, sondern es vor allem darum geht, vor Wettbewerbern und neuen Playern am Markt neue Geschäftsmodelle zu erfinden und zu entdecken. Die Unternehmen realisieren zunehmend, dass die Ansprüche der Kunden, egal ob B2B oder B2C, viel zu umfassend geworden sind, um sie als einzelnes Unternehmen allein erfüllen zu können. Unternehmenszusammenschlüsse – häufig auch Übernahmen oder Konsolidierungstendenzen in Märkten – prägen Märkte deshalb künftig branchenübergreifend.

Tristesse trivial – Zukunftstechnologien ersetzen keine Marktanalyse

Es mag trivial klingen, in Sachen Digitalisierung ist jedoch eine umfassende Anamnese vor dem ersten Schritt zur Tat absolute Bedingung. Am Anfang steht, die Wertschöpfung im Unternehmen zu verstehen, das Geschäftsmodell tief zu durchdringen. Denn nur über die Erkenntnis, wie und warum eine Organisation funktioniert, können fundamentale Änderungen in Projekten und Prozessen vorgegeben, angestoßen, begünstigt und begleitet werden. Andernfalls steigt die Wahrscheinlichkeit, ein möglicherweise innovatives Digitalprojekt durchzuführen, ohne dass es einen echten Mehrwert für das Unternehmen schafft.

Mit folgenden vier Schritten können Unternehmen den eigenen Bedarf an technologischen Innovationen erkennen:

  1. Der erste Schritt beginnt quasi bei „null”: Unternehmen müssen sich technologischen Ansätzen spielerisch nähern und die eigenen Mitarbeiter für das Thema begeistern. Die Innovationsfreude muss von innen heraus entstehen oder einen kreativen Impuls von externen bekommen. Angestellte brauchen Freiraum für Kreativität und Neugier statt Druck, „innovativ” zu sein – unabhängig davon, wie sehr möglicherweise der Wettbewerb schon vorauseilt und die Notwendigkeit besteht, schnell Lösungen zu finden. Unternehmen sollten Räume schaffen, in denen Mitarbeiter sich gezielt mit neuen Dingen beschäftigen dürfen und sollen, und diese Freiheit institutionell verankern. So nähern sich Unternehmen ganz organisch passenden Technologien.
  2. Im nächsten Schritt bildet die eigene Expertise die Grundlage für die Entscheidung, ob die technologische Innovation am zielführendsten über Hardware (IoT) oder Software (Blockchain, Künstliche Intelligenz) realisiert werden sollte – oder ob es am Ende die Kombination braucht. Wichtig ist es, nicht gleich mit allen drei Technologien anfangen zu wollen. Stellen Sie sich folgende Frage: Welche Themen bereiten gleichwohl dem Unternehmen als auch den Kunden Unbehagen, und wie lässt sich das Problem lösen? Hier gilt es, mit technologischen Innovationen anzusetzen. Gleichzeitig ist es wichtig, Innovationen nicht auf die Expertise-Bereiche zu beschränken, die schon im Unternehmen vertreten sind. Insbesondere in Kompetenzen, die noch nicht im Unternehmen vertreten sind, könnten sich bisher ungehobene Potenziale verstecken. Es gilt, hierzu rechtzeitig externe Experten beratend oder operativ ins Team zu holen.
  3. Im dritten Schritt wird klar, dass jede dieser Technologien nicht isoliert funktioniert. Unternehmen werden feststellen, dass es einer Vernetzung bedarf, die verschiedene Technologien kombiniert. Die IoT-Technik braucht Künstliche Intelligenz, um ihr Potenzial zu entfalten. Die Blockchain macht es schließlich möglich, die vom Sensor erfasste und von der KI bestellte Ware nachverfolgbar zu machen, weil die Lieferkette redundant gesichert wird. Während der Entwicklung können erste Use Cases entstehen, die anfangs gar nichts mit dem Unternehmen zu tun haben, aber an die Möglichkeiten der Technologien heranführen. Diese Lerneffekte lassen sich dann auf den ersten echten Prototyp anwenden.
  4. Der erste Prototyp darf nicht den Anspruch erfüllen, die gewählten Technologien perfekt umzusetzen. Die technologische Innovation muss als laufender Prozess betrachtet werden, der offen und iterativ weiterentwickelt wird. Bei aller Flexibilität darf aber das Gesamtziel nicht aus dem Blick geraten, weshalb unternehmensspezifische Kennzahlen definiert werden sollte, die den Weg zum Innovationserfolg messbar werden lassen.
Alexander Janthur - Turbine KreuzbergQuelle: Turbine Kreuzberg
Über den Autor: Alexander Janthur ist CEO der Digitalagentur Turbine Kreuzberg in Berlin.

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