VMware versus KVM: Das Hypervisor-Rennen bei OpenStack nimmt Tempo auf

Bisher genießt die Open-Source-Lösung KVM nahezu die uneingeschränkte Vorherrschaft als Standard-Hypervisor für OpenStack-Cloud-Software. Das liegt vor allem daran, dass OpenStack auf Linux basiert und KVM standardmäßig in allen Linux-Distributionen enthalten ist. Wie groß die Verbreitung von KVM ist, zeigt eine Umfrage, die das OpenStack User Committee kürzlich unter 822 OpenStack-Nutzern durchführte. Bei Server-Clustern mit einem bis einhundert Kernen nutzen 86 der Befragten KVM und nur sechs gaben an, VMware ESX zu nutzen. Auch bei großen Clustern mit 101 bis 500 Kernen bleibt der Abstand groß: 33 KVM-User gegenüber 4 ESX-Nutzern.

Doch nun mehren sich die Anzeichen dafür, dass KVM vom ESX-Server herausgefordert wird. Es lässt sich derzeit beobachten, dass das Interesse traditioneller Unternehmen an OpenStack enorm zunimmt, besonders im Bereich Finanzdienstleistungen. Was nun den Enterprise-Markt betrifft, ist das Virtualisierungs-Management-System vSphere von VMware bekanntermaßen der Platzhirsch. Wenn OpenStack in den Unternehmen Fuß fasst, wird es somit vermehrt dazu verwendet werden, Self-Service-Funktionalitäten auf Basis der vSphere-Infrastruktur bereitzustellen, was wiederum den Anteil von ESX an den bei OpenStack verwendeten Hypervisoren hochtreiben wird.

VMware wird für Partner-Service-Provider zur Bedrohung

Dieses Jahr hat VMware seinen lang erwarteten Hybrid-Cloud-Service angekündigt. Gut für VMware. Schlecht für Cloud-Service-Anbieter, die ihr Geschäft um VMware-Technologien herum aufgebaut haben. Sie müssen jetzt mit dem Anbieter konkurrieren, dessen Technologie sie jahrelang als Reseller verkauft haben. Deshalb müssen die VMware Service-Provider reagieren, und dazu bietet sich OpenStack an. OpenStack auf vSphere aufzusetzen erhöht die Wahlmöglichkeiten für die Kunden und dient längerfristig auch der Absicherung gegen VMware.

R.I.P. vCloud Director

Darüber hinaus kündigte VMware auch die Aufspaltung von vCloud Director in vCenter sowie vCloud Automation Center (vCAC) an, letzteres ein Produkt, dessen Entwicklung auf die Übernahme von DynamicOps durch VMware zurückgeht. Durch diese Aufspaltung entsteht im VMware-Produktportfolio jedoch eine Lücke hinsichtlich DevOps-fokussierter Self-Service-Funktionalitäten. vCAC ist eine schwergewichtige Software, eher ein IT-Service Managementprodukt, das eine tiefgreifende Integration in IT-Geschäftsprozesse und ein ERP-ähnliches Implementierungsszenario erfordert. Das reine vCenter wiederum ist für Systemadministratoren konzipiert und verfügt nicht über die cloud-ähnlichen Self-Service-Funktionalitäten, die WS als Standard für das Engineering-Ökosystem der nächsten Generation etabliert hat.

Zudem machen sich Unternehmen heute Sorgen über einen Anbieter-Lock-In. Wenn Unternehmen erwägen, über bloße Virtualisierung hinaus zu einer privaten Cloud überzugehen, können sie entweder noch mehr in VMware investieren oder sich für einen taktisch anspruchsvollen, aber strategisch lohnenden offenen Weg entscheiden – sprich Open-Source und OpenStack. OpenStack auf vSphere laufen zu lassen ist eine vernünftige Entscheidung, die Unternehmen dichter an die Cloud heranbringen kann. Auf der einen Seite erhalten sie die Self-Service-Funktionalitäten der eingestellten Lösung vCloud Director; auf der anderen machen sie einen Schritt, um ihren Stack aus dem Anbieter-Lock-In zu befreien.

VMware bekennt sich zu OpenStack 

VMware hat sich nun verpflichtet, sicherzustellen, dass OpenStack mit VMware-Produkten gut harmonieren kann. Zudem sucht der Hersteller auf seiner Homepage offensiv neues Personal, um seinen OpenStack-Bereich auszubauen, und ist regelmäßig in der Liste der Top 10 Code Contributors für das offene Projekt vertreten. Zudem hat VMware Partnerschaften mit führenden OpenStack-Akteuren wie Mirantis und Canonical geschlossen, um zu gewährleisten, dass seine Kunden mit ihren OpenStack/VMware-Implementierungen Erfolg haben. All diese Faktoren werden kaum dazu führen, dass KVM vom Thron gestoßen wird, jedoch auf sinnvolle Weise dazu beitragen, dass ESX 2014 im OpenStack-Bereich an Boden gewinnt.

Mirantis hält das für eine positive Entwicklung. Schließlich gibt es im Hinblick auf OpenStack zwei Denkschulen. Die erste sieht in OpenStack eine Vielzahl unbearbeiteter Open-Source-Codeschnipsel, die dazu gedacht sind, von kommerziellen Anbietern in einer überzeugenden, integrierten Lösung wiederverwendet zu werden. Die zweite betrachtet OpenStack als eine offene, standardisierte Basis, um unterschiedliche Infrastruktur-Pools miteinander zu verbinden. Für die erste Schule ist OpenStack nur eines von vielen chaotischen Open-Source-Projekten, für die zweite ein revolutionäres Phänomen, das die Branche verändern wird. Wir bei Mirantis setzen uns für die zweite Sichtweise ein. Und eine gesündere Vielfalt auf der OpenStack-Hypervisor-Ebene wird OpenStack näher an diese Vision heranbringen. (sg))

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