Energieversorger für datengetriebene Agilität gut aufgestellt

Die deutsche Energiebranche misst datengetriebener Agilität im Rahmen der digitalen Transformation eine höhere Bedeutung bei als andere Wirtschaftszweige. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von Sopra Steria Consulting hervor.

Auch die eigenen Kriterien für Investitionsentscheidungen zur Förderung entsprechender Innovationsprojekte stufen überdurchschnittlich viele Energieversorger und Netzbetreiber als adäquat und zielführend ein. Gleichwohl bringt die Umsetzung dieser Entscheidungen auf dem Weg zu digitaler Exzellenz noch erhebliche Herausforderungen mit sich.

Wegbereiter der digitalen Transformation

Die Mehrzahl der deutschen Energieversorger hat die Rolle eines agilen Datenmanagements als Wegbereiter der digitalen Transformation erkannt. Dies zeigt die Studie „Digitale Exzellenz“ von Sopra Steria Consulting in Kooperation mit der Universität Hamburg. Danach bewertet der Energiesektor die Relevanz datengetriebener Agilität auf einer Skala zwischen 1 und 5 mit durchschnittlich 4,16. Kein einziges Unternehmen dieser Branche antwortete mit einem Wert kleiner als 3. „Die Fähigkeit, große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen bündeln und nach verschiedensten Kriterien ad hoc analysieren zu können, ist ein zentraler Aspekt digitaler Exzellenz“, erklärt Norbert Neumann, Director Energieversorgung bei Sopra Steria Consulting. Ziel dabei sei es, aus massenhaft anfallenden Rohdaten situationsgerecht geschäftlich nutzbare Informationen zu extrahieren, sodass Entscheidungen schneller, transparenter und vernetzter getroffen werden können.

Die deutsche Energiebranche misst datengetriebener Agilität im Rahmen der digitalen Transformation eine höhere Bedeutung bei als andere Wirtschaftszweige. Bild: Rainer Sturm/pixelio.de

 

Explosionsartiges Datenwachstum

Im deutschen Strommarkt gewinnt datengetriebene Agilität auch infolge der Energiewende eine zunehmend wettbewerbsentscheidende Bedeutung. Denn die dezentrale Netzeinspeisung regenerativer Energien aus Windkraft- und Solaranlagen führt zu einem geradezu explosionsartigen Datenwachstum. Für Energieunternehmen kommt es daher immer stärker darauf an, aus diesen Daten fundierte Entscheidungsgrundlagen ableiten zu können – zum Beispiel für ein verbessertes Management der wetterbedingt fluktuierenden Energiemenge aus erneuerbaren Quellen. Darüber hinaus bergen die quer in der gesamten Versorgungsinfrastruktur anfallenden Massendaten ein erhebliches Wertschöpfungspotenzial durch neue Geschäftsmodelle – Stichwort: Smart Meter.

Hohe digitale Exzellenz

Für die Nutzung derartiger Potenziale mit Methoden der datengetriebenen Agilität sehen sich Energieversorger besser aufgestellt als Unternehmen anderer Branchen: Auf die Frage, ob neue Software-Funktionen dafür in deutlich kürzeren Zyklen als früher verfügbar sind, beläuft sich die durchschnittliche Zustimmungsquote der Branche (wiederum auf einer Skala zwischen 1 und 5) auf 3,67 Punkte. Damit liegen Energieversorger branchenübergreifend sogar knapp vor solchen Unternehmen, die bereits eine hohe digitale Exzellenz erreicht haben (3,64 Punkte). Noch deutlicher fällt der Unterschied beim Einsatz agiler Methoden und Vorgehensweisen aus: Hier beträgt der durchschnittliche Zustimmungswert der Energiewirtschaft 3,74 Punkte, während er quer über alle befragten Branchen hinweg nur bei 3,36 Punkten rangiert. Bei der Selbsteinschätzung, ob die aktuellen Kriterien für Investitionsentscheidungen der Beschleunigung der digitalen Transformation angemessen seien, liegen Energieversorger mit 3,0 Punkten fast auf Augenhöhe mit digital exzellenten Unternehmen über alle untersuchten Wirtschaftszweige hinweg (3,05 Punkte).

Noch nicht am Ziel

Obwohl das Bewusstsein für datengetriebene Agilität in der Energiebranche besonders stark ausgeprägt ist, wissen die meisten Versorger und Netzbetreiber aber auch, dass sie damit noch nicht das Ziel echter digitaler Exzellenz (5,0) erreicht haben. „Die Investitionen in die digitale Transformation konzentrieren sich in der Energiewirtschaft aktuell auf wenige Leuchtturmprojekte“, konstatiert Norbert Neumann. „Die Mehrheit der Unternehmen wartet ab und sondiert die Lage. Von bahnbrechenden Entscheidungen und deren Umsetzung sind die meisten Energieversorger noch ein gutes Stück weit entfernt.“

Über die Studie

Die Studie wurde in zwei Schritten erarbeitet. Nach einer ersten qualitativen Phase mit 17 Experteninterviews wurden in der quantitativen Phase 90 Unternehmensentscheider befragt. Die Unternehmen stammen aus dem Automobilbau, Finanz-, Versicherungs- und Energiebereich sowie der öffentlichen Verwaltung. Annähernd 80 Prozent von ihnen beschäftigen mehr als 1.000 Mitarbeiter und über zwei Drittel erwirtschaften einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro.

Die Studie können Sie hier beziehen.

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