Messe Zukunft Personal in Köln eröffnet

Die Zukunft Personal, Europas führende Messe für Personalmanagement, ist eröffnet: Unter dem Motto „arbeiten 4.0“ zeigen 651 Aussteller noch bis einschließlich Donnerstag in vier Hallen der koelnmesse, wie das Personalmanagement dem Wandel in der Arbeitswelt begegnet.

Zur Freude des Veranstalters vertraten bereits die Teilnehmer der Eröffnungspressekonferenz kontroverse Ansichten zum alles umfassenden Oberbegriff: „Unterschiedliche Sichtweisen sind gewollt. Das zeigt uns, dass das Messemotto gut gewählt ist“, erklärte Ralf Hocke, Geschäftsführer von spring Messe Management.

Die Messe brummt: Mit 3 Prozent mehr Ausstellern und einem Flächenzuwachs von 7 Prozent auf mehr als 30.000 Quadratmetern Fläche untermauert die Zukunft Personal ihren Stellenwert als HR-Leitmesse. In der Konferenz zum Auftakt der „innovativsten und spannendsten Zukunft Personal aller Zeiten“ (Hocke), die mit zahlreichen neuen Formaten wie dem Start-up Village HR, dem HR-Battle oder der Blogger-Lounge punktet, ging es vor allem um eine Begriffsklärung und Einschätzung der Situation: Was bedeutet „arbeiten 4.0“? Handelt es sich um eine historische Chance oder markiert es nur einen Hype?
 

Ein Begriff, viele Trends

Prof. Dr. Jutta Rump verwies auf die große Breite des Themas: „Wir sehen hier nicht nur die Industrie 4.0 und die Digitalisierung als Treiber, sondern auch den Wertewandel in der jungen Generation und den demografischen Wandel“, erklärte die Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) an der Hochschule Ludwigshafen. „Es ist ein absolutes Muss, das ganzheitlich zu sehen.“ Während es auf viele Fragen wie zum Beispiel den Umgang mit Vielfalt schon Antworten gebe, sei anderes noch ungeklärt – etwa, welchen Einfluss die Entwicklung auf Ausbildungsberufe habe. „Wir müssen uns fragen, ob diese digitalisierungstauglich sind.“ So würden Bankkaufleute immer noch für das Filialgeschäft ausgebildet, obwohl es dieses vielleicht demnächst gar nicht mehr gebe, gab die Professorin ein Beispiel.


Übliche Wellenbewegungen

So viel Neues sei an der Entwicklung gar nicht dran, befand hingegen Prof. Dr. Stefan Kühl. Der Begriff „arbeiten 4.0“, den die Bundesregierung geprägt habe, sei „völlig fiktiv“, erklärte der Professor für Soziologie von der Universität Bielefeld: „Warum 4.0? Das könnte auch 5.0 oder 6.3 heißen.“ Im Grunde genommen handele sich um einen ganz normalen Prozess, der in den üblichen Wellenbewegungen verlaufe. Die jetzt wieder propagierten flachen Hierarchien brächten bekanntermaßen langwierige Entscheidungen und Machtkämpfe mit sich. „Wir wissen genau, welche Effekte man über Dezentralisierung produziert.“ Nur leider gehe dieses Wissen immer wieder verloren, bedauerte der Wissenschaftler.


Label versetzt Personaler in Aufbruchsstimmung

„Wir haben die Hierarchiestufen peu à peu abgebaut“, erklärte Stefan Ries, Chief Human Resources Officer und Member of the Global Managing Board der SAP SE. Diese Veränderung sei auch dem Markt geschuldet: „Als Softwarehaus muss sich SAP frühzeitig den neuen Trends öffnen.“ Die regionalen Führungskräfte hätten keine Machtfunktion. „Das sind keine Regionalfürsten, sondern Kümmerer. Selbst die Digital Natives wollen nicht nur in der virtuellen Welt leben, sondern benötigen einen Ansprechpartner“, erklärte Ries. Insgesamt bewertete er das Schlagwort „arbeiten 4.0“ positiv für seine Profession: „Ich bin seit 26 Jahren aktiv im Personalmanagement. Was ich nicht mehr hören kann ist diese weinerliche Frage: Haben wir einen Stuhl am Tisch der Entscheider?“, erklärte der passionierte Personalmanager. Das neue Label könnte dabei helfen, eine Aufbruchsstimmung im Personalmanagement zu generieren, so Ries. „arbeiten 4.0“ sei keine Revolution, aber die nächste Evolutionsstufe, die der Markt von den Unternehmen verlange.


 Verschiedene Türen zum Öffnen

Als „Zünglein an der Waage“ bezeichnete Prof. Dr. Rump die Führungskräfte. Sie benötigten allerdings Zeit für ihre neuen Aufgaben. „Das ist die Sollbruchstelle“, warnte die Professorin. Das Thema „arbeiten 4.0“ werde das Personalmanagement in jedem Fall auch in den nächsten Jahren begleiten. „Ich erlebe, dass sich Türen öffnen.“ Ein Schlüsselerlebnis in dieser Hinsicht ist auch den Messebesuchern vergönnt: HR-Verwalter oder HR-Gestalter – vor dieser Entscheidung stehen sie beim Betreten der koelnmesse: Die Tür links ist für die administrative Rolle ausgeschildert, die Tür rechts öffnet sich für diejenigen, die eine gestalterische Rolle innehaben oder künftig ausüben möchten. „HR hat jetzt die Chance, den Wandel mitzugestalten. Die Zukunft Personal begleitet dies in diesem Jahr mit dem gelungenen Schulterschluss von Wissenschaft, Praxis und Politik“, so Gastgeber Ralf Hocke.

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