IT-Trends 2016: Chancen auch ohne "Internet Made in Germany"

Themen wie Datensicherheit, Schutz von persönlichen Daten, Überwachung und Spionage werden uns auch in diesem Jahr weiterhin beschäftigen. Sebastian von Bomhard, Vorstand des Internet-Serviceproviders SpaceNet AG, gibt einen Überblick über die wichtigsten Trends für 2016.

Angst vor dem Terror schwächt Datenschutz

Die terroristischen Anschläge sind eine Top-Vorlage für viele Regierungen. Mangels anderer Ideen wird der Datenschutz (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung) europaweit immer weiter beschnitten und das ohne große Widerstände der Bevölkerung. Denn die Angst vor dem Terror wirkt und lässt die Menschen den Versprechungen der Politik glauben, mit Vorratsdatenspeicherung und flächendeckender Überwachung ließe sich die Gefahr in den Griff bekommen. Die Realität beweist das Gegenteil. So wird wohl vielerorts - wie in Deutschland - die Gesetzeslage "angepasst" und dort, wo sie nicht so schnell geändert wird, großzügig weiter gegen bestehendes Recht verstoßen werden.

Überraschung: Daten-GAUs setzen sich fort

Je mehr Privatleute die Beschneidung ihrer Datenrechte akzeptieren und als normal empfinden, desto weniger kritisch wird auch die Sammelleidenschaft von Big-Data-Playern wie Google und Amazon hinterfragt werden. Damit können wir sicher sein, dass uns nicht nur bei Google & Co., sondern beispielsweise auch bei Krankenkassen, Seitensprungportalen etc. im neuen Jahr wieder gigantische Daten-GAUs "überraschen" werden. Dass der "Vorratsdatenspeicherung" der Big-Data-Player ein Riegel vorgeschoben würde, ist nicht zu erkennen.

Sebastian von Bomhard ist Vorstand des in München ansässigen Internet-Serviceproviders SpaceNet AG.

Sebastian von Bomhard ist Vorstand des Internet-Serviceproviders SpaceNet AG in München.

 

Verschlüsseln, aber bitte richtig

Gegen Hackerangriffe, Datenspionage und Überwachung gäbe es eigentlich eine ganz hervorragende Waffe: die wirksame Verschlüsselung. Aber auch hier stimmt das Jahr 2016 wenig optimistisch: Die Politik erwägt derzeit lieber gesetzliche Vorgaben, eine Verschlüsselung zu verbieten, respektive für Geheimdienste einen Zweitschlüssel zu hinterlegen. Das würde die Arbeit an sicherer Kommunikation im Internet auf einem Schlag zerstören. Doch bei diesem Thema ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Verschlüsselung bleibt definitiv ein ganz heißes Thema.

Gute Chancen auch ohne "Internet Made in Germany"

Wäre es nicht eine tolle Idee, die Marktvorteile, die sich für deutsche Unternehmen durch einen funktionierenden Datenschutz ergeben, in ein gewinnbringendes Business-Modell umzumodeln? Das Problem ist nur: ein "Internet Made in Germany" gibt es nicht. Das Internet ist grenzenlos und die zum Einsatz kommenden Technologien sind ebenfalls international, wie bereits ausführlich in einem SpaceNet-Beitrag dargelegt wurde.

Es gibt daher mehr denn je einen Bedarf für sichere und datenschutzgerechte Verarbeitung von Daten. Wie schön wäre es, wenn 2016 deutsche Unternehmen ihr Wissen und ihren Vorsprung in Sachen Datenschutz nutzen und neue Anwendungen, neue Geschäftsmodelle und neue Software auf den Markt bringen würden, sozusagen mit "Privacy by Default".

Kampf gegen Datenklau und Hackerangriffe

Bis es soweit ist, können Mitarbeiter, Vorstände und Manager im Kampf gegen Datenklau und Hackerangriffe jedoch auch schon durchaus aktiv werden, um ihre Daten zu schützen. Mit ganz einfachen Mitteln, über die jeder verfügt, nämlich mit den fünf "V"s: Verschlüsseln (von Ende zu Ende), Vermeiden (Datensparsamkeit), Verteilen (Daten nicht zentral lagern), Vergewissern (Audits und Schulungen) und Vertrauen - Augen auf bei der Partnerwahl. (sg)

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