IT-Gipfel 2015: Welche IT-Geschwindigkeit brauchen wir?

Wie schnell muss IT heute sein – unternehmensintern oder allgemein im Breitbandausbau und in Transformationsprozessen? Zu dieser, auch auf dem Nationalen IT-Gipfel heiß diskutierten Frage bezieht Jörg Mecke, Geschäftsbereichsleiter Business Productivity beim IT-Haus Fritz & Macziol, deutlich Stellung und formuliert klare Forderungen:

Für den nationalen IT-Gipfel nimmt sich das halbe Bundeskabinett Zeit, um Begeisterung für die digitale Transformation zu wecken. Doch wir sprechen immer noch über Rahmenbedingungen, während Amazon die Lieferung noch am Tag der Bestellung ankündigt. IT-Verantwortliche jonglieren derzeit in einem Spannungsfeld von Anforderungsdefinition, Planung, Berechenbarkeit und der hohen Erwartung der Mitarbeiter. Demgegenüber stehen die realen Rahmenbedingungen für Unternehmen, die in Deutschland noch nicht optimal sind. Für die nötigen Beschlüsse, der deutschen Wirtschaft flächendeckend und schnell den Weg in die digitale Zukunft zu ebnen, läuft die Zeit so langsam davon.

Mittelständische Unternehmen wollen digitale Geschäftsmodelle entwickeln und sich für das Internet der Dinge in Position bringen. Dass dazu IT-Aufgaben effizienter und schneller ablaufen müssen, steht außer Frage. Dauert die Aufgabe, einen neuen IT-Benutzer anzulegen, mehrere Stunden oder Tage, ist das definitiv zu lang, häufig jedoch noch Realität. Längst wäre es technisch möglich, dass die IT alles, was im Servicekatalog erfasst ist, innerhalb von wenigen Minuten ausliefert – besonders wenn wir von Self-Service-Portalen und Cloud Computing sprechen. Den gewünschten Automatisierungsgrad erreichen Unternehmen aufgrund struktureller Hürden, etwa dem bisher nur schleppend vorankommenden Breitbandausbau, derzeit noch nicht. Seit gestern können Kommunen und Landkreise jetzt Fördermittel beantragen, damit schlecht ausgebaute Flecken auf der Landkarte schneller geschlossen werden. Das ist in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung, aber ob dies ausreicht, damit Unternehmen bis Ende 2018 über ausreichend Geschwindigkeit verfügen, bleibt abzuwarten. Positiv zu bewerten ist in jedem Fall, dass die Förderung auch Planungs- und Beratungsleistungen einschließt und technologieneutral zur Verfügung steht.


„Must Have“ oder „Nice to Have“?

Doch wie viel Geschwindigkeit brauchen wir eigentlich? Was ist die richtige Balance zwischen „Must-Have“ und „Nice-to-Have“? Aussagen wie: „Hauptsache schneller als früher“ sind nicht zielführend, im Mittelstand jedoch durchaus weit verbreitet. Die größte Herausforderung für Unternehmen ist es, Planbarkeit und Berechenbarkeit in die Umsetzung von Serviceanforderungen und in ihre SLAs zu bringen. Wie schnell wird der eigene oder der externe IT-Service garantiert? Viele Service Level Agreements mit Support-Dienstleistern sagen nur etwas über die Verfügbarkeit und die Unterstützung im Fehlerfall aus, aber nichts über die Bereitstellungsdauer. Das ist Gift für vernetzte Produktion und mobiles Arbeiten in Echtzeit. Dieser Debatte müssen sich der deutsche Mittelstand, IT-Anbieter, aber auch Politik, Verbände und Wirtschaftsethiker jetzt stellen. Wir dürfen automatisierte IT-Services nicht nur heimlich gut finden, solange diese anonym aus dem Netz kommen, sondern auch, wenn sie im eigenen Unternehmen in Deutschland stattfinden. Neidische Blicke auf das, was andere tun, steigern nur die Ungeduld – der Druck wächst immer weiter.

Dass man Druck nur durch Handeln loswerden kann, das haben viele Nutzer verstanden. Der Aufbau von Schatten-IT durch beliebiges Herunterladen von Apps im beruflichen Umfeld zeigt, was passiert, wenn es den Benutzern nicht schnell genug geht: Verlust von Governance, Abwanderung von Unternehmensinformationen in potenziell unsichere Lösungen und eine erschwerte Zusammenarbeit zwischen Organisationseinheiten. Was in der Unternehmensleitung zunehmend Unwohlsein erzeugt, könnten findige Controller eigentlich nutzen, um die ideale IT-Geschwindigkeit zu ermitteln. Zwischen einer rasanten Umsetzung in vier Minuten und lähmenden sechs Wochen gilt es, das „Good to Have“ herauszufinden. Das sind je nach Unternehmen vielleicht vier Stunden oder vier Tage, die mit konkreten Maßnahmen aber Signalwirkung bekommen und helfen, den Druck loszuwerden.


Signalwirkung des IT-Gipfels

An anderer Stelle gibt es jedoch unbestreitbare „Must Haves“ und einen dringenden Bedarf an erhöhter Geschwindigkeit. Und zwar bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen für den digitalen Wandel in Deutschland. Auf dem IT-Gipfel ist viel von Industrie 4.0, innovativer Digitalisierung der Wirtschaft und der Zukunft des deutschen Mittelstandes die Rede. Die Teilnehmer sollten jedoch nicht vergessen, wer die Voraussetzungen für Netzausbau und digitale Agilität schafft: nicht der Mittelstand selbst, sondern die Bundesregierung und speziell die am IT-Gipfel mitwirkenden Ministerien. Natürlich geschieht bei solch grundlegenden Entscheidungen nichts in zwei Tagen. Doch nach einer sinngemäßen Signalwirkung des IT-Gipfels wären konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der hiesigen IT-Infrastruktur auch nach vier Wochen einerseits wünschenswert und andererseits nicht zu viel verlangt.

  • Jörg Mecke ist Geschäftsbereichsleiter Business Productivity beim IT-Haus Fritz & Macziol.
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