Intelligenter Klimaschutz mit „Smart Grids"

Die Bundesregierung sollte den Auf- und Ausbau intelligenter Energienetze stärker in den Mittelpunkt der Klimapolitik zu rücken. Das schlägt der Hightech-Verband Bitkom zum Start des Wissenschaftsjahres 2010 vor, das sich dem Thema „Die Zukunft der Energie" widmet. "Intelligente Energienetze, so genannte Smart Grids, bilden die Grundlage für eine umweltfreundliche Energieversorgung. Sie ermöglichen die effiziente Nutzung regenerativer wie traditioneller Energiequellen", sagte Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Es müsse einen Paradigmenwechsel auf dem Strommarkt geben. "Heute halten wir einen Kraftwerks-Park vor, der die maximale Stromnachfrage befriedigen kann. Ökologisch wie ökonomisch ist es aber sinnvoller, den Verbrauch an das schwankende Stromangebot anzupassen - und das geht nur mit intelligenten Stromnetzen", sagte Scheer.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) solle daher seinen Förderschwerpunkt "E-Energy" ausbauen. "Das E-Energy-Programm und vor allem ITK-basierte Energiesysteme müssen langfristig zu einem Schwerpunkt der Forschungsförderung werden", so Scheer. China und die USA wollen hier Milliardenbeiträge investieren, Deutschland und Europa müssen sich Bitkom zufolge hier stärker engagieren.

Durch den Einsatz von ITK lässt sich die Energie-Nachfrage ohne Komforteinbuß;en steuern. Verbraucher können etwa mithilfe so genannter E-Meter ihre Waschmaschinen und Geschirrspüler starten, wenn Energie besonders günstig ist - zum Beispiel nachts oder wenn Windkraftanlagen besonders viel Strom produzieren. Durch diese intelligente Nachfrage können Energieversorger vom heutigen ineffizienten und klimaschädlichen Prinzip der Höchstlast-Vorhaltung abrücken. Die Leistungsfähigkeit des Energienetzes orientiert sich bisher am Spitzenverbrauch.

Dafür müssen teure Regelkapazitäten vorgehalten werden. Wenn der Energiebedarf gesteuert wird, können diese Kapazitäten verringert werden. Zudem können allein bei Privathaushalten durch die Einführung von zeitabhängigen Tarifen und eine Visualisierung des tatsächlichen Energieverbrauchs (Smart Metering) nach konservativer Schätzung 9,5 Terawattstunden (TWh) pro Jahr gespart werden. Das ist die Leistung ungefähr vier mittelgroß;er Kohlekraftwerke.

Damit der Energiesektor smart wird, muss es sich für Verbraucher und Versorger rechnen, besonders energieeffizient zu handeln. Das ist bislang nur eingeschränkt der Fall: Das heutige System belohnt Energieversorger, wenn sie möglichst viel Energie verkaufen. Der Bitkom hält hier Anpassungen im regulatorischen Umfeld für notwendig. Die Bundesnetzagentur sollte den Netzbetreibern Anreize bieten, die reinen Verteilnetze zu einem modernen ITK-gestützten Energienetz auszubauen. "Energieeffizienz muss stärker belohnt werden. Das ist das Kern-Element einer nachhaltigen Energiepolitik", so Scheer. Gleichzeitig gelte es, Verbraucher umfassender auf die Möglichkeiten der intelligenten Stromnetze hinzuweisen und eine größ;ere Zahl an transparenten Angeboten zum Einsatz smarter Technologien zu machen. Diesen intelligenten Energie-Markt müssten Wirtschaft und Politik gemeinsam definieren - als Normalfall für Anwender und Versorger.

Intelligente Energienetze stellen darüber hinaus die Basis-Infrastruktur für die Elektromobilität der Zukunft. Bitkom fordert vor diesem Hintergrund ein Einspeisegesetz für Auto-Strom. Es könnte Anreize für den Kauf der vergleichsweise teuren Elektro- und Hybridautos setzen. Die Energiespeicher der Autos können als Ausgleichskomponente dienen: Wenn Haushalte und Wirtschaft mehr Strom als vorhanden benötigen, können die Elektroautos ihre nicht benötigte Energie wieder ins Netz einspeisen. Falls die Stromanbieter zuviel Energie produzieren, können die Autobatterien Strom aus dem Netz nehmen und speichern. Diese Bereitstellung der Batteriekapazität sollte den Fahrzeughaltern entsprechend vergütet werden, betont der Bitkom. Die Autofahrer könnten mit ihren Autos Geld verdienen, sobald sie ans Stromnetz angeschlossen sind. Scheer: "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat der Wind- und Solarenergiebranche zum Durchbruch verholfen. Ein Einspeisegesetz für Autostrom würde die Elektromobilität beflügeln."

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