IDC: Prognosen für 2014

Die International Data Corporation (IDC) hat jetzt eine Reihe von branchen- und technologiespezifischen Vorhersagen zur Informations- und Telekommunikationstechnologie-Branche (ITK) für 2014 gemacht. Die IDC-Prognosen für das kommende Jahr sind stark von der dritten Plattform als der kommenden Plattform der Branche für Wachstum und Innovation auf Basis der technologischen Säulen Mobile Computing, Cloud-Dienste, Big Data und Analytics sowie soziale Netze geprägt.

„Der Einfluss der dritten Plattform war 2013 über die gesamte Branche hinweg spürbar: Ein prominenter CEO verlor seinen Job, ein wichtiger IT-Anbieter zog sich von der Börse zurück, bei zahlreichen Marktteilnehmern stagnierten die größten Umsatzbringer und Wetten in Milliardenhöhe wurden auf Technologien der dritten Plattform abgegeben“, so Frank Gens, Senior Vice President und Chief Analyst von IDC. „2014 werden alle wichtigen Anbieter in großem Umfang investieren, um bei Cloud, Mobile und Big Data zuzulegen. Es wird ein harter Kampf um die Entwickler der Lösungen stattfinden, die für die beiden kommenden Jahrzehnte die IT-Ausgaben befeuern. Außerhalb der IT werden die Technologien der dritten Plattform eine führende Rolle bei der Zäsur in (oder ‚Amazonisierung‘) fast jeder Brache dieser Welt spielen.“

Die Prognosen von IDC für 2014, die Frank Gens im Rahmen einer Web-Konferenz vorstellte, umfassen folgende Punkte:

1. Die weltweiten IT-Ausgaben werden 2014 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 2,1 Billionen Dollar steigen. Die Ausgaben werden durch die Technologien der dritten Plattform angetrieben. Diese legen im Jahresvergleich um 15 Prozent zu und können 89 Prozent des Wachstums für sich reklamieren. Der Absatz von Smartphones und Tablets wird auch 2014 auf sehr hohem Niveau liegen. Die Ausgaben für Server, Storage, Netzwerke, Software und Dienstleistungen werden deutlich umfangreicher ausfallen als 2013. Der PC-Markt bleibt unter Druck, die weltweiten Umsätze werden ein Minus von sechs Prozent im Jahresvergleich aufweisen.

2. Die sogenannten Emerging Markets werden mit einem Plus von zehn Prozent wieder zu einem zweistelligen Wachstum zurückkehren. Das entspricht einem Umsatz von fast 730 Milliarden Dollar oder 35 Prozent der weltweiten IT-Umsätze. Damit vereinen diese Märkte zum ersten Mal über 60 Prozent des Ausgabenzuwachses im IT-Bereich auf sich. In den BRIC-Staaten werden die IT-Ausgaben – angetrieben durch die wirtschaftliche Erholung Chinas – im Jahresvergleich um 13 Prozent steigen. In Dollar betrachtet wird das Wachstum der IT-Ausgaben in China mit dem in den USA gleichziehen – obwohl der chinesische Markt nur ein Drittel der US-Größe hat. In den anderen Ländern wird das Wachstum uneinheitlich ausfallen und den Anfang einer neuen „Post-BRIC“-Ära einläuten.

3 Innerhalb der dritten Plattform beginnt die Wertschöpfung entlang des Technologie-Stacks nach oben zu wandern: Von Infrastruktur-as-a-Service (IaaS) hin zu Plattform-as-a-Service (PaaS) und von der generischen PaaS hin zur datenoptimierten PaaS. Letzteres wird insbesondere sichtbar, wenn Amazon Web Services eine Reihe von Plattform-as-a-Service-Angeboten für Entwickler sowie hochwertige Dienste für Unternehmen auf den Markt bringen. Die etablierten IT-Anbieter, die sich in der Zeit der zweiten Plattform die Marktführerschaft erkämpft hatten, werden so dazu gezwungen, sich neu aufzustellen und ihre Position auf dem Markt der dritten Plattform zu verteidigen. Auch Google wird seinen Handschuh in den Ring werfen. Google wird realisieren, dass es Gefahr läuft, von einem Markt verdrängt zu werden, in dem das Unternehmen eigentlich um die Führungsrolle wetteifern sollte.

4. Der Vormarsch mobiler Geräte hält 2014 an. Der Absatz von Tablets steigt um 18 Prozent, Smartphones werden um 12 Prozent zulegen. Die von Samsung angeführte Android-Community wird bei den Stückzahlen ihren Vorsprung vor Apple halten. Apple hingegen wird seinen Vorteil bei der Wertschöpfung mit höheren durchschnittlichen Verkaufspreisen und einem etablierten App-Ökosystem bewahren. Allerdings wird Google Play mit Android-Apps bei der Zahl der Downloads und bei den Umsätzen 2014 einen riesigen Schritt nach vorne machen; die Wertschöpfungslücke zwischen den App-Ökosystemen wird deutlich kleiner. Für Microsoft läuft die Uhr. Der Anbieter muss das Interesse der Entwickler an Windows schnell verdoppeln.

5. Die Ausgaben für Cloud inklusive Cloud-Dienste und der notwendigen Technologie für deren Bereitstellung werden 2014 um 25 Prozent wachsen und die Marke von 100 Milliarden Dollar hinter sich lassen. IDC erwartet, dass die Zahl der Rechenzentren stark ansteigt, da sich die Cloud-Anbieter darum bemühen, eine globale Größe zu erreichen. Begleitet wird diese Entwicklung von einem ähnlichen Zuwachs bei der Vielfalt von Workload-spezialisierten Infrastrukturangeboten aus der Cloud. Dieses führt zu neuen Formen der Differenzierung zwischen den Cloud-Dienstleistern. Zudem wird es eine offene Schlacht um die Entwickler geben, die die Cloud-basierenden Anwendungen und Lösungen schaffen können, die das Marktwachstum antreiben.

6. Die Ausgaben für Technologien und Dienstleistungen im Bereich Big Data werden 2014 um 30 Prozent auf über 14 Milliarden Dollar steigen. Die Nachfrage nach Kenntnissen in Big-Data-Analyse wird weiterhin das Angebot übertreffen. Das Rennen um die Entwicklung von Big-Data-optimierten Cloud-Plattformen beginnt, die große Datenvolumina und/oder Echtzeit-Datenströme verarbeiten können. Es werden deutlich mehr Anbieter von Mehrwertdiensten und Daten-Broker entstehen, da die Unternehmen (und auch die Entwickler) sowohl nach interessanten Datenquellen Ausschau halten als auch nach Anwendungen, die ihnen helfen, Kunden, Produkte und Märkte besser zu verstehen.

7. Die Technologien der sozialen Netze werden in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zunehmend in die bestehenden Unternehmensanwendungen integriert. Sie sind nicht nur eine wichtige Komponente in fast allen Kundenbindungs- und Marketingstrategien. Daten aus sozialen Anwendungen werden auch in die Prozesse der Produkt- und Serviceentwicklung einfließen. IDC erwartet, dass soziale Netze für Unternehmen zunehmend als Standardangebote der Cloud-Dienstleister verfügbar sein werden. Unternehmen können so die sozialen Komponenten besser in die Abläufe integrieren, anstatt sie in einer separaten Schicht bereitzustellen.

8. Die physikalische Grundlage der Cloud sind Rechenzentren. Damit stellen sie ein unverzichtbares Element der dritten Plattform dar. Mit der steigenden Anzahl und Bedeutung der Cloud-spezifischen Rechenzentren treiben die Cloud-Anbieter den Markt für Server, Storage und Netzwerkkomponenten voran. Diese bevorzugen üblicherweise Designs, die zu einem hohen Maß auf Komponenten basieren und standardisiert sind. Die etablierten Hardware-Anbieter, die sich in diesem Markt schwer tun, werden gezwungen sein, eine „Cloud First“-Strategie umzusetzen. Sie müssen Innovationen entwickeln und auf den Markt bringen, die flächendeckend in den Rechenzentren der Cloud-Dienstleister zum Einsatz kommen.

9. Mit der dritten Plattform wird eine neue Generation von wettbewerbsrelevanten Apps und Diensten entstehen. Diese stellen eine spürbare Zäsur für die Marktführer in so gut wie jeder Branche dar. Ein wichtiger Faktor, um sich in diesen gestörten Märkten und den sich neu erfindenden Wirtschaftszweigen zu behaupten, sind branchenspezifische innovative Plattformen (wie etwa Pendix von GE), die große Communities von Innovatoren anziehen und ermöglichen. Diese werden in den kommenden Jahren zu Hunderten entstehen. IDC erwartet, dass die meisten Marktteilnehmer im Bereich dieser Branchenplattformen die notwendigen Cloud-Grundlagen nicht neu erfinden. Stattdessen werden sie auf die Plattformen von Amazon, Microsoft, IBM, Salesforce und weiteren aufsetzen. Für diese IT-Marktführer wird es 2014 extrem wichtig sein, die Anbieter von Branchenplattformen zu finden und als Geschäftspartner zu gewinnen.

10. Zu guter Letzt wird sich 2014 die dritte Plattform weiterhin über Smartphones, Tablets und PCs hinaus auf das Internet der Dinge ausdehnen. Durch den Schwung des Internets der Dinge, der sich 2014 entwickelt, erwartet IDC das Aufkommen neuer Branchen-Partnerschaften: Traditionelle IT-Anbieter verstärken ihre Partnerschaften mit globalen Telekommunikationsdienstleistern und Halbleiterherstellern, um in den Bereichen der Consumer-Elektronik und der vernetzen Geräte integrierte Angebote zu entwickeln. Diese Zusammenarbeit und Koordination ist notwendig, um die von IDC bis 2020 prognostizierten 30 Milliarden autonom vernetzter Endpoints und Umsätze in Höhe von 8,9 Billionen Dollar mit dem Internet der Dinge zu erzielen.  

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