Interview mit Heribert Fritz: „Alle relevanten Bereiche aus einer Hand“

digitalbusiness CLOUD: Im November 2014 hat der französische Mischkonzern VINCI über die Tochtergesellschaft VINCI Energies sämtliche Anteile der Fritz & Macziol group übernommen, die zuvor im Besitz der Imtech ICT Division waren. Welche Auswirkungen hat der neue Eigner auf Ihre Geschäftstätigkeit als unabhängiges Software- und Systemhaus?

Heribert Fritz: Kurz gesagt: nur positive. Denn der neue Eigner VINCI Energies setzt auf eine starke Identität und Selbstständigkeit der einzelnen Organisationen im Unternehmensverbund. Die F&M group bewahrt daher nach wie vor auch jetzt ihre Eigenständigkeit. Wir freuen uns sehr, dass der Verkaufsprozess zu diesem ausgesprochen positiven Ergebnis geführt hat. Beispielsweise sind wir im ersten Quartal 2015 um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und haben das Ergebnis mehr als verdoppelt. Unter dem neuen Dach sehen wir daher ausgezeichnete Chancen, die Erfolgsgeschichte von FRITZ & MACZIOL langfristig fortzuschreiben.

digitalbusiness CLOUD: Ergeben sich durch den neuen Eigentümer und dessen Beteiligungen auch Synergieeffekte? Zu Ihrem Managementbereich VINCI Energies Deutschland ICT gehören auch die auf IT-Infrastrukturlösungen spezialisierte Axians Networks & Solutions GmbH sowie die auf IT-Security-Lösungen spezialisierte Crocodial IT Security GmbH. Wie sieht hier die Zusammenarbeit aus?

Heribert Fritz: Als verantwortlicher General Manager des ICT Pôles der VINCI Energies Deutschland darf ich mit Stolz berichten, dass die bereits existierenden Unternehmen Axians NK und Crocodial das Portfolio im Sinne eines ganzheitlichen Angebots ideal ergänzen und bereits erste Synergieeffekte bei Kunden erfolgreich erschlossen werden konnten.

Ein wichtiger Punkt ist, dass insbesondere im deutschen Markt die Unternehmen weiterhin mit starker Identität arbeiten. Dies baut auf deren teilweise 30 Jahre langen Erfahrung und allseits bekannten Expertise auf. Als aktiver Teil der Marke Axians bieten sich hier sämtlichen Unternehmen des ICT Pôles und insbesondere allen Kunden nun ganz neue und viel weitergehende Lösungen als bisher – auch weit über Deutschland hinaus. Dennoch bleibt gerade der enge und lokale Bezug mit seinen kurzen Entscheidungswegen eine unserer zentralen Stärken.

digitalbusiness CLOUD: Demnach kann die Fritz & Macziol group also weiterhin selbstständig agieren. Welche Regionen in Europa, Märkte und Technologien bieten Ihrer Meinung nach das größte Potenzial für weiteres Wachstum der Unternehmensgruppe?

Heribert Fritz: Grundsätzlich geben die Strategien und Ziele unserer Kunden die jeweilige Marschrichtung vor. Wir haben uns so aufgestellt, dass wir ihnen aus IT-Sicht – egal, wohin die Reise geht – den Weg ebnen können. Interessant dabei ist, dass die Technologie an sich für den Kunden dabei zunehmend in den Hintergrund tritt. Was zählt, sind in erster Linie Lösungen, die zuverlässig funktionieren und bezahlbar sind. Ob diese On-premise oder in einer Private Cloud zu finden sind, ist dabei zunächst einmal sekundär und hängt von der individuellen Anforderung ab. Egal wofür sich ein Kunde entscheidet: Mit unserer neuen Aufstellung decken wir als einziges IT-Haus in Deutschland alle relevanten Bereiche aus einer Hand ab.

digitalbusiness CLOUD: Damit sprechen Sie Ihre neuen Business Units an. Welche Zielsetzungen sind damit verbunden, und welche Vorteile ergeben sich dadurch für Ihre Kunden? Hat die neue Unternehmensstruktur auch Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit ihren bisherigen Partnern wie Microsoft, SAP usw.?

Heribert Fritz: Unsere neue Unternehmensstruktur hat nur positive Auswirkungen auf die bisherigen Partner, wir arbeiten nach wie vor mit den Weltmarktführern in der IT zusammen. F&M ist Top-Partner von IBM, Microsoft und SAP sowie EMC und Cisco. Daran wird sich auch nichts ändern. Denn jeder Kunde verdient die beste Lösung und die bekommt er nur von Unternehmen, die eine langfristige Historie und eine ebensolche Zukunft haben.

Im Detail verfügen wir über folgende neuen Business Units: Data Center & Converged Infrastructure, Cloud Computing, Networking & Security, Business Analytics & Big Data, Mobile & App Development sowie Collaboration & Social Business. Ergänzend kommen noch die Fachbereiche SAP Solutions & Technology, Software Asset Management und Managed Dienstware hinzu. Mit über 700 Consultants, mehr als 7.000 Zertifizierungen und zahlreichen Kundenbeispielen stellen wir unser Know-how in diesen Bereichen klar unter Beweis. Die sich daraus ergebenden Vorteile liegen damit für jeden Interessenten transparent und nachvollziehbar auf der Hand: Von uns erhält er passende Hard- und Softwarelösungen, ergänzt durch umfangreiche Service-Leistungen.

digitalbusiness CLOUD: Blicken wir auf die aktuellen Entwicklungen und Trends im IT-Markt. Derzeit fokussieren viele Anbieter das Thema „Digitale Transformation“, das die diesjährige CeBIT unter dem Motto „d!conomy“ zusammengefasst hat. Wo stehen Ihre Kunden als Anwender bei diesem Thema, und welche Herausforderungen ergeben sich für Sie als Anbieter wie auch für die Anwender?

Heribert Fritz: Die „Digitale Transformation“ wird die IT an sich und den deutschen Markt im Speziellen in den nächsten Jahren bestimmen und neu formen. Dabei denke ich vor allem an die Geschäftsmodelle traditioneller Systemhäuser. Wer wie bisher mit „Kisten schieben“ sein Geld verdient, wird aussterben. Heute sind ganzheitliche Ansätze mit explizitem Prozess-Know-how gefragt. Es kommt nicht darauf an, dem Kunden „ein Stück IT“ zu verkaufen, sondern ihm unter Berücksichtigung aller verwandten Bereiche eine ganzheitliche Lösung anzubieten. Daran werden viele scheitern, weil sie weder über die bereits angesprochenen Business Units verfügen noch über das Know-how, um die Lösungen mit der nötigen Prozesstiefe einzuführen.

digitalbusiness CLOUD: Bei der „Digitalen Transformation“ gewinnen auch neue Konzepte und Technologien wie „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ an Bedeutung. Wie ist Ihre Einschätzung zu deren Bedeutung und den Möglichkeiten, solche Technologien praktisch umzusetzen?

Heribert Fritz: Wir sind ein IT-Haus, das bereits jetzt über belegbare Praxiserfahrungen im Bereich der Industrie 4.0 verfügt. Einer unserer Kunden ist beispielsweise ein Kupferhersteller und wir unterstützen ihn bei der Fertigung seines Halbprodukts. Dazu haben wir seine Fertigungskette mit einer Sensorik ausgestattet, diese vernetzt und werten die Daten im Rahmen einer Big-Data-Analyse auf Basis von IBM Cognos aus. Der Kunde sieht nun auf einen Blick, wo und wie Fehler entstehen und welche Änderungen im 200 Schritte umfassenden Herstellungsverfahren nötig sind, um diese zu vermeiden. Das Beispiel zeigt, dass die alten Strukturen und das bisherige Know-how eines Systemhauses in einer zunehmend von digitalen Prozessen durchzogenen Produktion künftig nicht mehr ausreichen.

Deswegen begreifen wir uns als das IT-Haus mit einer besonderen Tiefe und Breite im Beratungs- und Lösungsangebot. Ergänzt wird dieses Thema durch die herausragende Expertise der anderen Managementbereiche von VINCI Energies, die sich ebenfalls bereits heute mit konkreten Projekten bei namhaften Kunden im Bereich Industrie 4.0 positionieren konnten. Abschließend ist festzustellen, dass dies sowohl eines der Hauptchancen unserer Unternehmensgruppe darstellt aber auch letztlich der Grund ist, weshalb VINCI speziell unsere Anteile übernehmen wollte. Wir freuen uns darauf, diesen Schatz gemeinsam mit unseren Kollegen im besten Kundensinne heben zu dürfen. (ak)

Das Gespräch führte Stefan Girschner.

 

FRITZ & MACZIOL group

Zur FRITZ & MACZIOL group (F&M group) mit Hauptsitz Ulm gehören die Unternehmen FRITZ & MACZIOL Software und Computervertrieb GmbH, INFOMA Software Consulting GmbH, FRITZ & MACZIOL Asia Inc. und IT&T AG. Mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ist die F&M group an 18 Standorten in Deutschland, der Schweiz und Asien vertreten. In Deutschland gehört die F&M group zu den Top Ten der IT-Häuser.

Die Gruppe bietet ein ganzheitliches Portfolio aus Beratung, Services, Software, Hardware und IT-Betrieb in ausgewählten Bereichen. F&M ist Top-Partner von IBM, Microsoft und SAP sowie EMC und Cisco mit den höchsten Zertifizierungen. Seit Oktober 2014 ist die F&M group Teil des französischen Mischkonzerns VINCI Energies. Seit April 2015 bündelt VINCI Energies sämtliche weltweiten ICT-Aktivitäten unter der Dachmarke Axians.

  • Die Unternehmenszentrale der FRITZ & MACZIOL group befindet sich in Ulm.
  • Heribert Fritz ist CEO der Fritz & Macziol group und General Manager des ICT Pôles (Pôle = Management-Bereich) von VINCI Energies.
  • Die FRITZ & MACZIOL group unterhält ein eigenes Rechenzentrum in Ulm.
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