ERP aus der Cloud: „Eine Win-Win-Situation für die Kunden“

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digitalbusiness CLOUD: Herr Anand, könnten Sie zunächst kurz erläutern, welche Cloud-Dienste Infor seinen Kunden anbietet? Welche Vorteile sehen Sie für die Anwender, Cloud-basierte Lösungen im Bereich von Geschäftsanwendungen einzusetzen?
Andreas Anand: Infor bietet industriespezifische Cloud-Suites, die auf zwölf Branchen und ihre Subsegmente – sogenannte Micro-Verticals – ausgerichtet sind. Dabei kann es sich um einen Spezialisten für Baumaschinen handeln, um einen Bekleidungshersteller oder eine Großbäckerei, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese Lösungen minimieren den Anpassungsaufwand auf beinahe null. Anwender können zwischen einer Multimandanten-Cloud, Hybridmodellen oder einem reinen On-Premise-Betrieb wählen.
Die Vorteile der Cloud liegen auf der Hand: Die Softwarefunktionen werden als Online-Service abgerufen und in Abonnement-Raten bezahlt. Daher entfällt die Installation vor Ort. Mit der Bereitstellung über Rechenzentren erübrigen sich die hauseigenen Server. Innerhalb von Tagen implementiert und nach Bedarf skaliert, nimmt eine Software aus der Wolke von Anfang an wenig Personalressourcen in Anspruch. Durch regelmäßige Updates, die in der Cloud gefahren werden, ist ein ERP-System immer aktuell, ganz ohne dass Techniker des Anbieters ins eigene Haus kommen müssen.

digitalbusiness CLOUD: Wie sieht die aktuelle Cloud-Lösungsstrategie von Infor aus, welche Anwendungen und Dienste außer dem ERP-Bereich möchten Sie Ihren Kunden demnächst über die Cloud anbieten?
Andreas Anand: Wir sehen uns als die weltweit erste „Industry Cloud Com­pany“. Unsere Strategie ruht auf drei Säulen: Erstens sind das die Industry Suites für Branchensubsegmente. Zweitens stützen wir uns auf eine Internet-Architektur, die auf offenen Standards basiert und die Anbindung weiterer Lösungen von Infor, aber auch anderer Anbieter erleichtert. Schließlich richten wir die Benutzeroberflächen an den Bedürfnissen der Anwender aus – und zwar auf den unterschiedlichsten Endgeräten.

Andreas Anand, Vice President Infor Consulting Services EMEA bei Infor.

 

Außer den ERP-Lösungen haben wir bereits eine Vielzahl an spezialisierten Cloud-Angeboten für spezifische Funktionsbereiche entwickelt. Dazu zählen Supply Chain Execution, Enterprise Asset Management, Product Lifecycle Management, Electronic Data Interchange und Financials. Diese planen wir, laufend zu erweitern.

digitalbusiness CLOUD: Bei der Bereitstellung der Cloud-Dienste kooperieren Sie mit Amazon Web Services (AWS). Wie kam es zur Entscheidung für AWS, welche Vorteile sehen Sie in dieser Partnerschaft?
Andreas Anand: Amazon ist Marktführer in diesem Geschäft und bietet eine globale Infrastruktur mit elf Regionen und 29 physisch getrennten unabhängigen Infrastrukturen. Das passt ideal zu unserem eigenen internationalen Geschäft. Hinzu kommt, dass es eine ganz klare Aufgabenteilung zwischen unseren beiden Unternehmen gibt. Unser Fokus liegt klar auf dem Applikationsgeschäft, AWS konzentriert sich auf die Cloud-Infrastruktur. Das neue Rechenzentrum in Frankfurt ist besonders für unsere deutschen Kunden interessant, die möglicherweise aus Datenschutzgründen oder Fragen der Rechtssicherheit bisher zumindest bei unternehmenskritischen Applikationen Bedenken gegen den Cloud-Betrieb hegten.

digitalbusiness CLOUD: Herr Geier, AWS kooperiert inzwischen mit zahlreichen marktführenden Cloud-Anbietern in Deutschland. Welche Vorteile bieten Sie beim Hosting im Vergleich zu Mitbewerbern? Worin sehen Sie den Mehrwert für den Nutzer?
Martin Geier: Typischerweise hören wir immer fünf Gründe, warum sich Marktführer wie Infor für die Cloud von Amazon entscheiden: Beweglichkeit wird oft als erstes genannt. AWS-Kunden können ihre Ressourcen bei Bedarf sehr schnell hochsetzen und hunderte, sogar tausende Server in wenigen Minuten nutzen. Innovationen zu wagen, fällt da viel leichter, da im Fall eines Rückschlags die Server ohne jedes Risiko einfach wieder abbestellt werden können. Danach kommt gleich der Kosten-Punkt. Bei AWS muss nur bezahlt werden, was auch gebraucht wird. Der Kunde spart dadurch bares Geld. Das geht Hand in Hand mit Grund Nummer drei: Skalierbarkeit. Früher mussten unsere Kunden viel mehr Infrastruktur bereithalten, um eventuelle Anforderungsspitzen kompensieren zu können – das kostet. Bei AWS dagegen können sie die Ressourcen, die sie buchen, ganz einfach und schnell rauf und runter skalieren. Indem sie sich so immer den aktuellen Anforderungen anpassen, können sie zum einen besser den Nutzeranforderungen gerecht werden und reduzieren zum anderen gleichzeitig ihre IT-Kosten.
Ein weiterer Grund ist unsere breite Funktionspalette. Wir bieten mehr Services als jede andere Plattform und bauen unser Angebot stetig aus. Unsere Kunden haben so immer Zugang zu den neuesten Features oder Erweiterungen, ohne selbst upgraden, deployen oder migrieren zu müssen. Der fünfte und letzte Punkt ist schließlich, dass unsere Kunden durch AWS in der Lage sind, innerhalb weniger Minuten Daten weltweit zu verbreiten. Das ist ein großer Vorteil für ein globales Unternehmen wie Infor.

digitalbusiness CLOUD: Welche Bedeutung kommt beim Hosting der Datensicherheit und der Erfüllung der geltenden Datenschutzbestimmungen zu?
Martin Geier: Bei AWS steht das Thema Sicherheit immer an erster Stelle. Wir halten uns an alle geltenden Gesetze der Länder, in denen wir tätig sind und sind nach dem Safe-Harbor-Abkommen zertifiziert. Wir verfügen über eine DPA, die von der Article 29 Working Party akzeptiert wurde. Außerdem entspricht AWS in vollem Ausmaß sämtlichen geltenden EU-Gesetzen für den Datenschutz und erfüllt weltweit gültige Sicherheitsstandards wie beispielsweise ISO 27001, ISO 9001, SOC 1, 2, und 3 sowie PCI DSS Level 1, die die Wirksamkeit unserer Sicherheitsverfahren und -prozesse bezeugen. Außerdem können wir versichern, dass die Speicherung von Kundendaten überall auf der Welt den europäischen Datenschutzstandards entspricht.

Martin Geier, Geschäftsführer bei Amazon Web Services (AWS).

 

Erst vor kurzem hat die EU-Datenschutzbehörde unser Data Processing Agreement anerkannt – ein klares Zeichen, dass unsere Kunden Datenschutz auf höchstem Niveau erwarten können. Aber natürlich können sie immer frei wählen, wo ihre persönlichen Daten gespeichert werden sollen – ob innerhalb oder außerhalb Europas. Hat sich der Kunde für eine Möglichkeit entschieden, bewegt AWS die Daten nicht ohne expliziten Auftrag vom Kunden. Das heißt, Daten, die in der neuen Frankfurt Region gespeichert werden, bleiben auch in Deutschland. AWS hilft seinen Kunden auch dabei, lokale Sicherheitsstandards zu erfüllen. Wir haben ein Customer Certification Workbook herausgebracht, das von der unabhängigen Zertifizierungsstelle TÜV TRUST IT entwickelt wurde. Es bietet Kunden einen Leitfaden, wie sie sich in Deutschland nach den IT-Grundschutzstandards des BSI zertifizieren lassen können.

digitalbusiness CLOUD: Wie können Sie die hohen Anforderungen deutscher Kunden bei diesen Themen erfüllen? Welche SLAs bieten Sie Ihren Kunden, insbesondere im Blick auf die Verfügbarkeit der Dienste?
Martin Geier: Ich denke, das ist eine gute Stelle, um hervorzuheben, dass alle Infrastruktur-Regionen von AWS überall auf der Welt dafür designt und gebaut wurden, sehr strenge Compliance-Standards zu erfüllen. AWS wie AWS-Partner stellen ihren Kunden außerdem eine Reihe von Werkzeugen zur Verfügung, a couple of examples being Trend Micro’s Deep Security or Alert Logic’s Cloud Security, um sicherzustellen, dass die Datensicherheit immer gewährleistet werden kann. Zusätzlich bieten AWS-Partner weitere Features, mit denen Kunden den Sicherheitslevel ihren Bedürfnissen entsprechend anpassen können. Kunden mit besonders sensiblen Daten bieten wir die Möglichkeit der End-to-End-Verschlüsselung – die Schlüssel kann dann entweder AWS verwalten, oder der Kunde selbst. Diese Werkzeuge ermöglichen es Kunden, ihre Daten sowohl während der Übertragung als auch auf dem Server zu verschlüsseln – sie sind Teil von Diensten wie Amazon S3, Amazon EBS und Amazon RDS. Wir haben auch logische Krypto-Tools wie AWS CloudHSM.

digitalbusiness CLOUD: AWS hat kürzlich auch ein deutschen Rechenzentrum in Betrieb genommen. Welche Rolle spielen regionale Rechenzentrums-Standorte bei Ihrer Cloud-Strategie?
Martin Geier: Uns ist bewusst, dass es unseren Kunden wichtig ist, die Entscheidungsgewalt über ihre eigenen Daten zu behalten. Bevor wir die Frankfurt Region eröffnet haben, wurden wir oft von Kunden darauf aufmerksam gemacht, dass sie nur einen Bruchteil ihres Workloads über AWS laufen lassen, da es keine Region auf deutschen Boden gibt. Der Standort ist für viele unserer Kunden ein wichtiges Kriterium.

digitalbusiness CLOUD: Herr Anand, kommen wir nochmals auf die Cloud als ganzheitliches IT-Konzept zurück: In einer in den USA erstellten Studie sprechen Sie von den fünf größten Risiken für Unternehmen, jetzt nicht in die Cloud zu wechseln. Worin genau liegen diese Risiken? Ist dieses Paradigma auch für deutsche beziehungsweise europäische Unternehmen zutreffend, und sind Ihrer Ansicht nach bestimmte Unternehmen oder Branchen davon besonders betroffen?
Andreas Anand: Wir sehen in der Tat fünf Risiken für Unternehmen, für die die Cloud keine Alternative ist. Zu allererst sind da die Kosten für den Unterhalt eines eigenen Rechenzentrums, angefangen von der Hardware über die Wartung, Upgrades und Energie bis hin zu Kühlung, Sicherheit, Flächenmiete und Verwaltung. Wer sich hier nicht umstellt, wird langfristig im Wettbewerb benachteiligt sein – denn so professionell, wie spezialisierte Unternehmen wie AWS Services zur Verfügung stellen, werden sich nur wenige Industrieunternehmen aufstellen können. Zweitens geht es um blitzschnelle Reaktionen: Die Cloud erlaubt rasche Umstrukturierung, Expansion oder Skalierung – bis man eine Infrastruktur aus eigener Kraft hochgezogen hat, ist der Wettbewerb vorbeigezogen. Das gilt drittens insbesondere bei Übernahmen: Die Integration und Konsolidierung von Systemen ist in der Cloud sicher, wirtschaftlich und effizient möglich. Viertens schützt ein erstklassiger Cloud-Service-Provider Unternehmen vor irreversiblen Ausfällen und Unterbrechungen: Deren Fail-over- und Disaster-Recovery-Systeme sind so ausgefeilt, dass sich nur die wenigsten Unternehmen einen ähnlichen Support im eigenen Haus leisten können. Und schließlich geht es auch um Nachhaltigkeit: Immer mehr Kunden interessieren sich dafür, wie umweltfreundlich ihre Lieferanten aufgestellt sind. Cloud-Anbieter nutzen Skaleneffekte, um den Einfluss von Energieverbrauch, Platzbedarf und Kühlung auf die Umwelt zu verringern. All diese Punkte sind Unternehmen in den USA vielleicht schon präsenter, aber prinzipiell werden sich auch europäische Unternehmen quer durch alle Branchen damit auseinandersetzen müssen.

digitalbusiness CLOUD: Könnten Sie zum Schluss noch eine Einschätzung geben, wie bisher die Resonanz Ihrer Kunden auf die neuen Cloud-Dienste ist?
Andreas Anand: Im ersten Quartal unseres Geschäftsjahres 2015, das am 1. Juni 2014 begonnen hat, verzeichneten wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Wachstumsraten von über 20 Prozent. Das ist einerseits der Lizenzvermarktung für die aktuellen Releases von Infor 10x zu verdanken. Aber auch die Zahl der SaaS-Abonnements hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, den größten Einzelumsatz mit einem Kunden konnten wir im ersten Quartal dieses Geschäftsjahres im Zusammenhang mit einer Cloud-Lösung tätigen. Weltweit nutzen bereits 2.600 Kunden mit rund 25 Millionen Usern Cloud-gestützte Lösungen von uns. Diese Zahlen sprechen für sich.

digitalbusiness CLOUD: Herr Geier, wie sind Ihre Erfahrungen mit der Zusammenarbeit von Anbietern geschäftskritischer Anwendungen wie Infor?
Martin Geier: Genau wie AWS möchte Infor seine Kunden dabei unterstützen, ihre IT-Gesamtkosten zu reduzieren. Das ist einer der Gründe, weshalb sie CloudSuite, ihre ERP-Lösung, auf AWS laufen lassen. Der Wunsch von Infor, Kunden eine flexible, innovative und sichere IT-Plattform zu bieten, verbindet sich sehr gut mit dem Angebot von AWS – und ist schlussendlich eine Win-Win-Situation für die Kunden. (ak)

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