E-Commerce-Stimmungsindex 2015: Kampf mit den technischen Schwächen

Bei vielen Unternehmen mit Online-Shops macht sich zunehmend die Erkenntnis breit, dass ihr bisheriges E-Commerce-Engagement nicht ausreicht, um an den Möglichkeiten des Internethandels ausreichend partizipieren zu können. Diesen Schluss legen die Ergebnisse einer Untersuchung nahe, bei der anhand zehn verschiedener Bewertungsfaktoren die aktuelle Stimmung ermittelt wurde. Analysiert wurde nicht nur die gegenwärtige Situation, sondern auch wie die weiteren Perspektiven für die nächsten 12 Monate aussehen. 137 E-Commerce-Verantwortliche haben dazu in einer jeweiligen Werteskala von 0 bis 10 ihre Einschätzungen abgegeben. Aus der Summe der gewichteten Einzelergebnisse wurde der E-Commerce-Stimmungsindex 2015 errechnet.

Zu geringe Investitionsbudgets

Mit 63,78 Punkten liegt der Index zwar noch deutlich unterhalb des Maximalwertes von 100, doch insbesondere die Bewertungen der internen Bedingungen für den Internethandel haben ein besseres Ergebnis verhindert. So ist E-Commerce zwar überwiegend gut in den Unternehmensstrategien verankert, dies drückt sich jedoch nicht in den dafür bereitstehenden Investitionsbudgets aus. Noch ungünstiger sieht es bei der Leistungsqualität der genutzten technischen Lösungen aus. So erreicht dieser Aspekt mit 5,36 Punkten von allen Parametern eines der niedrigsten Einzelbewertungen.

„Viele Web-Shops sind technisch tatsächlich noch nicht sehr ausgereift“, weiß Gerlinde Wiest-Gümbel, Vorstand bei Poet, aus den eigenen Beratungs- und Projekterfahrungen. „Die Ursachen dafür finden sich in dem hohen Entwicklungstempo von E-Commerce, das viele Unternehmen trotz aller Notwendigkeiten nicht ausreichend mitgehen.“ Dies resultiere wiederum daraus, dass häufig noch keine adäquate Antwort auf die Frage gefunden wurde, wie das stationäre und Online-Geschäft in eine harmonische Koexistenz gebracht werden können. „Unklare oder noch nicht endgültig definierte strategische Positionen hemmen das Investitionsengagement und erzeugen technische Defizite.“

Online-Shops sehen sich vor hohen Anforderungen

An diesen Verhältnissen soll sich in naher Zukunft offenbar etwas ändern. Denn auf die Frage, wie anspruchsvoll die befragten Unternehmen die weiteren E-Commerce-Anforderungen in den nächsten 12 Monaten einschätzen, wird mit 7,72 der höchste aller Einzelwerte ermittelt. Diese offensichtlichen Optimierungsbestrebungen stützen sich auch auf positive Budgeterwartungen für diesen Zeitraum. Der entsprechende Indexwert steigt auf 6,78, was gegenüber dem Votum zur aktuellen Budget-Situation eine Steigerung um immerhin 0,9 Punkte bedeutet.

Bei der zukünftigen Ausrichtung stehen besonders die Trends Social Commerce und Mobile Commerce hoch im Kurs. Diese Lösungsbereiche hatten aber auch schon in den bisherigen Lösungsstrategien eine hohe Priorität, die Online-Händler wollen sich ihnen aber auch in den nächsten 12 Monaten mit weitgehend ähnlicher Intensität widmen.

Personalisierte Ansprache wird immer wichtiger

Anders sieht es jedoch insbesondere beim Thema Customer Centric Commerce zur individuelle Ansprache und Betreuung der Kunden aus. Bisher hatte es erst eine mittlere Relevanz, ihm soll aber eine deutlich größere Bedeutung bekommen, was sich an der überdurchschnittlichen Steigerung des entsprechenden Index-Wertes von 4,82 auf 6,22 Punkte ablesen lässt. Eine ähnliche Tendenz besteht bei Predictive Analysis für Prognosen mit Wahrscheinlichkeitsangaben über das Kundenverhalten. Auch hier ist ein deutlicher Anstieg des entsprechenden Index-Wertes zu verzeichnen.

Für Wiest-Gümbel wird es bald aber über diese Themen hinaus noch einen Trend geben, der gegenwärtig erst am Rande diskutiert wird: die Zusammenführung von E-Commerce-Lösungen mit den ERP- und CRM-Systemen. „Dies wird der individuellen Kundenansprache zukünftig ganz neue Möglichkeiten eröffnen.“

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