„Denkfabrik“ startet GoBD-Zertifizierung von ERP-Software

Unternehmen, deren ERP-Software (Enterprise Resource Planning) nicht den neuen GoBD-Anforderungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) entspricht, laufen Gefahr, dass die Finanzämter ihre Bilanzen für 2015 nicht anerkennen und schlimmstenfalls eine Steuerschätzung vornehmen. Darauf weist das IT-Forum der „Denkfabrik“ Diplomatic Council (DC, www.diplomatic-council.org) hin.

Die DC-Experten bezeichnen die Lage vor allem für mittelständische Firmen als „brisant“, weil das BMF erst im November letzten Jahres seine neuen „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) festgelegt hatte und die meisten ERP-Programme noch nicht darauf abgestellt seien. Betroffen sind laut DC-Experten nicht nur Programme für das Rechnungswesen, sondern auch die vor- und nebengelagerten IT-Systeme wie beispielsweise PC-Kassen-, Warenwirtschafts-, Fakturierungs-, Messwaagen-, Kostenrechnungs-, Zeiterfassungs- und Dokumentationsmanagementsysteme.

Unternehmen, deren ERP-Software (Enterprise Resource Planning) nicht den neuen GoBD-Anforderungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) entspricht, laufen Gefahr, dass die Finanzämter ihre Bilanzen für 2015 nicht anerkennen.

Unternehmen, deren ERP-Software (Enterprise Resource Planning) nicht den neuen GoBD-Anforderungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) entspricht, laufen Gefahr, dass die Finanzämter ihre Bilanzen für 2015 nicht anerkennen. Bild: Andreas Hermsdorf/pixelio.de

 

DC: Finanzämter suchen gezielt nach Schwachstellen

Die neuen GoBD-Grundsätze sind schon auf das Veranlagungsjahr 2015 anzuwenden, warnt das IT-Forum des Diplomatic Council (DC). Die Finanzbehörden hätten bereits begonnen, Spezialisten einzusetzen, die bei Betriebsprüfungen die betroffene Software gezielt auf Schwachstellen bezüglich der neuen Regeln abklopfen sollten.

„Die Anwender sind selbst verantwortlich für die Einhaltung der GoBD und damit für die Ordnungsmäßigkeit der zur Buchführung eingesetzten Softwareprodukte, nicht etwa die Hersteller“, erklärt Wirtschaftsprüfer Klaus-Michael Burger, Generalbevollmächtigter des Diplomatic Council mit Zuständigkeit für die internationale Software-Zertifizierung, und sagt: „In wieweit die Hersteller regresspflichtig werden, wenn sie ihren Kunden im Grunde eine möglicherweise nicht mehr gesetzeskonforme Software anbieten, wird die Rechtsprechung frühestens 2016 entscheiden.“

Testat gemäß GoBD durch IHK-Sachverständige

Um Softwareherstellern und Anwendern mehr Sicherheit zu geben, hat das Diplomatic Council ein Prüfungs- und Testierungsverfahren für Software nach GoBD entwickelt. Die Zertifizierung erfolgt durch einen von einer deutschen Industrie- und Handelskammer (IHK) öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Hierbei können nach Absprache neben dem GoBD auch die Standards zur Prüfung von Softwareprodukten IDW PS 880 (Deutschland), PS 870 (Schweiz) und AS4009-1992 (Australien) sowie IEEE 1028-2008 zur Anwendung kommen. Der Zertifizierungs­prozess umfasst die Bestandsaufnahme der Software und der Entwicklungs­umgebung, die Prüfung der Verarbeitungsfunktionen und Verarbeitungsregeln, der Software­sicherheit, der Dokumentation und der Funktionsfähigkeit sowie die Ergebnis­dokumentation mit Testat.

Wirtschaftsprüfer Klaus-Michael Burger erklärt: „Für die Softwareanbieter stellt die neutrale und rechtssichere Zertifizierung durch das Diplomatic Council ein deutliches Qualitätsmerkmal und ein wesentliches Argument für Vertrieb und Marketing dar. Den Anwendern garantiert das unabhängige Testat für die Abschlussprüfung Sicherheit gemäß der vom Bundesfinanz­ministerium zwingend geforderten Erfüllung der neuen GoBD-Anforderungen. Zudem spart das Zertifikat Prüfungskosten, weil die Ergebnisse der Softwareprüfung als Teil der Risikobeurteilung des Abschlussprüfers gelten.“

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