Cloud Computing – eine Chance für KMUs?

Der Begriff Cloud Computing ist zurzeit in aller Munde und das Interesse der IT-Dienstleistungsbranche groß, den damit einhergehenden Nutzen für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) herauszustellen. Nach mehreren Studien für führende Anbieter von Mittelstands-Cloud-Services durch mein Institut bleiben für mich jedoch Fragen offen, die es zu beantworten gilt, damit Cloud Computing in fünf Jahren mehr sein wird als nur ein weiteres Modewort der IT-Industrie.

Doch das Positive vornweg: Cloud Computing als die flexible Bereitstellung skalierbarer IT-Ressourcen – Anwendungen, Plattformen und Infrastrukturen – auf Mietbasis unter besserer Ausnutzung existierender physischer Hardware, verspricht in Zukunft eine weitaus anpassungsfähigere und kostengünstigere Nutzung der IT.

Die Skalierbarkeit der IT-Ressourcen bedient Wachstumsbestrebungen kleiner und mittlerer Unternehmen, wie sie etwa bei der Erschließung neuer Märkte oder der Abwicklung zusätzlicher Projekte notwendig werden. Die flexiblere Bereitstellung von IT ermöglicht diesen Unternehmen die schnelle Entwicklung neuer, kundenspezifischer Produkte – oft unter Einbeziehung internationaler Kooperationspartner – ohne die mit dem Kauf verbundenen Kapitalrisiken. Somit könnte sich Cloud Computing als dauerhafte, zuverlässige und bezahlbare Technologie zur Entwicklung von Innovationen in kleinen und mittleren Unternehmen etablieren. Bei größeren Mittelständlern könnten extern bezogene Dienste (zum Beispiel CRM oder SRM-Systeme, Fileserver usw.) existierende interne Dienste ergänzen. Für wissensintensive, expansive Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern könnte der Gesamtbetrieb der IT aus der Cloud viele Probleme lösen, etwa die mangelnde Verfügbarkeit personeller Ressourcen für die vom Geschäft eingeforderte Servicequalität oder die stetig wachsenden Anforderungen an die  IT-Compliance (Basel2, GDPDU, BSI).

Obwohl kleine und mittlere Unternehmen in Umfragen all diese Vorteile wahrnehmen, stellen Sie sich jedoch Fragen, die zu klären die weitere Verbreitung von Cloud Computing unterstützen würden:

  • Wie ist der Datenschutz und die Datensicherheit in den – aufgrund ihres hohen Standardisierungsgrads und Kostenvorteils –  für Kleinunternehmen interessanten Public Clouds geregelt?
  • Wie ist mit personenbezogenen Daten von Kunden umzugehen, die auf zum Beispiel dem Patriot Act unterliegenden Servern in den USA gespeichert werden?
  • Wie hoch sind die Lock-In-Kosten beim Wechsel des Cloud-Anbieters? Die meisten Schnittstellen sind immer noch stark anbieterspezifisch.
  • Wie vielfältig ist derzeit das Angebot an Cloud-Anwendungen, so dass ein weitgehender Fremdbezug der IT aus der Cloud für KMU möglich wird?
  • Wie willig sind mittelständische Unternehmen bei der Standardisierung ihrer eigenen IT-Prozesse und Schnittstellen, die die Voraussetzung für den effizienten Betrieb zum Beispiel von Internal- oder Hybrid-Cloud-Lösungen darstellen?
  • Sind Kleinunternehmen in der Lage, ihre Anforderungen so zu formulieren, dass die extern bezogenen Services ihr Business wirklich unterstützen?
  • Können Kleinunternehmen ihre Cloud-Anbieter auf Basis gemeinsam erarbeiteter Service Level Agreements aktiv auf ihr Geschäft hin managen?

Selbst wenn die genannten Fragen zufriedenstellend geklärt wären, bleibt die Frage, weshalb ein kleines oder mittleres Unternehmen bei zurzeit schwierigen Finanzmarktbedingungen zuerst in eine Umstellung der IT auf Cloud Computing und nicht in die Kernprozesse des Unternehmens, etwa die Produktentwicklung, investieren sollte. Die Antwort lautet: Alle wesentlichen Geschäftsmodelle und -prozesse werden künftig vom neuen IT-Paradigma profitieren (Hebeleffekt). Dieses wirtschaftliche Potenzial zu vermitteln und an Best Practice Cases aufzuzeigen, wird nach der Beseitigung der bestehenden Hürden die nächste Aufgabe der Cloud Provider sein, um dem Konzept zum Erfolg zu verhelfen. Dass Cloud Computing das Erfolgspotenzial hat, ist für mich offensichtlich!

 Prof. Dr. Dieter Hertweck.

Prof. Dr. Dieter Hertweck unterrichtet seit 2004 Geschäftsprozess- und Informationsmanagement im Studiengang Electronic Business an der Hochschule Heilbronn, und ist seit 2005 leitender Direktor des Electronic-Business-Instituts Heilbronn (EBI) http://www.hs-heilbronn.de/ebi . Durch die besonderen Rahmenbedingungen der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken bedingt, widmet sich das EBI sehr intensiv den IT-Herausforderungen mittelständischer Unternehmen und denen der IT-Dienstleister für den Mittelstand.

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